"Zum Wolf" Whiskey bunkern und Trump aussitzen

Wolfgang Goetz muss für seine Bar "Zum Wolf" lange keinen neuen US-Whiskey mehr kaufen - obwohl er 260 Sorten davon anbietet.

(Foto: Florian Peljak)

Wolfgang Goetz hat für seine Bar so viele Flaschen von US-Destillerien gekauft, dass er zwei Amtszeiten von Donald Trump überstehen und damit die Strafzölle umgehen könnte.

Von Pia Ratzesberger

Es geht um Aluminium und Stahl, auch um Motorräder und Erdnussbutter, in dieser Geschichte wird es vor allem um Whiskey gehen. Die USA und die Europäische Union streiten sich gerade, wer was zu welchem Preis im jeweils anderen Gebiet verkaufen darf und begonnen hat den Streit wieder einmal der amerikanische Präsident Donald Trump. Er möchte seinen Aussagen nach mit Zöllen die heimische Wirtschaft schützen, die Europäische Union verlangt im Gegenzug Zölle auf Produkte aus den USA - und deshalb sitzt in einer Münchner Bar jetzt ein Mann am Tresen und sagt: "Ich habe so viel gelagert, dass ich zwei Amtszeiten von ihm durchhalten werde, ohne neuen Whiskey zu kaufen."

Wolfgang Goetz also, 45, ist vorbereitet. Er trägt einen breiten Hut und Bart, sein Barkeeper stellt draußen gerade die Tische für den Abend auf. Man kann sich vorstellen, dass er ein lässiger Chef ist. Sein Barkeeper nennt ihn "Wolfi". Und Wolfi hat für den Handelskrieg des amerikanischen Präsidenten in weiser Voraussicht Unmengen an Flaschen gebunkert. "Sonst würde hier ja alles ein Viertel teurer werden." Hier heißt: In seiner Bar in der Pestalozzistraße 22, namens "Zum Wolf". Man kann diese Bar durchaus als Institution in München bezeichnen, im roten Licht treffen sich Menschen aus allen Vierteln und allen Alters an karierten Tischdecken, hinter ihnen in den Regalen stehen 260 Sorten amerikanischer Whiskey. Und das ist das Problem. "Wir haben damit abseits der Clubs natürlich nicht gerade den kleinsten Whiskeyausstoß Münchens." Sondern eher den größten. Wie groß, will Goetz nicht sagen, aber es reicht ein Blick hinter die Bar, um die Mengen zu erahnen.

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Der amerikanische Präsident hatte im März dieses Jahres weltweite Einfuhrzölle von 25 Prozent auf Stahl und 15 Prozent auf Aluminium verhängt, trotz der erfolgreichen Verhandlungen mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in dieser Woche ist die Sache noch nicht ausgestanden. Die Europäische Kommission gab Ende Juni bekannt, was sie alles mit Zöllen belegen wird: unter anderem Erdnussbutter, Levis Jeans, Harley Davidsons und Whiskey. Der Konzern aus Kentucky, der die Marke Jack Daniel's vertreibt, hat schon angekündigt, dass die Flaschen bald teurer werden. Noch einige Monate aber werde es dauern, bis auf den Etiketten im Supermarkt die höheren Preise zu lesen sind, heißt es von dort, noch liegen in den Lagern die alten Flaschen, zum alten Preis.

Fragt man Wolfgang Goetz aus welchen Teilen der USA seine Whiskeys kommen, läuft er hinter zur Herrentoilette. Über den zwei Pissoirs hängt eine Landkarte der USA - aus den Bundesstaaten Kentucky und Tennessee kämen die Klassiker, aus Texas und aus Kalifornien eher teurere Whiskeys aus kleinen, experimentelleren Fabriken. Vor zwanzig Jahren, sagt Goetz dann, habe eine Bar vielleicht eine Sorte Rye im Regal gehabt, also einen Whiskey mit hohem Roggenanteil. Und vier Sorten Bourbon, einem Whiskey aus vor allem Mais. Heute kann man in seiner Bar einen Whiskey Sour für 9,50 Euro trinken, aber eben auch für 300 Euro. Über den Preis entscheidet das Korn, der Ort der Destille. Die Qualität des Brandes.

Wolfgang Goetz studiert den Whiskey wie andere Molekularwissenschaften, er spricht viel über die Prohibitionszeit und ihre Rezepturen. In den USA war in den 20er Jahren Alkohol verboten, damals entstanden viele klassische, einfache Drinks - möglichst wenige Zutaten bedeutete möglichst wenig Risiko. Seine Bar ist eine Hommage an dieses USA der 20er Jahre, es läuft Blues, an den Wänden Porträts ausschließlich schwarzer Musiker. Das ist sein Amerika. Das Amerika von Donald Trump ist es nicht mehr.

Wolfgang Goetz schließt die Toilettentür, läuft an seinem Tresen entlang, ganz hinten steht der Rum. Dann die schottischen Whiskeys, die irischen, die amerikanischen. Sollten seine Vorräte aufgebraucht sein und die Zölle noch immer gelten, würde er vielleicht mehr Whiskey aus Kanada kaufen. Aber die Auswahl sei dort noch nicht so groß. Vielleicht, sagt Goetz, stelle er auch auf Cognac oder Brandy um. Was das noch mit amerikanischer Trinkkultur zu tun habe? "Das ist ihr Ursprung. Die Franzosen und die Spanier importierten diese Brände, bevor überhaupt amerikanischer Whiskey gebrannt wurde." Viele Drinks, die er mit Whiskey mischt, würden auch mit Cognac funktionieren.

Aber noch hofft Goetz, dass es so weit nicht kommen wird. Dass es nicht mehr als zwei Amtszeiten werden. Und auf die ist er vorbereitet.

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