Zehn Jahre Facebook Mit dem Horst ins P 1

Sie sind für Jugendliche ein Riesenspaß - und für Polizisten ein Albtraum: Ausufernde Facebook-Partys, zumeist im elterlichen Heim, wenn Mama und Papa im Urlaub sind. Im Jahr 2012 erreichten Partys, zu denen via Facebook Hunderte oder gar Tausende Unbekannte eingeladen wurden, ihren Höhepunkt. Fast jeder dieser Veranstaltungen endete im größtmöglich vorstellbaren Exzess. Immer wieder hörte man von Festen, wie etwa dem eines 18-jährigen Ebersbergers. 3000 Jugendliche hatten sich auf der Internetplattform zum Feiern in seiner Wohnung angekündigt. Nachdem der junge Mann die ersten randalierenden Gäste noch selbst aus seiner Wohnung befördern konnte, zogen die Jugendlichen aus dem gesamten Großraum München durch die Ebersberger Innenstadt und machten richtig Krawall. Die Polizei verhängte gegen mehr als 50 Jugendliche Platzverweise.

Szene-Kolumne Freundliche Übernahme
Szene München

Freundliche Übernahme

Darf ich wirklich mit, Schatz? Als Student war einem das noch egal. Doch wer über 30 ist und eine Party crasht, fällt unangenehm auf. Umso sympathischer ist die Idee, eine Bar zu entern - verkleidet als Voodoo-Zauberer.   Eine Kolumne von Thierry Backes

Die Medienwirksamkeit von Facebook-Partys kam damals auch Horst Seehofer (CSU) zu Ohren. Da dachte sich der Ministerpräsident offenbar: Was die Jugendlichen können, kann ich schon lange - und lud im April 2012 alle seine Anhänger in dem sozialen Netzwerk in den Münchner Club P 1 ein. Außerdem versprach er Freigetränke, so etwas zieht ja immer. 2500 Fans kündigten ihre Teilnahme an, gekommen sind schließlich nur ein paar Hundert. Doch Seehofer war durch den Coup tagelang Gesprächsthema in der ganzen Stadt.

Mittlerweile, im Jahr 2014, ist die diebische Freude der Jugendlichen am Herausfordern der Eltern und der Staatsmacht wieder stark zurückgegangen. Wahrscheinlich waren die hohen Kosten für das in die Brüche gegangene Mobiliar dann doch etwas abschreckend. Oder das Provozieren ist einfach nur langweilig geworden. Bis heute ist allerdings die Frage offen: Wie schafft man es, "aus Versehen" Tausende Menschen einzuladen?