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Zu Besuch bei Freimaurern:"Freimaurerei bleibt Sünde"

Die große Diskretion der Freimaurer hat auch historische Gründe. Seit der Französischen Revolution, an der sie nach Meinung mancher maßgeblich mitgewirkt hatten, werden die Freimaurer ihr Image als Verschwörer und Strippenzieher mit dunklen Weltherrschaftsplänen nicht mehr los.

Stolz berichten viele Brüder auch, die Vereinigung habe sich schon immer gegen Unterdrückung und Despotismus gestellt. Mehr als einmal in ihrer Geschichte musste sich die Bruderschaft vor der Obrigkeit verbergen. 1935 wurde die Zunft in Deutschland von den Nationalsozialisten verboten, Freimaurern drohte die Deportation ins Konzentrationslager. Und auch in der DDR war die Vereinigung untersagt.

Der katholischen Kirche sind die Brüder noch heute ein Dorn im Auge. Zwar führt seit 1983 ein Beitritt zu den Freimaurern nicht mehr zur sofortigen Exkommunikation, aber die katholische Kirche ist bei ihrer Meinung geblieben, Freimaurerei und christlicher Glaube seinen unvereinbar. "Freimaurerei bleibt Sünde", sagte Papst Benedikt XVI. als er noch Präfekt der Glaubenskongregation war, jener Organisation, die über die Reinheit der katholischen Lehre wachen soll. Zu manchen Geistlichen sei das Verhältnis aber heute entspannt, sagt der Meister vom Stuhl.

Er sitzt an einem runden Holztisch im Nebenraum des Tempels. Vor zehn Jahren hat er zur Freimaurerei gefunden, erzählt er. Freimaurer werben keine Mitglieder, jeder soll selbst als Suchender zu ihnen kommen. An seiner Seite: der jüngste Logenbruder mit Meistergrad, er ist erst 23 Jahre alt. Und Klaus Kastin. Er ist als Ex-Distriktmeister von Bayern und Sachsen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Er soll den Ruf der Freimaurer verbessern, den Bund ein wenig transparenter machen.

In München, sagt Kastin, sei es kein Problem, sich über die Logen und das Freimaurertum zu informieren. Jede Loge habe einen Internetauftritt, viele würden mehrmals im Jahr zu Gästeabenden einladen. Und auch der Pressekontakt werde langsam besser.

Doch natürlich ist die Öffentlichkeitsarbeit eine Gratwanderung. Denn die Freimaurer verpflichten sich ja der Verschwiegenheit und verfolgen den Grundsatz, freimaurerische Bräuche und Logenangelegenheiten nicht nach außen zu tragen. Es ist also gar nicht so leicht, den Ruf der Freimaurer radikal zu verändern.

"Das Unter-sich-Sein hat einen hohen Wert"

Auf Verschwiegenheit verzichten - das geht nicht. Der junge Bruder meint, der schlechte Ruf sei der Preis, den man zahlen müsse für eine vertrauensvolle Atmosphäre in der Loge. "Das Unter-sich-Sein hat gerade in der heutigen Gesellschaft einen hohen Wert", sagt er. Denn: Jeder Bruder kann sich darauf verlassen, das Gespräche aus der Loge nicht nach außen dringen. Wichtig ist den dreien: Die Freimaurer sind kein Geheimbund. Geschichte, Satzungen oder Logenvorstände sind öffentlich bekannt. Nur verschwiegen, das sei man.

Die Öffnung der Freimaurerei begrüßen die drei aber. Einige alte Strukturen würden sie gerne aufgebrochen sehen. Die formale Anerkennung weiblicher und gemischter Logen zum Beispiel wäre wünschenswert.

Aber warum agiert ein Bund, der für die Ideale der Aufklärung eintritt, so sehr im Verborgenen? Wer kann ausschließen, dass hinter den Kulissen der Bruderschaft Geschäfte und Politik ausgehandelt werden? Dass etwa ein Chef einen Mitarbeiter nur befördert, weil beide die gleiche Loge besuchen? "Niemand", sagt Kastin. "Allerdings ist das ein generelles Problem, das auch im Golfklub auftritt."

Die Acacia und die anderen Münchner Logen wollen keine Mitglieder, die auf der Suche nach einem wirtschaftlichen Netzwerk sind. Es geht ihnen um die persönliche Entwicklung in der Loge - und die führe oft zu einem sichereren Auftreten im Beruf. Also indirekt doch wieder eine Karrierehilfe, finden zumindest die drei Brüder.

Ob die Form der "diskreten Gesellschaft" überhaupt noch zeitgemäß ist, diskutieren sie regelmäßig selbst. "Bisher beantworten wir diese Frage offensichtlich mit 'ja'", sagen sie und lachen. Und über zu wenig Interessenten könnten sie sich zumindest nicht beschweren.

© Süddeutsche.de/sonn/afis/gba
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