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Zufallsfund:Stricktalente aus der Türkei

(Foto: Catherina Hess)

Senada Sokollu ist eigentlich Journalistin. Weil die Münchnerin in ihrem Beruf aber nicht nur auf Geschichten stößt, sondern manchmal auch auf ungewöhnliche Talente, gründete sie Ende 2017 ein Modelabel. Heute stricken und nähen in der Türkei sieben Witwen und ältere Frauen, im Alter zwischen Mitte 50 und Ende 60, die lässigen Schals, Pullis und Taschen, die die Münchnerin unter dem Label "Fitbuddha" vertreibt.

Die Frauen lernte Sokollu kennen, als sie vor einigen Jahren in der Nähe von Çeşme, am westlichsten Punkt der Türkei, über Flüchtlinge berichtete, die versuchten, von dort aus über die griechischen Inseln nach Europa zu gelangen. Mehrere Wochen dauerte die Recherche, und da Sokollu Türkisch spricht, kam sie bald in Kontakt mit den Bewohnern der umliegenden Dörfer und ihren Talenten. 15 bis 25 Euro verdienen die Frauen pro Pullover. Das sei viel im Vergleich zu den 300 Euro monatlich, die so manche türkische Textilfabrik für mehr als 70 Arbeitsstunden pro Woche bezahle. "Bei mir können die Frauen sich die Arbeit selbst einteilen", sagt Sokollu. Es gebe keinen Druck. Dafür viel Anerkennung und eine Aufgabe, die sich mit dem Enkel auf dem Schoß erledigen lässt.