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Zweite Stammstrecke:Baggern für den Anschluss

Die Schalterhalle des Hauptbahnhofs ist bereits komplett abgerissen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Arbeiten für die zweite Stammstrecke laufen - allerdings nicht überall so wie geplant

Und weg ist er: Im Mai 2019 hat die Bahn die alte Schalterhalle des Hauptbahnhofs gesperrt und inzwischen ist nichts mehr davon übrig. Das 1960 fertiggestellte Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs musste abgerissen werden, weil die Deutsche Bahn hier das Zugangsgebäude für die zweite Stammstrecke der S-Bahn baut. Oberirdisch soll ein moderner Bahnhof nach dem Entwurf des Architektenbüros Auer Weber entstehen, welcher der künftigen Verkehrsentwicklung gerecht werden soll. Schon heute zählt die Bahn täglich etwa 450 000 Menschen am Hauptbahnhof. Mit der zweiten Stammstrecke und der von der Stadt München geplanten neuen U-Bahnline U9 werden es noch deutlich mehr werden. Das in die Jahre gekommene Empfangsgebäude war nach Ansicht der Bahn für die steigenden Passagierzahlen nicht mehr geeignet. Die Gleishalle hingegen bleibt stehen. Da am Hauptbahnhof aber auch noch der Rohbau der Station für die geplante U9 entsteht, wird die Baugrube auch ein Stück weit in die Gleishalle hinein ragen. Wo dort genau gearbeitet werden wird, ist derzeit noch unklar.

Oberirdisch wird die neue Empfangshalle 35 Meter und sieben Stockwerke hoch sein, ein Service-Zentrum, Gastronomie und Büros beherbergen. Mit den Mieteinnahmen will sich die Bahn einen Teil der Baukosten wieder hereinholen. Sollte es optimal laufen, sagt ein Bahnsprecher, dann würden 2028 die zweite S-Bahn-Stammstrecke und das neue Empfangsgebäude gleichzeitig fertig - wenn sich nicht wieder Zeitpläne ändern. Denn ursprünglich war die Fertigstellung des zweiten S-Bahntunnels für 2026 vorgesehen.

Und auch die Baupläne ändern sich: Im Sommer gab die Bahn bekannt, dass sie den neuen S-Bahn-Halt in Haidhausen nun doch nicht am Orleansplatz bauen will, sondern auf dem Bahngelände an der Friedenstraße - also auf der anderen Seite des Ostbahnhofs. Den Haidhausern bleiben so Baugruben an zentralen Plätzen für Jahre erspart. Die neue Lage des S-Bahnhalts erfordert auch eine neue unterirdische Streckenführung. Die Pläne müssen deshalb noch einmal durch das Baugenehmigungsverfahren mitsamt öffentlicher Auslegung. Aus diesem Grund und wegen der Pläne für die U9 am Hauptbahnhof wird die Stammstrecke mindestens zwei Jahre später fertig. Die Verzögerung will die Bahn nutzen, um am Ostbahnhof bis 2023 das rund 50 Jahre alte Stellwerk durch ein neues zu ersetzen. Die alte Anlage ist berüchtigt für ihre Störanfälligkeit, derentwegen der Verkehr auf der ersten Stammstrecke regelmäßig zum Erliegen kommt.

© SZ vom 28.12.2019
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