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Nachruf:Promi-Friseur Wolfgang Lippert gestorben

Wolfgang Lippert vor seinem Friseursalon in München, 2009

Wolfgang Lippert bei der Eröffnung seines Salons am Stachus (2009).

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ob Paris Hilton oder Verona Pooth - Friseur Wolfgang Lippert schaffte es, mit Geschick und Können einen Kundenstamm an sich zu binden, mit dem er werben konnte. Er wurde 58 Jahre alt.

Von Stephan Handel

Der Lift führte aus der Tiefgarage direkt in den ersten Stock. Es ging bei der Hintertür hinein - nicht vorne, wo Kronleuchter, helles Design und der Duft von Haarpflege den Ort definierten, sondern durch einen schmucklosen Eingang in ein kleines Zimmer mit Waschbecken, Spiegel und allerlei technischem Gerät. Es war eine Tür, die zuzumachen war, so dass von außen niemand sah, wer da gerade die Haare schön bekam.

So ein chambre séparée allein macht natürlich noch nicht das aus, was einen Friseur zum Promi-Friseur macht - zu einem Haar-Schneider also, in dessen Hände sich Leute von ausreichend hohem Bekanntheitsgrad gerne begeben. Dass in seinem Salon dieser abgetrennte Raum existiert, zeigt jedoch durchaus den Stellenwert, den Wolfgang Lippert in München hatte - der Bahnhofsfriseur in Neuaubing wird wohl eher selten in die Verlegenheit kommen, auf das Diskretionsbedürfnis seiner Kunden achten zu müssen.

Promi-Friseur Wolfgang Lippert gestorben

Lippert mit seinen Töchtern Natalie und Maxyne (von links).

(Foto: dpa)

Wolfgang Lippert schon. 1998 gründete er seinen Salon am Lenbachplatz, im grandios neobarocken Palais Bernheimer. Nach zehn Jahren Arbeit war das Geschäft so gewachsen, dass es doppelt so groß werden konnte: Gleich gegenüber eröffnete Lippert das "L 2". 35 Friseure, insgesamt 48 Angestellte, allein nach der Größe dürfte ihm kaum ein Salon in München Konkurrenz machen.

Aber es ging nicht um Masse. Lippert schaffte es mit Geschick und Können, einen Kundenstamm an sich zu binden, mit dem sich trefflich werben ließ. Verona Pooth kam zu ihm, als sie noch Feldbusch hieß, und war ihm so treu, dass sie sich vor drei Jahren, als das Stammhaus nach einer Renovierung wieder eröffnet wurde, fotogen das Kleid zerschneiden ließ. Teri Hatcher von den "Desperate Housewives" rief ihn an, wenn sie in München war und das Bedürfnis nach einer Frisur hatte. Die Rallyefahrerin Christina Surer, die Spielerfrau Claudia Effenberg, die - nun ja - also: Jenny Elvers, sie waren Lippert-Kundinnen, und er verstand es genau, die Waage zu finden zwischen deren Diskretions-Wünschen und seinen PR-Interessen.

Diese Nachricht gelangte schließlich sogar zum It-Girl aller It-Girls, Paris Hilton geruhte, sich der Lippertschen Dienste zu versichern, und als der Stylist Alex Voit im Hotel eintraf, die Dame zu schminken, wurde ihm mitgeteilt, er habe das zu tun, während sie schlafe. Immerhin: Alle Stylisten zuvor waren nach dem ersten Job wieder gefeuert worden, Alex Voit und damit Wolfgang Lippert durften bleiben.

GoYellow Party to Celebrate Their New Partnership with Paris Hilton

Wolfgang Lippert mit Paris Hilton - einer prominenten Kundin von vielen.

(Foto: Fotos: Schellnegger, Getty, dpa)

35 Friseurinnen und Friseure, alle jung, alle gut aussehend - das ist wahrscheinlich ein ganz eigener Haufen, den zu hüten kaum weniger anspruchsvoll ist, wie einen Sack Flöhe bei Laune zu halten. Wolfgang Lippert schaffte das, weil er sich kümmerte: Ob das Konto überzogen war oder der Boyfriend verschwunden, Lippert hatte für seine Angestellten stets ein Ohr und einen Rat. Sie dankten es ihm, indem sie ihn "Großvater" nannten, aber natürlich nur, wenn er es nicht hören konnte. Jedes Jahr führte er die ganze Rasselbande auf die Wiesn, Käfer-Schenke natürlich, und da saß er dann, einem Buddha ähnlich, in all der jugendlichen Aufgeregtheit und freute sich, dass das seine Rasselbande war. Zuletzt trat er kaum mehr in der Münchner Gesellschaft in Erscheinung, während er bis vor zehn Jahren noch gerne selbst zu Feiern lud, auf denen dann seine It- bis C-Prominenz ihre Lippert-Frisuren zur Schau stellen konnten.

Es ist noch unklar, was genau am Donnerstagabend geschah, fest steht: Es war der Abend, an dem Lippert gestorben ist, 58 Jahre alt. Alex Voit widerspricht Berichten, der Notarzt sei da gewesen und wollte Lippert ins Krankenhaus bringen: Routinemäßig habe der Hausarzt vorbeigeschaut, weil sich Lippert vor kurzem einer Knieoperation unterzogen hatte. Später versuchte ein Bekannter vergeblich, ihn zu erreichen, machte sich dann auf den Weg zu Lipperts Wohnung und verständigte die Polizei. Die fand den Friseur tot - gestorben an einem Herzinfarkt. Lippert hinterlässt zwei Töchter, Natalie und Maxyne. Sein Unternehmen lässt mitteilen, dass der Betrieb von einem "Management Circle" weitergeführt wird, den Lippert gegründet hat. Und dass die Trauerfeier "im engsten Familienkreis" stattfinden soll.

© SZ vom 23.01.2016/infu
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