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Bildung - Erfurt

Gewerkschaft fordert bessere Betreuung von Kita-Kindern

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Erfurt (dpa/th) - Die Bildungsgewerkschaft GEW Thüringen hat davor gewarnt, die Kita-Millionen vom Bund für ein weiteres beitragsfreies Kita-Jahr zu verwenden. "Wir sollten das Geld in einen besseren Betreuungsschlüssel und eine bessere Ausstattung der Kitas stecken", sagte die Vorsitzende der GEW Thüringen, Kathrin Vitzthum der Deutschen Presse-Agentur. Wichtig sei, mit dem Geld die Qualität der Betreuung zu verbessern.

Der Bundesrat beschäftigt sich am Freitag mit dem geplanten Gute-Kita-Gesetz der Bundesregierung. Die Länder-Kammer fordert unter anderem, keine zeitliche Begrenzung der Bundesmittel festzuschreiben. Nach dem bisherigen Entwurf sollen bis zum Jahr 2022 rund 5,5 Milliarden Euro an die Länder fließen, um die Qualität in den Kitas zu verbessern und Geringverdiener zu entlasten.

Innerhalb der Regierungskoalition von Linke, SPD und Grünen gibt es Bestrebungen, das Geld vom Bund unter anderem für ein weiteres beitragsfreies Kita-Jahr zu verwenden. Auch Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hatte sich dafür ausgesprochen. Eine Entscheidung dazu steht aber noch aus.

"Wir halten die Beitragsfreiheit für richtig. Aber ich plädiere dafür, jetzt zuerst die Betreuungsqualität zu verbessern", sagte Vitzthum. Die GEW fordert, dass bei Kindern zwischen einem und drei Jahren nur drei Kinder auf eine Erzieherin kommen. Bei Kindern unter einem Jahr sollte sich nach Auffassung der Gewerkschaft eine Erzieherin sogar nur um zwei Kinder kümmern müssen.

Den Daten einer Studie der Bertelsmannstiftung zufolge betreute eine Erzieherin im vergangenen Jahr (Stichtag 1. März) rechnerisch 5,4 Krippenkinder unter drei Jahren. Bei der Altersgruppe ab drei Jahren kamen 11,6 Kinder auf eine Erzieherin. Die GEW fordert hier ein Verhältnis von acht Kindern pro Erzieherin.

Thüringen kann aus dem Gute-Kita-Gesetz mit rund 134,5 Millionen Euro rechnen. Berechnungen des Bildungsministeriums zufolge würde das Land bereits nächstes Jahr rund 12 Millionen Euro erhalten, im Jahr 2020 etwa 24,5 Millionen und die darauf folgenden beiden Jahre jeweils 49 Millionen Euro. Ein weiteres beitragsfreies Kita-Jahr würde laut Ministerium rund 31,7 Millionen Euro kosten. "Das zeigt, dass in den nächsten Jahren kein Geld mehr übrig wäre, um die Betreuungsqualität zu verbessern, wenn man sich für das nächste beitragsfreie Jahr entscheidet", sagte Vitzthum.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Thüringer Landtag, Astrid Rothe-Beinlich, forderte, in gleicher Höhe der Kosten für ein weiteres beitragsfreies Kita-Jahr auch in die Betreuungsqualität zu investieren.

SPD-Landesvorsitzender Wolfgang Tiefensee erklärte, zwischen der GEW-Forderung nach mehr Betreuungsqualität und den Plänen der Landesregierung gebe es keinen Widerspruch. Mit den Mitteln vom Bund sei sowohl eine Entlastung der Eltern als auch ein besserer Betreuungsschlüssel möglich. Auch der bildungspolitische Sprecher der Linke-Fraktion, Torsten Wolf, betonte, dass mehr Beitragsfreiheit und mehr Personal geplant seien.

Kritik kam von der AfD-Fraktion: Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen, werden ihrer Meinung nach benachteiligt.