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Zweite Stammstrecke:Hinterhof mit Potenzial

Die Umplanung der zweiten Stammstrecke und damit des Ostbahnhofs eröffnet neue Perspektiven, von denen Berg am Laim und Haidhausen sehr profitieren könnten

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Werksviertel kommt, lernt die wenig ansprechende Rückseite des Ostbahnhofs kennen. Der Fahrgast passiert eine alte, mühsam mit etwas Farbe aufgehübschte Unterführung, nach oben führt eine enge Treppe, außerdem gibt es einen Aufzug. Doch mit der Umplanung des Ostabschnitts der zweiten Stammstrecke soll nun ein neuer Bahnhof samt neuem Entree auf der Berg am Laimer Seite entstehen. Was hinten bisher "pfui" war, kann langfristig präsentabel werden. Den Besuchern des künftigen Konzertsaals wird man also keinen Schmuddel-Anblick zumuten, wenn es sie aus der S-Bahn zum Kunstgenuss zieht. Kein Wunder, dass der Berg am Laimer Bezirksausschuss insgesamt angetan war, als Jörg Mader, Referent für Bürgerkommunikation für die zweite S-Bahn-Stammstrecke bei der "DB Netze", dem Gremium erklärte, was die Neuerungen für das Viertel bedeuten, das heute noch "hinter" dem Ostbahnhof liegt.

Auch Mader zeigte sich euphorisch: Durch das neue Konzept lasse sich ein "Flaschenhals" am Ostbahnhof verhindern. Dass die Autozüge eingestellt worden seien, sei "ein wahrer Glücksfall" für das Projekt: "Wir bekommen eine wunderschöne Anbindung, es ist alles näher beieinander." Der neue Ostbahnhof müsse nur noch halb so weit wie bisher gedacht unter die Erde, statt fast 40 nur noch 16 Meter, er könne einfacher und viel schneller, in nur etwa zweieinhalb Jahren Bauzeit, errichtet werden, das mache die längere Planungs- und Genehmigungszeit wett. Möglich werde eine gut zugängliche offene Baugrube, auf Wasserrückhaltung könne ganz verzichtet werden. Alles werde besser und aufnahmefähiger als ursprünglich geplant, Bahnsteigbreiten, Fluchtwege, Aufzüge, Rolltreppen. Das sei auch dringend nötig, denn die Fahrgastzahlen steigen schneller als zu Projektbeginn erwartet, die Züge fassen künftig 25 Prozent mehr Menschen.

Ostbahnhof schmuddeligge Hinterseite, Flächen Friedensstrasse, Autozugflächen

Die Zeit ist abgelaufen für die Autoreisezüge. Deren Ende aber bringt ganz neue Chancen für den Ostbahnhof.

(Foto: Florian Peljak)

Die Berg am Laimer wollten wissen, wie Radler hinüber nach Haidhausen gelangen können. Die bestehende Radlerunterführung werde verschwenkt werden, denn es müsse Platz geschaffen werden für ein neues Stellwerk. Mitgeplant werde natürlich die neue Fußgängerunterführung in Richtung Konzertsaal, sie werde in den Bahn-Plänen an der Grafinger Straße enden, die Stadt könne sie nach Belieben zum Konzertsaal hin verlängern, so der Referent.

Gut sei auch, dass der Aushub, der ohnehin nun geringer ausfalle, auf einem Logistikgleis aus der Stadt befördert werden könne, das werde viele Lkw-Fahrten einsparen helfen, die Friedenstraße werde während der Bauzeit nutzbar bleiben, einzig der westliche Gehweg könnte wegfallen, meinte Mader. Sonst komme man ganz auf Bahngrund zurecht.

Der Bezirksausschussvorsitzende Robert Kulzer (SPD) fragte, ob das Projekt eine spätere Tieferlegung des Bahnhofs, wie vom Gremium vor nicht allzu langer Zeit gefordert, verhindern könnte - was Mader verneinte. Dieser erklärte, Zugang von oben werde der neue Bahnhof in zwei Glaskuben bieten, für deren Überbauung sei dann die "DB Station und Service" zuständig. Kulzer forderte, dass die Bahn hier künftige Hochbauten zügig plane, denn es könne nicht angehen, dass die Bahn erst dann ihre Baustelle beginne, wenn die Projekte im Werksviertel abgeschlossen sein werden. Der Bezirksausschuss könne sich da "einige Nutzungen" vorstellen und würde gerne mit eingebunden werden.

Ostbahnhof schmuddeligge Hinterseite, Flächen Friedensstrasse, Autozugflächen

Der Ostbahnhof bietet von der Friedenstraße aus einen tristen Anblick, die zweite Stammstrecke wird das ändern.

(Foto: Florian Peljak)

Besserungen stellte Mader auch für den S-Bahnhof Leuchtenbergring in Aussicht, der künftig sechs Bahnsteigkanten haben werde und damit "deutlich leistungsfähiger" sei. Zudem plane man hier ja eine Personenüberführung, von der man barrierefrei auf jeden Bahnsteig hinunter komme. Höchste Zeit werde das, erklärte Kulzer. CSU-Sprecher Fabian Ewald forderte Aufzüge künftig auch beim Zugang zum Bahnhof auf Berg am Laimer Seite von der Neumarkter Straße her. Der Bahn-Referent antwortete, er könne auf seinen mitgebrachten Folien "auf jeden Fall ein Rampenbauwerk" erkennen, werde sich aber erkundigen nach den Aufzügen.

Einen Wermutstropfen gibt es nach wie vor für die Berg am Laimer: Der Start für den Tunnelvortrieb dieses Abschnitts liegt laut Mader nahe dem Haidenauplatz, aber nördlich der Berg-am-Laim-Straße. Diese werde wohl verschmälert, aber immer befahrbar bleiben, auch für die Tram. Es müssten aber in einer Riesen-Vorabbaumaßnahme "drei Mal alle Sparten verlegt werden". Kulzer bat, auch in dieser Sache stets auf dem Laufenden gehalten zu werden. Mader versprach, bei Bedarf immer gerne wiederzukommen. Am Ende gab es Zustimmung, auch im Sinne der Haidhauser: Ihr sei "ein Stein vom Herzen gefallen", erklärte Brigitte Schulz (Grüne), dass nun am Orleansplatz für die zweite Stammstrecke nicht mehr all die schönen Bäume gefällt werden müssen.