Stadtwerke Ein zweites Windrad für München

Bisher ein Solitär: Zum bisher einzigen Münchner Windrad in Fröttmaning soll in eineinhalb Jahren gleich gegenüber ein zweites hinzukommen.

(Foto: Robert Haas)
  • In anderthalb Jahren soll München ein zweites Windrad bekommen.
  • Die Stadtwerke wollen bis zum Jahr 2025 so viel Ökostrom produzieren wie ganz München verbraucht - momentan schaffen sie mehr als die Hälfte.
  • Ob das klappt, hängt aber vor allem an Windkraft aus dem Norden und dem Ausland.
Von Pia Ratzesberger

Wer aus dem Norden in die Stadt fährt, über die Autobahn, vorbei an der Allianz Arena, der sieht das Windrad. Fast 100 Meter hoch, drei Rotorblätter, an anderen Orten, wo Dutzende solcher Windkraftanlagen nebeneinander stehen, würde einem das nicht weiter auffallen. In München aber ist es das einzige Windrad - doch in eineinhalb Jahren soll nun endlich ein zweites dazukommen, gleich gegenüber. Schon seit vielen Jahren haben die Stadtwerke das geplant, doch der Bau hat sich immer wieder verzögert. Im kommenden Jahr will man nun anfangen, im Sommer 2020 dann sollen sich zum ersten Mal die Rotorblätter drehen in Fröttmaning.

Bis zu 2000 Haushalte werde das neue Windrad mit Strom versorgen können, sagt Florian Bieberbach, Chef der Stadtwerke München. Das Windrad ist Teil eines größeren Plans, das Unternehmen nämlich hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2025 wollen die Stadtwerke so viel Ökostrom produzieren wie ganz München verbraucht. Momentan schaffen sie immerhin mehr als die Hälfte, also ungefähr vier Milliarden Kilowattstunden. Ob man in Zukunft auch den gesamten Bedarf decken kann, wird sich allerdings nicht in München entscheiden, sondern vor allem im Norden, auch im Ausland. Die Stadtwerke betreiben unter anderem drei Windparks in der Nordsee und einen in Großbritannien, haben in Belgien und Finnland investiert, in Frankreich und Kroatien, in Schweden und Norwegen.

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Etwa 45 Prozent des Stroms der Stadtwerke kommen derzeit aus der Windkraft und das neue Windrad in München mag im Vergleich mit den Parks im Ausland nur eine geringe Leistung bringen, bei den Stadtwerken aber heißt es, die neue Anlage sei trotzdem nicht nur ein Symbol. "Wir würden die nicht aufstellen, wenn sie nicht wirtschaftlich wäre", sagt ein Sprecher. Das neue Windrad wird mit seinen 150 Metern höher sein als das alte und wird eine Leistung von bis zu 3,5 Megawatt haben - mehr als das Doppelte, was das alte Windrad schafft. Schon seit vielen Jahren ist die zweite Windkraftanlage in Fröttmaning geplant, im Jahr 2011 zum Beispiel hieß es noch, das Windrad solle 2013 fertig werden. Im Jahr 2016 war dann von spätestens 2018 die Rede.

Mittlerweile hat sich der Termin noch einmal um fast zwei Jahre nach hinten verschoben und das hat mit den Genehmigungen zu tun, vor allem mit einer abfallrechtlichen Genehmigung, heißt es bei den Stadtwerken. Sowohl das alte als auch das neue Windrad stehen auf einem Berg voller Müll, auf einer alten Deponie. Man müsse also absichern, dass sich der Berg, in dem noch immer der Müll fault, nicht mehr verschiebe, noch im Dezember wolle man den sogenannten abfallrechtlichen Antrag einreichen, sagt der Stadtwerke-Sprecher. Mit der Genehmigung rechne man dann im kommenden Jahr.

Das zweite Windrad kommt, ein drittes aber wohl nicht mehr, eine ganze Reihe von Windrädern wird es in München erst recht nicht geben. Ein Grund ist die Lage im Süden. Gilt sie den Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt meist als Vorteil, gereicht sie in dem Fall zum Nachteil - es weht nicht so viel Wind. Zudem sind Windräder in Bayern nur in einem großen Abstand zu Wohnhäusern erlaubt, der muss mindestens zehn Mal so groß sein wie das Windrad hoch. Jedes Gebäude in der Nähe mindere auch die Leistung, heißt es bei den Stadtwerken. Über den Bau der Allianz Arena zum Beispiel ist man dort nicht ganz so glücklich wie manch andere in München. Das alte Windrad produziert seitdem etwa fünfzehn Prozent weniger Strom.

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