Zweite Stammstrecke Der Super-Bohrer von Gleis 20

Baumaschine am Münchner Hauptbahnhof.

(Foto: Catherina Hess)

Das Gerät soll in den kommenden Wochen zwischen den Gleisen 20 und 21 mehrere Brunnen bohren - bis zu 60 Meter tief unter den Hauptbahnhof.

Von Merlin Gröber

Am Hauptbahnhof könnte es bald noch lauter werden: Für die neue Stammstrecke hat die Deutsche Bahn Anfang der Woche ein großes Bohrgerät in Stellung gebracht. Die orangefarbene Maschine soll in den kommenden Wochen auf dem Bahnsteig zwischen den Gleisen 20 und 21 mehrere Brunnen bohren. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, sollen die Löcher bis in eine Tiefe von 60 Meter unter den Hauptbahnhof getrieben werden.

Der Grund für die aufwendigen Bohrungen ist Wasser im Erdreich. Die Bohrungen seien nötig, damit sich später beim Bau der neuen unterirdischen Station für die zweite Stammstrecke das Grundwasser nicht aufstaue. Ist das Grundwasser unter Kontrolle, können die Tunnel und Stollen für die neue Stammstrecke gegraben werden.

Zunächst sollen die Bohrungen auf dem Bahnsteig zwischen den Gleisen 20 und 21 kommende Woche beginnen. Im Laufe des Jahres plant die Deutsche Bahn dann weitere Bohrungen auf dem Bahnsteig zwischen den Gleisen 16 und 17. Während der Bauarbeiten bleiben die Bahnsteige gesperrt, Einschränkungen im Zugverkehr soll es laut Deutscher Bahn aber nicht geben: "Die Sperrpausen für die Bohrungen auf den Bahnsteigen sind im Betrieb eingeplant. Sie führen zu keinen Störungen oder Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs", teilt das Unternehmen mit.

Die Bohrungen zwischen den Gleisen sind Teil zahlreicher Bauarbeiten für die neue Stammstrecke, die dieses Jahr am Hauptbahnhof stattfinden. Unter anderem wird Mitte des Jahres das Vordach am Münchner Bahnhofsplatz abgerissen. Damit soll der Zugang zur künftigen Baugrube frei gemacht werden. Außerdem wird das Empfangsgebäude abgerissen. Darunter soll das neue Zugangsbauwerk zur S-Bahn in 40 Metern Tiefe entstehen.

Komplett fertig wird die zweite Stammstrecke im Jahr 2026 - dann können die S-Bahnen in kürzeren Abständen in die Region hinausfahren. Der neue Tunnel, der erheblich länger ist als der bestehende, beginnt von Westen her kurz vor der Donnersbergerbrücke. Die Züge kehren zwischen Ostbahnhof und Leuchtenbergring an die Oberfläche zurück. Anders als die 1972 eröffnete erste Stammstrecke hat der neue Tunnel zwischen Laim und Ostbahnhof nur zwei Stationen: am Hauptbahnhof und am Marienhof.

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