bedeckt München 19°

Zuzug aus dem Ausland:Der Blick aus Göteborg und Brisbane

Göteborg - Maria Lundén, 34

"Ich habe mir München, bevor ich herkam, ein wenig altbacken vorgestellt. Und die Stadt ist tatsächlich nicht so gut auf Menschen vorbereitet, die kein Deutsch sprechen. Es ist zum Beispiel schwierig, einen passenden Deutschkurs zu finden, zu dem ich mit meinem Vollzeitjob als Einkaufsmanagerin gehen kann, und auch im Bürgerbüro hat man es mit Englisch nicht leicht. Aber München strahlt viel Wärme aus. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen hier auf ihre Stadt aufpassen.

Vor meinem Umzug nach Bayern habe ich schon in vielen Städten gelebt, unter anderem in Stockholm und Singapur und merke immer wieder, wie entscheidend das Klima ist. In München ist es nun einmal gut - und man merkt, dass die Menschen nicht mehr so schnell weggehen, wenn sie einmal angekommen sind. Hongkong zum Beispiel war eine tolle Stadt und es war einfach, Menschen kennenzulernen.

Aber die meisten Leute, die ich kannte, blieben nur zwei oder drei Jahre und dann ging es weiter. Es war ein ständiges Kommen und Gehen und das machte es am Ende schwierig. In München hat man mehr Beständigkeit. Außerdem liebe ich, dass ich morgens mein Snowboard unter den Arm klemmen kann und in einer Stunde in den Bergen bin. Das lohnt sich selbst für einen Tag. Ich bin vergangenen Herbst in die Stadt gezogen, ausgerechnet am ersten Oktoberfest-Wochenende. Ich habe dann nur schnell meine Koffer in der Wohnung abgestellt, ein Dirndl angezogen und los ging es. Alle haben auf dem Fest ja Dirndl an, deshalb dachte ich, es wäre seltsam, wenn ich keines trage."

Brisbane: Davina Goldhammer-Utz, 37

"München ist die perfekte Stadt für einen Eisladen, deshalb haben mein Mann und ich hier einen eröffnet. Zuvor haben wir beide an vielen unterschiedlichen Orten gelebt, mein Mann zum Beispiel - geboren in Ecuador - war unter anderem lange in Boston, Singapur und Paris. Ich war lange in den USA, auch in Brüssel, in Zürich. In der Schweiz habe ich Ronald kennengelernt, und bei einem unserer ersten Treffen erzählte er mir, dass sein Traum ein eigenes Eisgeschäft sei.

Ronalds Onkel war Bauer, und mit der frischen Milch hatten sie schon als Kinder Eis gemacht, in seinen Urlauben später hat er immer wieder Seminare für Eiscreme besucht, zum Beispiel in Bologna. Er hatte bisher in der Finanzwirtschaft gearbeitet und ich im Bereich internationales Recht - aber ich war begeistert von der Idee. Vor fünf Jahren also beschlossen wir unsere Jobs aufzugeben und in München einen Laden zu suchen. Wir wussten, die Leute hier sind bereit, für selbstgemachte Eiscreme Geld auszugeben, und die Ladenmieten schienen uns im Vergleich zu Zürich geradezu billig.

Uns war ehrlich gesagt nicht klar, wie schwierig es werden würde. In den ersten Monaten in der Stadt hat kein Vermieter an unsere Idee geglaubt: 'Was, Ihr habt gut bezahlte Jobs in der Schweiz für einen Ice-Cream Shop aufgegeben?' Wir haben gespürt, dass viele in München sehr konservativ denken, mit neuen Ideen hat man es hier nicht gerade leicht.

Wir hatten sogar schon überlegt, es doch in einer anderen Stadt zu versuchen, in Hamburg zum Beispiel, aber dann fanden wir den kleinen Laden in der Rosenheimer Straße 14. Am Anfang waren viele verwundert, weil unser Geschäft True & 12 von außen nicht aussieht wie ein klassischer Eisladen. Aber wir hatten schnell viele Stammkunden, das ist das Schöne an München. Die Wege sind kurz, und wenn die Leute einmal einen Laden mögen, dann bleiben sie ihm treu."