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Gesundheit - Berlin

Drogenbeauftragte: Offenheit für Suchtthemen am Arbeitsplatz

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Berlin (dpa) - Der Kollege trinkt oder geht andauernd rauchen? Für solche und andere Suchtprobleme am Arbeitsplatz hat die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler mehr Offenheit gefordert. "Es darf kein Tabu mehr sein, über Sucht zu sprechen", sagte die CSU-Politikerin am Dienstag bei der Vorstellung eines Krankenkassenreports zu dem Thema.

"Sucht ist eine Krankheit. Kranken muss man helfen, egal ob Zuhause oder am Arbeitsplatz", so Mortler. Betroffene zu unterstützen sei nicht nur Aufgabe von Staat und Gesundheitssystem, sondern auch des Arbeitgebers.

Insbesondere Rauchen am Arbeitsplatz sei immer noch ein Riesenthema, sagte Mortler. Die Nikotinsucht ihrer Mitarbeiter, in Hinblick auf den Verlust an Produktivität, koste die deutschen Unternehmen jedes Jahr 56 Milliarden Euro. Das sei 2,5 Mal so viel wie der gesamte Umsatz der deutschen Tabakindustrie.

Laut dem Report der DAK-Gesundheit erfüllen 6,5 Millionen Beschäftigte in Deutschland die Kriterien von Zigarettenabhängigkeit. Dazu zählen etwa der starke Wunsch zu konsumieren, Toleranz-Entwicklung und anhaltender Konsum trotz schädlicher Folgen.

Bei Alkohol werden 160 000 Erwerbstätige als abhängig gewertet, in eine Sucht-Vorstufe fällt laut Angaben jedoch jeder Zehnte. Menschen mit Suchtproblemen sind laut Report doppelt so oft krank wie nicht betroffene Kollegen.

Der Report basiert unter anderem auf Abrechnungsdaten von DAK-Versicherten und einer Online-Befragung. Die Autoren bilanzieren, dass der Anteil von Erwerbstätigen mit Suchtproblematik im Vergleich zu anderen Gruppen eher niedrig ist. Sie nehmen an, dass viele Betroffene vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden.