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Zollfahndung auf dem Oktoberfest:Kontrollen erzürnen Wiesnwirt

Uniformierte Zollfahnder haben auf der Suche nach Schwarzarbeitern 1200 Oktoberfest-Beschäftigte überprüft. Wiesnwirte-Sprecher Toni Roiderer kritisiert das "martialische Auftreten" der Beamten.

Die Kontrollen des Zolls in vier Wiesnzelten sorgen für Ärger: Übertrieben martialisches Auftreten und "Hetzjagd" wirft der Sprecher der Wiesnwirte dem Zoll vor. 20 uniformierte Fahnder der Finanzkontrolle Schwarzarbeit haben in der vergangenen Woche 1200 Beschäftigte überprüft, routinemäßig. Gefunden haben sie nicht viel: Bei Küchen- und Bedienungspersonal, das direkt von den Wirten angestellt ist, sei alles korrekt. Nur bei externen Sicherheits- und Reinigungsleuten in zwei Zelten vermute man Unregelmäßigkeiten. Dass der Zoll kontrolliere, sei völlig in Ordnung, sagt Roiderer, aber "ihre Art aufzutreten finde ich nicht okay".

176. Oktoberfest - Toiletten-Wegweiser

Immer wieder landen die Zollfahnder einen Treffer auf der Wiesn.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

"Wie bei einer Verbrecherjagd" fühle man sich, schimpft Roiderer: "Das ist keine Art. Der Zoll nimmt sich allerhand raus." Besonders stört er sich am Auftreten der Zöllner, die in Dienstoveralls und bewaffnet kontrollieren: "Ihr Auftreten ist schon martialisch." Weil am Dienstag Journalisten den Auftakt der Kontrollserie im Hippodrom beobachteten, glaubt Roiderer, dass der Zoll die Reporter eingeladen habe. Er wirft dem Zoll vor, krampfhaft nach Verstößen zu suchen. Sein Hacker-Zelt war im vergangenen Jahr auch kontrolliert worden, laut Zoll habe man beim Security-Personal einer eigenständigen Firma etwas beanstandet. Dennoch, beklagt Roiderer, bleibe immer auch was am Wirt hängen, selbst wenn der nichts dafür könne.

Zoll-Sprecher Thomas Meister weist die Vorwürfe zurück: Die Medien seien nicht informiert gewesen. Dass sich so eine Aktion aber herumspreche, sei nicht verwunderlich. Die Ausrüstung der Zöllner - Waffe, Handschellen, Pfefferspray, Schutzweste - sei Standard und im Sinne des Eigenschutzes vorgeschrieben. "Das hat mit der Wiesn gar nichts zu tun", versichert Meister. In Uniform kämen die Zöllner seit dem vergangenen Jahr aufs Oktoberfest, "die Akzeptanz ist in Dienstkleidung viel höher". Meister betont, dass die regelmäßigen Kontrollen notwendig seien: "Wir wollen, dass die Wiesn sauber wird." Dass sie das nicht immer ist, hätten die Einsätze bei etwa 30 Firmen im letzten Jahr gezeigt: Bei fast jedem Betrieb, egal ob Karussell oder Zelt, habe man etwas beanstandet, mal zu wenig Lohn, mal Scheinselbständige. Auch auf Kurioses seien die Beamten gestoßen, etwa einen Ausländer, der als "Geist" in einer Geisterbahn die Leute erschreckte - ohne Arbeitserlaubnis. Oder eine Hartz-IV-Bezieherin, die einen Stand betrieben und zugleich eine andere Hartz-IV-Empfängerin beschäftigt habe. Ihre Begründung, warum sie das nicht gemeldet habe: Es hätte sich für die zwei Wochen nicht gelohnt.

Nach der letzten Wiesn hätten sich viele Firmen beim Zoll informiert, um künftig korrekt zu agieren. "Man hat deutlich gesehen, wie die Kontrollen wirken", sagt Meister. "Es ist besser geworden." Auch die jüngst überprüften Wirte hätten sich "sehr kooperativ gezeigt", lobt Meister. Nicht jeder Zeltchef ist sauer auf den Zoll: Michael Käfer etwa oder Stephan Kuffler, die beide am Mittwoch uniformierte "Gäste" hatten, sehen die Kontrollen locker: "Sehr fair" hätten sich die Beamten verhalten, sagt Weinzelt-Wirt Kuffler, und Käfer meint: "Wir haben absolut kein Problem damit."

Ein Problem aber hat der Chef der Toilettenfrauen im Augustiner-Zelt mit dem Verdacht des Zolls: Die Frauen bekämen angeblich keinen Lohn, sondern nur Trinkgeld. Der Geschäftsführer der Firma reagierte auf SZ-Anfrage empört auf den Vorwurf und beteuert, dass er den ersten Lohn auszahlen werde, sobald er den ganzen Monat September abrechnen könne. Dennoch sei ihm von Augustiner noch am Donnerstag fristlos gekündigt worden.

© SZ vom 29.09.2012/wib/rus

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