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Zum Tod von Werner Göhner:Aus unteren Klassen an die Spitze des Sports

Werner Göhner, ehemaliger Chef des Olympiaparks, ist im Alter von 79 Jahren gestorben.

Die erste vage Erinnerung an den großen, dunkelhaarigen Mann mit der markanten Stimme geht in das Jahr 1960 zurück. Sonntags begegnete man ihm in den Räumen der SZ-Sportredaktion, dort herrschte er nachmittags über einen der damals noch wenigen Telefonanschlüsse. Der Student Werner Göhner holte, gegen ein bescheidenes Honorar, Fußballergebnisse aus den unteren Klassen ein. Das Jurastudium musste schließlich finanziert werden.

Werner Göhner

Werner Göhner

(Foto: Foto: Heddergott)

Von einigen Begegnungen im Verein Münchner Sportjournalisten abgesehen, dessen Mitglied Göhner war, verlor man sich danach aus den Augen. Das änderte sich vor den Olympischen Spiele 1972. Zwei Jahre vor der Eröffnungsfeier auf dem Oberwiesenfeld war aus dem ehemaligen Mitarbeiter dieser Zeitung ein öffentlicher Mensch geworden. Göhner hatte von seinem Parteifreund Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel (SPD) den Auftrag erhalten, die nacholympische Nutzung des Olympiaparks zu planen.

Wie brillant er den Auftrag ausgeführt hat, ist heute noch zu sehen: Die Anlage auf dem früheren Fluggelände rund um sein Herzstück, das Olympiastadion, hat an Attraktivität nichts eingebüßt. Und der Park könnte, wenn der Traum der Münchner sich erfüllen sollte, 2018 auch Winterolympia beherbergen.

Der erste Anstoß zu Spielen im Münchner Winter, er kam vor 20 Jahren - von Werner Göhner. 1988 war der von 1972 bis 1993 amtierende Geschäftsführer der Olympiapark Gesellschaft längst ein einflussreicher Sportfunktionär: Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) und Schatzmeister des Nationalen Olympischen Komitees (NOK). Ohne Göhner lief im deutschen Sport nichts mehr. Er hatte sich, neben seiner Tätigkeit im BDR, für eine Mitarbeit im NOK entschieden, obwohl auch der Deutsche Sportbund mit dem Münchner als Nachfolger von Präsident Willi Weyer liebäugelte. NOK-Chef Willi Daume und Generalsekretär Walther Tröger war Göhner bis zu seinem Ausstieg aus der Sportadministration 1998 ein loyaler Weggefährte.

Ausgerechnet in seiner Heimatstadt München musste Göhner den Abschied aus den Ämtern einleiten. Als bei der NOK-Hauptversammlung im Rathaus ein Defizit des Komitees bekannt wurde, traf das Schatzmeister Göhner wie ein Tiefschlag, von dem er sich gesundheitlich nie mehr wirklich erholt hat. Am Dienstag ist Werner Göhner im 80. Lebensjahr gestorben. Der nationale und internationale Sport haben diesem Mann eine Menge zu verdanken.