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Lehrer - Erfurt

Lehrer: Schülern in Thüringen fehlt Ausdauer beim Schreiben

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Erfurt (dpa/th) - Thüringer Lehrer sehen zunehmende Defizite ihrer Schüler beim Schreiben von Hand. So glauben die Pädagogen, dass nur etwa jeder zweite ihrer Schüler mindestens 30 Minuten lang beschwerdefrei schreiben kann. Das geht aus einer bundesweiten repräsentativen Umfrage des Schreibmotorik-Instituts hervor, deren Ergebnisse am Dienstag vorgestellt wurden. Demnach hat deutschlandweit mehr als jedes dritte Grundschulkind (37 Prozent) Probleme, eine gut lesbare und flüssige Handschrift zu entwickeln.

Für die Studie wurden insgesamt mehr als 2000 Lehrer befragt, darunter 424 aus Thüringen. Laut dem Verband Bildung und Erziehung (VBE), der die Studie mitinitiierte, sind damit auch die Ergebnisse für den Freistaat in der Umfrage repräsentativ. Lehrer in berufsbildenden Schulen und Förderschullehrer wurden nicht befragt.

Im Freistaat sind 85 Prozent der befragten Pädagogen aus weiterführenden Schulen der Ansicht, dass sich die Handschrift ihrer Schüler in den vergangenen Jahren im Durchschnitt verschlechtert hat. "Unleserliches und zu langsames Schreiben werden als die größten Probleme präsentiert", sagte der Vorsitzende des Thüringer Lehrerverbandes (tlv), Rolf Busch. Dabei gibt es den bundesweiten Zahlen zufolge Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Nach Meinung der befragten Lehrer haben 51 Prozent der Jungen und nur 32 Prozent der Mädchen Probleme mit dem Handschreiben.

Nach Ansicht von Busch kann es aber auch keine Lösung sein, handschriftliche Notizen der Schüler allmählich durch digitale Mitschriften zu ersetzen. "Das wäre eine Behinderung des Lernens", ist er überzeugt. Handschreiben sei mehr als eine Kulturtechnik. "Auch im digitalen Zeitalter ist das Handschreiben notwendig und sinnvoll.". Mehrere Hirnareale seien beim Schreiben aktiv und das Aufgeschriebene werde bildhaft verarbeitet. Das alles helfe dabei, sich die Informationen einzuprägen.

Hauptgründe dafür, warum sich so viele Schüler offenbar schwer damit tun, von Hand zu schreiben, sehen die Thüringer Lehrer in mangelnder Routine und sowie Konzentrationsproblemen. 90 Prozent der befragten Lehrer im Freistaat glaubt, dass sich die Schreibmotorik ihrer Schüler im Vergleich zu früher deutlich verschlechtert hat. Das Problem fängt den Daten nach womöglich bereits vor der Einschulung an.

Gut 86 Prozent der befragten Grundschullehrer gaben an, dass sich schon die Kompetenzen, die Schüler mitbringen, um eine Handschrift zu entwickeln, in den vergangenen Jahren verschlechtert haben. Bundesweit waren es sogar 89 Prozent. Mehr als die Hälfte der deutschlandweit befragten Lehrer ist zumindest der Meinung, dass den Kindern schon einfache Freizeitaktivitäten wie Basteln, Malen und Kochen helfen können, ihre Schreibfähigkeiten zu verbessern.