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Zu wenig Medikamente:Eine ganz bittere Pille

Dass eine Überregulierung zu Unterversorgung führt, missfällt gewaltig

"Medikamente als Mangelware" vom 10. Januar:

Überreguliert, unterversorgt

Medikamente, vom Schmerzmittel bis zum Narkosewirkstoff, sind "Mangelware". Operationen müssen verschoben werden, die Lage der Kliniken sei "katastrophal". Die Mehrheit der Apotheker in Deutschland müsse mehrmals täglich umdisponieren und "versuchen, Ersatzmedikamente aufzutreiben". Klingt eher nach einem Dritte-Welt-Land als nach Deutschland? Passt aber leider ins Bild von einem Land, wo generell der Schutz von Leib und Leben nicht oberste Priorität hat. Aus Überregulierung wird Unterversorgung.

Einerseits herrscht fahrlässiger Mangel an Medikamenten, Ärzten, Pflegern und professioneller Zuwendung für Alte und Kranke, an Lebensmittelkontrollen, Klinik-Hygiene und an Möglichkeiten für Opfer von Behandlungsfehlern, ihre Rechte - wie in den USA - einzuklagen. Andererseits verteidigen Politiker die mörderische Amok-Raserei auf deutschen Autobahnen. Und machen sich zum willigen Dealer der Alkoholindustrie, wenn sie öffentliche Werbung und grenzenlose Verfügbarkeit dieser europaweit gefährlichsten Droge nicht verbieten. Jedes Lebensmittel, ob Quark, Teebeutel oder Kaugummi, muss seine "Nährwerte" auf der Verpackung ausweisen - nur Alkohol nicht? Warum kann man überhaupt Drogen wie Alkohol und Tabak in "Lebensmittel"-Läden kaufen, neben der Kinderschokolade an der Kasse - aber kein Aspirin? Medikamente sind Mangelware, weil das Gesundheitsbewusstsein deutscher Politiker Mangelware ist. Sabine Matthes, München

Strategisches Versagen

Ein wichtiges Thema. Und nur ein Satz über das, was wichtig ist: "Die großen Produktionsstätten liegen mehrheitlich in fernöstlichen Ländern." : Ja Hallo. Deutschland galt mal als Apotheke der Welt. So lange ist das noch gar nicht her. Wer hat zugelassen, dass sich das geändert hat? Welche Regierungen haben gnadenlos geschlampt und versagt? Ein Witz, wenn der SPD-Bundestagsabgeordnete Lauterbach verlangt, dass die Produktion wichtiger Medikamente nach Europa verlagert wird. Die waren noch vor wenigen Jahrzehnten alle hier! Konrad Hopf, Lindenberg

© SZ vom 14.01.2020
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