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Gewerkschaften fordern Hilfe für Millionen Ungelernte

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In Deutschland gibt es immer mehr Ungelernte und einen Fachkräftemangel. Foto: Peter Steffen

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Berlin (dpa) - Angesichts der immer zahlreicheren Menschen ohne Berufsabschluss hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mehr Hilfe für die Betroffenen gefordert.

Vor der Vorlage des Berufsbildungsbericht 2019 der Bundesregierung an diesem Mittwoch sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: "Es führt zu erheblichen gesellschaftlichen Spannungen, wenn Betriebe über unbesetzte Ausbildungsplätze klagen und gleichzeitig immer mehr Jugendliche ohne Ausbildung bleiben."

Mehr als zwei Millionen Menschen im Alter von 20 bis 34 Jahren haben laut dem Bericht keinen Berufsabschluss. "Das sind 14,2 Prozent dieser Altersgruppe", sagte Hannack. Der Bericht lag der dpa vor. Auch das "Handelsblatt" und die "Bild"-Zeitung zitierten aus dem Bericht, den Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) nach der Kabinettssitzung vorstellen will.

Wie aus dem offiziellen Überblick über den Ausbildungsmarkt weiter hervorgeht, stieg die Zahl derer, die von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen wurden. Die Übernahmequote lag 2017 bei 74 Prozent. "Sie ist damit nach einem kontinuierlichen Zuwachs über die letzten sieben Jahre nochmals stark gestiegen", so der Bericht. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge stieg 2018 auf 531.400.

Der FDP-Bildungspolitiker Jens Brandenburg nannte die steigende Zahl junger Ungelernter ein "Alarmsignal". "Viel zu lange hat die Bundesregierung die berufliche Bildung links liegen lassen." DGB-Frau Hannack kritisierte: "Viele ausbildungslose Jugendliche fühlen sich von der Regierung nicht mehr gesehen und vertreten." Die Bundesregierung müsse etwa die Assistierte Ausbildung ausbauen, bei der Jugendlichen ohne Abschluss oder mit schlechten Noten bei der Ausbildung unter die Arme gegriffen werde.

"Besonders dramatisch ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Ruhrgebiet, in den mittleren Städten Hessens und Niedersachsen sowie im Norden Schleswig-Holsteins", mahnte Hannack. "Wir dürfen nicht zulassen, dass in Oberhausen, Bochum, Hameln, Flensburg oder auch Nordbrandenburg eine abgehängte Generation heranwächst."

Die SPD forderte Karliczek auf, eine Mindestausbildungsvergütung nach einem Vorschlag von Arbeitgebern und Gewerkschaften einzuführen. SPD-Bildungsexperte Oliver Kaczmarek sagte, die Einführung eines Mindestlohns für Auszubildende wäre der richtige Schritt, um jungen Auszubildenden Respekt entgegenzubringen.

Gewerkschaften und Arbeitgeber hatten sich auf ein Konzept mit monatlich 515 Euro im ersten Ausbildungsjahr geeinigt. Dem Vorschlag zufolge sollen Azubis im zweiten Lehrjahr 615 Euro und im dritten 715 Euro erhalten. Bei der geplanten Novelle des Berufsbildungsgesetzes hatte Karliczek zunächst eine geringere Mindestvergütung von 504 Euro im ersten Lehrjahr vorgesehen. Die SPD hatte dies als zu wenig abgelehnt.