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"Ärgerlich für Passagiere": Warnstreiks legt Flughäfen lahm

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Hannover (dpa/lni) - Warnstreiks der Sicherheitskräfte haben den Flugverkehr an den Airports in Hannover, Bremen und Hamburg massiv behindert. Die Passagiere, deren Flieger trotz des Streiks starteten, mussten bei den Kontrollen teilweise längere Wartezeiten in Anspruch nehmen. Nach Angaben der Flughäfen war die Situation insgesamt aber weitgehend entspannt. "Alle sind sehr geduldig", sagte die Sprecherin des Flughafens Hannover-Langenhagen, Anika Studders. "Es ist für unsere Passagiere aber ärgerlich." In der niedersächsischen Landeshauptstadt wurden gut ein Drittel der 119 Abflüge und Ankünfte gestrichen - von den Arbeitsniederlegungen waren der Sprecherin zufolge etwa 10 000 Fluggäste betroffen.

In Hannover, Bremen und Hamburg hatte der 24-stündige Streik schon um Mitternacht begonnen. "Wir sind hochzufrieden mit der Streikbeteiligung", sagte Verdi-Landesfachbereichsleiterin Ute Gottschaar. In Hannover hätten mehr als 150 Beschäftigte, in Bremen rund 80 teilgenommen. Verdi verlangt für die rund 15 000 staatlich geprüften Mitarbeiter brutto 20 Euro pro Stunde. Bislang sind die Stundenlöhne in der Branche regional sehr unterschiedlich geregelt. In Niedersachsen und Bremen erhalten die Passagier-Kontrolleure laut Gottschaar bisher 17 Euro, die Kontrolleure von Personal und Fracht 15,50 Euro. "Die Kolleginnen und Kollegen sind dafür da, Terrorangriffe zu verhindern", sagte die Verdi-Frau. Sie sollten ähnlich bezahlt werden wie Bewacher von Kernkraftwerken.

Da der Streik 48 Stunden vorher angekündigt war, wichen bei Inlandsverbindungen viele Reisende auf Bahn oder Auto aus. Die Fluggesellschaft Tuifly verlegte vier Abflüge von Ferienfliegern an den Flughafen Paderborn-Lippstadt. Die Passagiere wurden kostenlos mit dem Bus von Hannover dorthin gebracht.

Am Flughafen Bremen wurden aufgrund des Warnstreiks 31 von 58 Verbindungen abgesagt. Die Situation sei ruhig, es gebe keine längeren Wartezeiten, sagte Flughafensprecherin Andrea Hartmann.

Am Flughafen Hamburg wurden ebenfalls mehr als die Hälfte der angesetzten 357 Flüge gestrichen. Die verbliebende Passagiere konnten am Vormittag laut einer Sprecherin problemlos abgefertigt werden. Unter anderem nach Lissabon, Zürich und Warschau hoben Flugzeuge ab. Mit dem Beginn der Frühschicht traten in Hamburg rund 100 Sicherheitsbedienstete in den Ausstand. Insgesamt arbeiten am Flughafen Hamburg laut Verdi 1000 Menschen in diesem Bereich.

Bundesweit hatte Verdi an acht Flughäfen zum Warnstreik aufgerufen. Darunter sind etwa die Flughafen-Drehkreuze Frankfurt am Main und München. Bereits in der vergangenen Woche hatte es Warnstreiks des Flugsicherheitspersonals gegeben - zunächst an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld, dann in Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart. Verdi begründet die jetzige Eskalation damit, dass die Arbeitgeber "kein verhandlungsfähiges Angebot" vorgelegt hätten.

Arbeitgeber, Tourismusverbände und Wirtschaft kritisierten die Ausweitung der Warnstreiks deutlich. "Erneut wird ein Tarifkonflikt einer einzelnen Berufsgruppe auf dem Rücken von Hunderttausenden Passagieren, den Luftverkehrsbetrieben und vielen weiteren Unternehmen der deutschen Tourismuswirtschaft ausgetragen", monierte der Generalsekretär des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), Michael Rabe.