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DGB Bayern: Zeitdiebstahl durch unbezahlte Überstunden

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München (dpa/lby) - Die 5,6 Millionen Beschäftigten in Bayern haben dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zufolge im vergangenen Jahr 139 Millionen unbezahlte Überstunden geleistet. "Dadurch sind ihnen brutto etwa vier Milliarden Euro Lohn entgangen. Rund 1,5 Milliarden Euro Sozialversicherungsbeiträge wurden nicht gezahlt", teilte der Gewerkschaftsbund am Dienstag in München mit.

Nach Berechnungen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer 2018 durchschnittlich 1647 Stunden gearbeitet. Im Durchschnitt habe ein Beschäftigter 26,5 unbezahlte Überstunden geleistet. Angestellte mit umfassenden Führungsaufgaben kamen demnach auf 14,6 unbezahlte Überstunden pro Monat, Beamte im höheren Dienst auf 9,6 Stunden, Arbeiter und einfache Beamte auf knapp eine halbe Stunde. Als durchschnittlichen Stundenlohn setzte der DGB Bayern in seiner Berechnung 28,76 Euro an.

Der DGB-Landesvorsitzender Matthias Jena sagte: "Bayerns Arbeitgeber klauen Beschäftigten Jahr für Jahr Zeit und Geld." Außerdem sei Arbeit ohne Ende ein Gesundheitsrisiko. "Da ist es gut, dass der Europäische Gerichtshof Mitte Mai die Mitgliedsstaaten dazu angehalten hat, ihre Unternehmen zum systematischen Erfassen der Arbeitszeiten zu verpflichten." Jetzt seien Politik und Unternehmen gefordert.

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft fordert dagegen "neue, flexible Arbeitsformen. Die Entscheidung des EuGH zur Arbeitszeit geht in die genau entgegengesetzte Richtung." Den Vorwurf des "Lohnraubs" wies sie entschieden zurück.