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Tarife - Berlin

Verdi berät über mögliche Warnstreiks bei BVG

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Berlin (dpa/bb) - Im Tarifstreit um die Bezahlung der Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) will die Gewerkschaft Verdi über mögliche Warnstreiks entscheiden. Ob es zu Arbeitsniederlegungen kommt, sei noch offen, sagte Verhandlungsführer Jeremy Arndt am Dienstagmittag. Zunächst wollte die Verdi-Tarifkommission am Nachmittag das Arbeitgeberangebot beraten. Mitte Februar hatte es bereits einen großen Warnstreik in der Hauptstadt gegeben - viele U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse blieben stehen.

Arndt stufte das Angebot der Arbeitgeberseite für die rund 14 000 Beschäftigten der BVG und ihrer Tochter Berlin Transport als unzureichend ein. Es führe sogar zu einer Arbeitszeitverdichtung. Zur Forderung der Gewerkschafter nach einer 36,5-Stunden-Arbeitswoche bei vollem Lohnausgleich gebe es weiterhin eine Blockadehaltung. Heute muss knapp die Hälfte der Beschäftigten 39 Stunden ran - das sind alle Kollegen, die seit 2005 eingestellt wurden.

Eine BVG-Sprecherin sagte zu dieser Forderung: "Da man dann nur zur Aufrechthaltung des derzeitigen Verkehrsangebots quasi über Nacht mehr als 500 neue Mitarbeiter einstellen müsste, ist dies nicht verhandelbar." Das werde abgelehnt.

Die BVG ist das größte kommunale Verkehrsunternehmen Deutschlands und mit mehr als 2,9 Millionen Kundenfahrten pro Tag das Rückgrat des Berliner Nahverkehrs. Die S-Bahn in Berlin gehört dagegen nicht zur BVG, sondern zur Deutschen Bahn.

Verdi ging in die Tarifverhandlungen, die Ende Januar begonnen hatten, zudem mit der Forderung nach Weihnachtsgeld auch für Neulinge, Wegfall der unteren Lohngruppen und schnellere Gehaltssprünge, zudem für Gewerkschaftsmitglieder einmalig 500 Euro.

Das Angebot der Arbeitgeberseite beläuft sich seinerseits auf einen Mehraufwand für den Personalbereich in Höhe von 65 Millionen Euro jährlich, wie aus BVG-Kreisen deutlich wurde. Dieser jährliche Betrag beziehe sich sowohl auf den Manteltarif und die Rahmenbedingungen für die Entgelt-Ordnung als auch auf die Erhöhung der Tabellenentgelte - ist also ein Gesamtbetrag. Der Löwenanteil des Mehraufwandes - nämlich rund 54 Millionen Euro jährlich - mache die Erhöhung der Tabellenentgelte aus.

Die Gehälter sollen sich laut BVG-Kreisen gemäß Angebot in unteren Entgeltgruppen - worunter auch die Fahrer fallen - um elf Prozent erhöhen, in höheren Entgeltgruppen um sieben Prozent. Unter dem Strich könnte es rückwirkend zum 1. Januar 2019 damit eine Erhöhung im Durchschnitt von 10 Prozent der Bruttogehälter geben und dann bei diesem Wert bis Ende 2020 bleiben. Vor Tagen hatte Verdi mitgeteilt, dass 65 Millionen Euro nicht ausreichten. Die vierte Tarifrunde ist für den 28. März geplant.