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Zoo:"Die sind freiwillig hier"

Neben den Zootieren in ihren Gehegen fühlen sich in Hellabrunn auch viele heimische Tierarten wie Ringelnattern oder Graugänse wohl, die von Besuchern aber kaum beachtet werden. Eine neue Ausstellung informiert nun über die Bewohner und die Bemühungen des Tierparks

Dem Graugans-Paar geht's ziemlich gut. Gemächlich watscheln die beiden vom Wallaby-Gehege hinüber zum Wassergraben in der Welt der Affen. Nur zwei Mütter mit ihren Kinderwagen stehen ein wenig im Weg. Um die Ecke sitzt gerade ein Rotkehlchen in der Sonne. Der kleine Vogel wohnt wohl nebenan in der großen Totholzhecke, die auch den Ringelnattern Schutz bietet. "Wenn es sonnig und warm ist, kommen die Ringelnattern heraus und genießen den ganzen Tag die Sonne", sagt Lena Bockreiß und lacht. Es komme dann schon mal vor, dass Besucher des Tierparks aufgeregt zu den Tierpflegern laufen, weil sie glauben, eine Giftschlange ist freigekommen. Doch die ungiftigen Ringelnattern leben wie zahllose weitere Wildtiere in Hellabrunn in Freiheit. Denn das Gelände von der Größe der Theresienwiese ist ein Naturparadies.

"Wir müssen natürlich die Anlage pflegen, aber wir wollen es hier möglichst natürlich belassen", sagt Lena Bockreiß. Die Zoologin deutet auf einen gefällten Baum in einem Gehege, in dem sich zwei brasilianische Mähnenwölfe die milde Frühlingssonne auf die feuerroten Pelze scheinen lassen. Den Baum haben Tierpark-Gärtner in das Gehege gelegt, damit sich dort kleine Tiere verstecken und brüten können. Die Gärtner gehören zur Gruppe der Hellabrunner Naturschutz AG, die sich um die Vielfalt der heimischen Tier- und Pflanzenarten in dem Landschaftsschutzgebiet kümmert. Über die Arbeit der Naturschutz AG und ihre Erfolge erzählt nun eine kleine Dauerausstellung im Artenschutzzentrum, die Lena Bockreiß gemeinsam mit Julia Hoffmann gestaltet hat.

Gleich am Eingang der Ausstellung hängen die verschiedenartigsten Nistkästen an Ästen, die beim genauen Hinsehen auch überall im Tierpark zu entdecken sind. 275 Unterschlupf- und Brutmöglichkeiten für Vögel, Fledermäuse und auch Insekten sind auf dem Gelände verteilt. Erst im vergangenen Jahr hat die Naturschutz AG ein Nistkastenkataster erstellt, zuvor wussten selbst die Mitarbeiter im Zoo nicht, wie viele Kästen an den Bäumen im Park hängen. "Jetzt können wir auch Vergleiche ziehen, wer darin brütet", sagt Lena Bockreiß. Für die Eisvögel, die in den vergangenen Jahren seltener im Tierpark gesehen wurden, haben die Tierpfleger und Gärtner eigens eine Brutwanne und eine Brutwand direkt am Auer Mühlbach gebaut. Und vor der Großvoliere gibt es seit einiger Zeit ein riesiges Insektenhotel, in das nun zum Frühlingsanfang nach und nach wieder Leben einzieht. Dort wohnen dann Wildbienen, Hummeln, Marienkäfer, Wespen und Libellen - Insekten, die wiederum Bäume, Sträucher und Blumen bestäuben.

Mehr als 400 Pflanzenarten gibt es im Tierpark, besonders der Baumbestand in dem Auwald ist imposant. Silberweiden wachsen am Ufer, die Wege sind gesäumt von alten Rotbuchen und Linden, Eschen und verschiedenen Ahornarten. Überall im Park blühen derzeit die Krokusse, die Küchenschelle kommt dort ebenso vor wie die Stendelwurz. Der erste flatternde Frühlingsbote in Hellabrunn ist das Tagpfauenauge, in den vielen Totholzhecken auf dem Gelände krabbeln Käfer wie die Balkenschröter, und am Auer Mühlbach, der durch den Tierpark rauscht, leben neben Stockenten auch Gebirgsstelzen.

Einige der Tiere, die in Hellabrunn vorkommen, sind auch als Zeichnungen und Gemälde in der Ausstellung im Artenschutzzentrum zu sehen. Das Besondere: Die kleinen Kunstwerke haben Tierpfleger des Zoos gefertigt. "Wir haben ja alle Freude an der Natur", sagt Lena Bockreiß, "einige gehen eben am Wochenende raus in die Natur und zeichnen Schmetterlinge und Vögel." Um heimische Tiere zu entdecken, genügt allerdings auch ein Spaziergang über die Wege in Hellabrunn. In einem kleinen Tümpel paddelt ein sieben Tage altes weißes Küken neben seinen Eltern, den australischen schwarzen Trauerschwänen, daneben schwimmen friedlich zwei Mandarinenten. "Die sind freiwillig hier", sagt Lena Bockreiß, "und verstehen sich gut mit den Trauerschwänen." Ein paar Meter weiter hat es sich ein Blesshuhn auf dem verlassenen Schwanennest gemütlich gemacht. Nur drüben in Alaska gibt es gerade Streit. Im Bisongehege verscheucht die nordamerikanische Kaisergans aufgeregt eine Münchner Graugans, die hier den Frühlingsanfang genießen will. Schließlich ist das ihr kleines Kaiserreich.