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Kunst - Berlin

App auf Leinwand: Gallery Weekend und Paper Position Berlin

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Berlin (dpa) - Zum Gallery Weekend verwandelt sich Berlin am Wochenende wieder in eine riesige Ausstellungsfläche. Fast 50 Galerien der Stadt geben einen Einblick in die Kreativszene und zeigen vorwiegend neue Arbeiten zeitgenössischer Künstler. Parallel dazu können Kunstliebhaber auch viele Galeristen an einem Ort besuchen: Zur Paper Positions Berlin sind ebenfalls fast 50 Galeristen aus elf Ländern mit Arbeiten ihrer Künstler nach Berlin gekommen. Ein kleiner Rundgang:

Sol Calero - Die 1982 in Venezuela geborene, in Berlin lebende und arbeitende Calero hat Räume der Galerie ChertLüdde in eine fantasiereiche Aufarbeitung ihrer Kindheit verwandelt. Neben farbkräftigen Darstellungen mit Motiven von Tieren, Früchten oder Pflanzen lässt die Künstlerin ihre Erinnerungen auch in das Design von Sitzkissen und Liegestühlen einfließen. Immer wieder erheiternd ist dabei der zwanglose Umgang Caleros mit Klischees ihrer Heimat.

Richard Long - "Da fehlt noch was" scheint im Gesicht des britischen Künstlers Long zu lesen zu sein, als er kurz vor der Eröffnung noch eins der Stücke aus einem Steinbruch in Mittweida in die neue Berliner Dependance der Konrad Fischer Galerie trägt. In dem gerade umgebauten alten Umspannwerk hat Long seine raumgreifenden Steinarbeiten inszeniert. Fotos berichten von seinen künstlerischen Auseinandersetzungen mit der Natur auch weit ab der Zivilisation.

Julian Charrière - Der französisch-schweizerische Künstler Charrière entführt Besucher im riesigen Keller der Galerie Dittrich und Schlechtriem in eine bizarre Welt von Apnoe-Tauchern. Charrière hat seine Darsteller zu einer sehr speziellen Wasserschicht geschickt, die die Unterwasseraufnahmen wie in einem nicht definierten, unendlichen Raum erscheinen lassen. Die unbekleideten Taucher wirken wie Akte in einer unwirtlichen Welt.

Raphaela Vogel - Für die Galerie BQ hat die 1988 geborene Vogel alptraumhafte Installationen realisiert. Thematisch kreisen die Arbeiten unter dem Titel "Vogelspinne" um Spinnen und andere Insekten. Auf eine ältere Arbeit eines schlafenden Aktes hat sie eine überdimensionierte Spinnenskulptur montiert. In einer spinnenförmigen Metallkonstruktion hängen zusammengebundene Kinderpuppen, die an Spinnennachwuchs denken lassen. Auch an eine große Videoarbeit mit einer um zwei Punkte kreisenden Meeresoberfläche hat Vogel ein Gerüst gebaut, das an Spinnenbeine erinnert.

JR - Der aus Paris stammende Multimedia-Künstler JR hat zuletzt mit optisch täuschenden Arbeiten rund um den Louvre für Aufsehen gesorgt. Im Salon Berlin des Museums Frieder Burda hat JR ein Holzmodell des Containerschiffes installiert, das er 2014 in Le Havre mit 2600 Papierstreifen beklebte. Die Abbildung zeigte das Augenpaar einer aus Kenia stammenden Frau, die für Gewalt und Opfer kriegerischer Auseinandersetzungen stand. Zudem schickt JR seinen mit Fotokabine und Drucker ausgestatteten "Inside out"-Truck an verschiedene Standorte der Stadt.

Christoph Schlingensief - Der Geist des 2010 gestorbenen Schlingensief ist über sein Projekt eines Operndorfes in Afrika vertreten. Mit "Donkôkéné zwei" präsentieren neun Künstlerinnen und Künstler aus Berlin und Bamako im Bunker der Galerie Wiensowski und Harbord Arbeiten, die während ihres Aufenthalts in dem wachsenden Künstlerdorf entstanden sind.

Hell Gette - Die aus Kasachstan stammende Hell Gette lebt und arbeitet in München. Auf der Paper Positions präsentiert die Düsseldorfer Galerie Golestani neue Arbeiten Gettes. Dafür hat sie mit einer App Kollagen zusammengestellt und mit Elementen wie Emoticons belebt. Die Ausdrucke werden mit einer speziellen Chemikalie so bearbeitet, dass Gettes Arbeiten schließlich einen aquarellartigen Charakter bekommen.