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Kunst - Berlin

Sammlerfamilie übergibt Chipperfield-Haus

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Berlin (dpa/bb) - Die Museen der kunsthistorischen Mitte Berlins bekommen einen neuen Anlaufpunkt. Nach einigem Zögern hat die Berliner Sammler- und Galeristenfamilie Bastian ihr Chipperfield-Haus an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben. Den Übergang markierte am Dienstag in Berlin ein Festakt in dem futuristischen Galeriehaus an der Museumsinsel.

Stiftungspräsident Hermann Parzinger freute sich den Angaben zufolge über ein "außerordentliches Engagement". Damit könne die Museumsinsel zu einem Ort für neue Wege der Bildungsarbeit gemacht werden. "Wir begreifen dies als riesige Chance." An seinem 60. Geburtstag sprach Parzinger von einem "immens großzügigen Geschenk". Céline, Heiner und Aeneas Bastian stellten sich damit "in die große Tradition der herausragenden Förderer und Mäzene der Staatlichen Museen".

Künftig soll der Bau als kulturelles Bildungszentrum vor allem für junge Leute dienen, in dem Museumsbesuche vor- und nachbereitet werden können. Dabei sollen laut Stiftung Themen Raum bekommen, "die einen Brückenschlag zwischen den Sammlungen und Häusern erlauben". Auch das noch im Bau befindliche Humboldt Forum neben der Museumsinsel soll dabei einbezogen werden.

Für die bisherigen Eigentümer sagte Heiner Bastian in einer Mitteilung: "Das Ausstellungshaus, das oft als "Tor zur Museumsinsel" bezeichnet wurde, ist längst zu einem öffentlichen Ort der Begegnung geworden." Die Staatlichen Museen setzten nun einen Weg fort, der vor zehn Jahren mit dem subjektiven Blick der Familie auf hundert Jahre europäische und nordamerikanische Kunstgeschichte begonnen habe.

Der Bau stammt von David Chipperfield. Der britische Stararchitekt hat auch genau gegenüber die James-Simon-Galerie gebaut, das neue zentrale Eingangsgebäude der Museumsinsel.

Nach der Fertigstellung 2007 wurde das Chipperfield-Haus mit einer Ausstellung des britischen Künstlers Damien Hirst eröffnet. Die aktuell präsentierten Arbeiten unter anderem von Joseph Beuys und Anselm Kiefer sind noch bis Samstag zu sehen, bevor alles abgehängt wird.

Die Räume zeichnen sich aus durch für Ausstellungsgebäude ungewöhnliches Seitenlicht, das durch riesige Fenster in den Bau strömt. Heiner Bastian sieht das Licht als Metapher zwischen Kunst und Leben: "Das wunderbare nordeuropäische Licht in diesen mit großen Gläsern gefassten Räumen und das Zwiegespräch zwischen Innen und Außen, das werden wir vermissen." Die Fenster erlauben grandiose Ausblicke auf die sehenswerte Nachbarschaft: Museen, Berliner Dom, Fernsehturm am Alexanderplatz, Humboldt Forum.

Um das rund 2000 Quadratmeter große Haus hatte es einiges Hin und Her gegeben. Das Gebäude sollte ursprünglich schon 2016 an die Preußenstiftung gehen. Damals hieß es, der schwäbische Schrauben-Unternehmer und Kunstsammler Reinhold Würth werde den Ankauf finanzieren. Wenige Tage später jedoch kündigte die Familie Bastian an, sie wolle der Stiftung das Haus nun selbst schenken. Später zogen die Eigentümer das Angebot überraschend wieder zurück - um einige Monate darauf ihr ursprüngliches Versprechen dann doch noch wahr zu machen.