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Zehn Jahre Youtube:Die besten Videos aus München

Ein Obsthändler bekommt einen Imagefilm, eine Horde Gorillas renoviert eine abbruchreife Bude und ein renommierter Dirigent ein Trikot des FC Bayern: Neun Clips aus München, die für Schlagzeilen gesorgt haben.

Seit der Gründung des Videoportals Youtube vor zehn Jahren laden auch die Münchner massenweise hoch, was sie mit der Kamera oder dem Smartphone festgehalten haben. Gut 2,7 Millionen Filme gibt es bei Youtube derzeit allein unter dem Stichwort München. Ein paar davon haben in den vergangenen Jahren Schlagzeilen gemacht:

Gorillas im Einsatz

"Ich glaub echt, Ihr reißt das Ding nicht ab, denn irgendwie wirft das doch ein Scheißlicht auf die Stadt", rappt Keno von Moop Mama im März 2013. Die Münchner Bläser-Hiphop-Band gehört zu einer Horde von Menschen in Gorillakostümen, die in ein leer stehendes Wohnhaus in der Müllerstraße eindringen und diesem eine Blitzsanierung verpassen - obwohl die Stadt es für abbruchreif hält.

Das Video dazu stammt von der Aktivistengruppe Goldgrund Immobilien. Darin zu sehen sind unter anderem auch Marcus H. Rosenmüller, Mehmet Scholl und Dieter Hildebrandt. Aus der kreativen Protestaktion entstand ein ernsthaftes Projekt.

Unter dem Namen "Bellevue di Monaco" wollen die Goldgrund-Leute ein Begegnungszentrum für Flüchtlinge und in München ansässige Bürger schaffen. Betrieben werden soll es von einer Sozialgenossenschaft. Das Konzept hat die Politik überzeugt und zu einem ungewöhnlichen Schritt bewegt: Im Januar 2015 nahm der Stadtrat den Abrissbeschluss zurück und machte den Weg frei für Bellevue in der Müllerstraße 2 bis 6. Keno hat recht behalten.

Sebastian Krass

Bananen-Business

Ein bisschen bunter und bekannter als die anderen Obsthändler der Stadt war Dieter Schweiger, genannt Didi, ja schon immer. Als aber im Dezember 2013 ein professioneller Imagefilm über den Chief Executive Officer des Obststand-Unternehmens vor der Universität auf den Plattformen Youtube und Vimeo auftaucht, dürften die anderen Kollegen schon etwas neidisch gewesen sein: Kameradrohnen, Hochglanzbilder und eine bekannte, sonore Stimme, die von Nachhaltigkeit bis Synergieeffekte keine Worthülse auslässt.

Dieter Schels, der sonst große Unternehmen teuer in Szene setzt, hat sich den Spaß erlaubt, Didis Obststand mit dem gleichen Aufwand zu inszenieren. "Unsere Logistik ist stets ganzheitlich, zeitgemäß und zuverlässig", tönt es, während Didi im Bild zwei Obstkisten auf einer Sackkarre über die Leopoldstraße schiebt, die "individuelle Qualitätskontrolle" ist ein herzhafter Biss in den Apfel. "S'Lebn is a Freid!" heißt die vier Minuten lange "Mutter aller Imagefilme", die allein auf Youtube inzwischen mehr 300 000 Mal geklickt wurde.

Martin Hammer

München im "Happy"-Rausch

Alles wegen Pharrell Williams. Der US-Musiker inspiriert 2014 mit seinem 24-Stunden-Video zu "Happy" weltweit sehr viele Menschen, durch die Gegend zu tanzen. Berlin, Warschau, London oder Montréal: In mehr als 400 Städten verstehen die Menschen den Song als Aufforderung, demonstrativ zu zeigen, wie glücklich sie sind. "Das ist nicht länger mein Song", erklärt Pharrell Williams in einer Talkshow - und meint das nicht als Kritik.

Auch in München entstehen mehrere Videos, sieben sind alleine unter wearehappyfrom.com gelistet. Der schönste Clip heißt schlicht "Happy - We are from Munich" und wurde zwar nur lächerliche 22 000 Mal geklickt, besticht aber dadurch, dass er auf billige Klischees (Brezn, Bier, nur eine Dirndl-Trägerin) verzichtet. Die Stadt dient hier nur als Kulisse, es geht schließlich ums Happysein. Am schönsten ist ein Bild gegen Ende: Sehr viele, sehr fröhliche Münchner tanzen auf dem Olympiaberg vor dem Sonnenuntergang.

Anne Hemmes

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