Zukunft von Sabine Nallinger:"Ich habe keinen Plan B"

Sabine Nallinger; Grüne

Kehrt im Juni zu den Stadtwerken zurück: Sabine Nallinger.

(Foto: Catherina Hess)

Sabine Nallinger wollte Oberbürgermeisterin werden, nun steht sie ohne Amt da. Auch den Fraktionsvorsitz überlassen ihr die Grünen nicht. Nun will sich die 50-Jährige wieder auf etwas konzentrieren, für das sie lange keine Zeit hatte.

Von Dominik Hutter

Gut möglich, dass Sabine Nallinger manchmal mit Wehmut an jenen strahlenden Julitag im Jahr 2012 zurückdenkt. Damals war noch alles offen, und die Politikerin begab sich in ihrem bunten Sommerkleid ins grüne Stadtbüro, wo sie schon sehnsüchtig erwartet wurde. Sie hatte gewonnen im parteiinternen Rennen um die OB-Kandidatur. Nicht Hep Monatzeder sollte für das höchste kommunalpolitische Amt Münchens antreten, sondern die erst 2008 ins Rathaus gewählte Nallinger. Als erste Frau überhaupt. Bei den Grünen herrschte große Euphorie, die Partei war damals erfolgsverwöhnt.

Jetzt, wo alles vorbei ist, muss sich die 50-Jährige neu orientieren. Für die gebürtige Stuttgarterin ist das Ergebnis von Wahlen und Bündnisgesprächen besonders bitter. In die Stichwahl hat sie es nicht geschafft, Bürgermeisterin wird sie wohl auch nicht, und weil in einem ebenso furiosen wie überraschenden Finale nach 24 Jahren die rot-grüne Koalition zerplatzt ist, findet sie sich nun in der Opposition wieder. Als einfache Stadträtin. Die nicht ganz unlogische Kandidatur als Chefin der grünen Stadtratsfraktion schließt sie aus. "Ich sehe meine Rolle an anderer Stelle." Allerdings war auch keiner der amtierenden Fraktionschefs bereit, zugunsten der einstigen Spitzenkandidatin zurückzustecken. Nallinger hätte also eine Kampfkandidatur wagen müssen.

Sommer mit der Familie

Das aber passt gerade nicht so recht. "Ich habe keinen Plan B", sagt sie. Jetzt wolle sie erst einmal den Sommer mit der in den vergangenen Monaten doch etwas vernachlässigten Familie genießen. Und erst dann entscheiden, wie es weitergeht. Im Juni kehrt Nallinger an ihren Arbeitsplatz bei den Stadtwerken zurück. Die Verkehrsplanerin war seit Oktober im unbezahlten Urlaub und musste während ihrer Kandidatur auf die Ersparnisse setzen.

Man hat Nallinger angesehen in den vergangenen Tagen, dass die Situation nicht einfach für sie ist. "Ich bin in die Politik gegangen, weil ich gestalten will", erklärt sie. "Da passt Opposition rein gar nicht rein." Vermutlich war diese Motivation ("Ich habe mein ganzes Leben lang Dinge vorangetrieben") auch mitverantwortlich dafür, dass Nallinger sich noch für den Erhalt der rot-grünen Koalition engagierte, als große Teile der Grünen längst im Oppositionsmodus liefen. Am Montag, beim letzten Gespräch mit SPD und CSU, wirkte sie ziemlich allein. Der Rest der grünen Mannschaft glaubte nicht mehr an den Durchbruch und ließ das auch durchblicken.

Trennung mit Ansage

Es ist ja nicht so, dass das rot-grüne Gespann völlig ohne Vorboten auf die Trennung zustolperte. In den vergangenen Jahren, da sind sich beide Seiten einig, war das Verhältnis längst nicht mehr so eng und vertrauensvoll wie in früheren Zeiten. Plötzlich geriet man sich wegen diverser Verkehrsfragen in die Haare, gelegentlich fielen wenig charmante Bemerkungen über die politische Kompetenz des anderen. SPD wie Grüne vermissen wichtige Verbindungsfiguren zwischen den Parteien: die früheren SPD-Planungsexperten Constanze Lindner-Schädlich und Wolfgang Czisch etwa. Und natürlich Christian Ude, der ein überzeugter Rot-Grüner war.

Nallinger hofft nun auf neue Wege in der Opposition. Auf mehr Kontakte mit Bürgerinitiativen und Vereinen - eben das, für das man als "Regierungspartei" weniger Zeit hat als in der Rolle der größten Oppositionsfraktion. Eine Art APO könnte das werden, scherzt Nallinger mit Blick auf die außerparlamentarische Opposition der Sechzigerjahre. "Ich werde sicherlich nicht den Kopf in den Sand stecken." Ohnehin haben die Grünen ja auch im Rathaus schon gewisse Erfahrungen mit der Obstruktion diverser Projekte - Beispiele sind der Kampf gegen die dritte Startbahn oder gegen die Olympia-Bewerbung. Allerdings gibt es diesmal eine Art natürliches Oppositionshemmnis: Das rot-schwarze Eckpunktepapier haben die Grünen mitentworfen.

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