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Bildung - Berlin

In Thüringen könnte sich der Lehrermangel verschärfen

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Erfurt/Berlin (dpa/th) - Der Lehrermangel in Thüringen wird sich einer aktuellen Prognose zufolge in den kommenden Jahren immer weiter zuspitzen. Bis zum Jahr 2030 werden rund 2280 Lehrer im Freistaat fehlen, wie aus Berechnungen der Kultusministerkonferenz (KMK) hervorgeht, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurden. In den Jahren 2018 bis 2030 müsste der Freistaat demnach rund 10 080 Lehrer einstellen - demgegenüber steht ein erwartetes Angebot von 7800 Lehrern auf dem Arbeitsmarkt bis 2030. Die Berechnungen orientieren sich vor allem an Prognosen zur Entwicklung der Schülerzahlen und an Absolventenzahlen der Lehramtsstudiengänge an Thüringer Hochschulen.

Demnach reißt die Kluft zwischen dem Angebot an jungen Lehrern und dem Bedarf an Personal in den kommenden Jahren immer weiter auf und könnte bereits im Jahr 2020 am größten sein, wenn mindestens 350 Lehrer zu wenig für den Schuldienst bereitstehen.

Während es für die Thüringer Gymnasien fast durchgängig genügend Personal bis 2030 zu geben scheint, zeichnet sich bei den Grundschulen ein besonders großer Mangel ab: Den Daten der KMK zufolge fehlen rund 990 Grundschullehrer bis 2030.

Bereits vor Beginn der Kultusministerkonferenz in Berlin hatte sich KMK-Chef Helmut Holter (Linke) für mehr Plätze in den Lehramtsstudiengängen ausgesprochen. "Es müssen mehr Lehrer ausgebildet werden", sagte Holter der Deutschen Presse-Agentur. Wichtig sei dabei, dass alle Länder mitzögen. "Ansonsten bilden vielleicht wenige Länder aus und die anderen sind Nutznießer", sagte Holter. Zwar sei die Ausbildung von Lehrern in der Zuständigkeit der einzelnen Länder. "Aber alle haben eine gesamtdeutsche Verantwortung", betonte Holter, der in Thüringen Bildungsminister ist.

Seiner Einschätzung nach wird der Mangel an Personal die ostdeutschen Bundesländer härter treffen als die westdeutschen. Hauptursache sei der hohe Altersdurchschnitt in den neuen Ländern, sagte Holter. "Das hängt mit den Personalentwicklungskonzepten der 2000er-Jahre zusammen, als es einen Überhang gab und zu wenig Lehrer damals eingestellt wurden."

Zugleich steigt Prognosen der KMK zufolge die Schülerzahl in Deutschland bis zum Jahr 2030 um 278 000 auf 11,2 Millionen an, wie die KMK im Mai bekannt gegeben hatte. Laut Holter gibt es mehr Geburten, aber auch mehr Zuzug aus anderen Ländern.

Die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag warf der rot-rot-grünen Regierungskoalition vor, die Ausbildungszahlen von Lehrern im Freistaat nicht gesteigert zu haben. Die Landesregierung habe "die Ausbildungszahlen auf viel zu niedrigem Niveau stagnieren lassen", erklärte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Tischner, am Donnerstag.

Seine Fraktion habe bereits im Januar 2017 gefordert, die Ausbildungskapazitäten an den Thüringer Universitäten und Studienseminaren schrittweise zu erhöhen. "Diese Forderung wurde seitens der Koalitionsfraktionen im Landtag abgelehnt", hieß es in einer Mitteilung der CDU-Fraktion.