Zehn Jahre Facebook Austeilen und einstecken

Ginge es nach Facebook, müsste sich Dieter Reiter keine Sorgen machen. Auf seiner Seite in dem sozialen Netzwerk hat der Münchner Oberbürgermeister-Kandidat der SPD rund 6500 Fans. Sein Konkurrent von der CSU, Josef Schmid, hat circa 5800, die Grünen-Kandidatin Sabine Nallinger etwa 1800. Doch soziale Medien wie Facebook entscheiden nun mal keine Wahlen.

Reiter auf dem Spielplatz, Reiter bei einer Podiumsdiskussion, Reiter bei einer Demo: Als Kandidat setzt man sich in Szene. Ähnlich sehen auch die Beiträge der anderen Bewerber aus. Gerne werden zudem Zeitungsberichte oder Nachrichten aus der Stadt kommentiert. Mal, um die gegnerische Partei zu kritisieren. Das andere Mal, um sich selbst in positives Licht zu rücken. Bei Schmid bloggt seit Neuestem auch seine Gattin Natalie zu aktuellen Themen. Für die Kandidaten bietet Facebook eine Möglichkeit, mit den Bürgern in Dialog zu treten. Dabei müssen sie auch einige Kritik einstecken. "Mei, die Sprüche auf den Plakaten kommen so oberlehrerhaft rüber, dass man die Inhalte auch nur mit Humor nehmen kann. (...) Versprechen kann man ja viel, aber andere an den Pranger stellen für Fehler, die die CSU verbockt hat (...), ist ein ganz eigenartiger Stil", schreibt zum Beispiel jemand bei Josef Schmid auf die Seite.

Ein anderer schlägt Dieter Reiter vor: "Sie könnten mal zur MVG kommen und die Fahrer ansprechen, ob sie mit der momentanen Situation zufrieden sind." Und eine Wählerin schreibt auf die Pinnwand der Grünen-Kandidatin: "Na ja, Frau Nallinger, das wird schon noch ein steiniger Weg, vermutlich ohne Happy End." Parteien übergreifend gilt: Einstecken muss man können, wenn man sich als Politiker im Netz bewegt.

#ltwby13-Blog Wie sich Politiker im Netz blamieren
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Wahlkampf und soziale Medien

Wie sich Politiker im Netz blamieren

Auf Facebook und Twitter sammeln bayerische Politiker Unterstützer und Fans. Doch dabei lauern Gefahren. Das musste jetzt Peter Gauweiler erfahren, der mit dem Vize-NPD-Chef auf Facebook befreundet war. Und auch bei anderen Wahlkämpfern sorgte der Auftritt im Netz schon für erhebliche Turbulenzen.   Von Frank Müller

Dass bei allen OB-Kandidaten in Sachen Popularität Luft nach oben ist, zeigt die Seite des noch amtierenden Oberbürgermeisters: Christian Ude hat knapp 17 000 Fans. Für die stellt er zum Beispiel Kolumnen und Fotos online. Das hat zuweilen unfreiwilligen Witz: Beim Politischen Aschermittwoch in Vilshofen etwa machte er von der Bühne aus ein Foto des vollen Bierzelts und kommentierte auf Facebook. : "So sehe ich Euch von oben: Was für ein phantastischer Anblick!". Das kommt offenbar an bei der Facebook-Gemeinde. Ob sein Eintrag, bei dem er verkündet, einen ADAC-Preis bekommen zu haben, von Vorteil ist, muss der scheidende OB selbst wissen.