Rap im Münchner Blitz ClubBeats und Ballroom mit Zebra Katz

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Körper und Körperlichkeit – ein wichtiges Thema für Zebra Katz, das er in seiner Kunst thematisiert.
Körper und Körperlichkeit – ein wichtiges Thema für Zebra Katz, das er in seiner Kunst thematisiert. (Foto: Blitz Club)

Der Ausnahmerapper Zebra Katz kommt in den Münchner Blitz Club und spielt bei der Closing Party des International Dance Festival München.

Von Anna Weiß

Eine tiefe, sonore Stimme, die nuanciert rappt. Vollkommene Kontrolle, flüsternd oder laut und deutlich. Ein ungewöhnlicher Flow, ein düsterer Sound. Die Musik von Zebra Katz ist außergewöhnlich, seine Live-Auftritte sind es auch.

Die Veranstaltungsreihe Ritournelle im Blitz Club führt seit mehr als einem Jahrzehnt DJ-Sets und avantgardistische Musikprojekte zusammen. Diese beiden Pole verbindet Zebra Katz mit Rap: am Samstag auch live im Blitz Club bei einer Kooperation von Ritournelle und dem International Dance Festival München.

Da der Blitz Club heuer das Zentrum des Tanzfestivals ist, in dem Veranstaltungen und Clubnächte stattfinden, wird auch die Closing Party mit Zebra Katz und anderen DJs dort abgehalten. Die Party folgt nahtlos auf die Ballroom-Veranstaltung „The Animal Kingdom Kiki Ball“. Die Ballroom-Kultur entstand in den 1960er-Jahren in New York als geschützter Raum der queeren Community, in der expressive Tanz- und Performancestile entwickelt wurden. Diese werden oft als Wettbewerb aufgeführt, etwa das Voguing.

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In München gibt es eine lebendige Ballroom-Szene, bei „The Animal Kingdom Kiki Ball“ sind Tanzende aus ganz Europa dabei. Das Tierreich im Titel soll sich auf die außergewöhnlichen Muster, Texturen und Formen aus der Tierwelt beziehen. Da passt der Künstlername von Rapper Zebra Katz, der bei der Closing Party spielen wird und in seiner Kunst ebenfalls Elemente der Ballroom Culture einwebt.

Seinen internationalen Durchbruch erlebte Ojay Morgan, so der bürgerliche Name von Zebra Katz, als sein Stück „Ima Read“ bei der Fashion Week in Paris von einem Designer als Laufstegmusik ausgewählt wurde. In dem Jahr wurde das Voguing auch im Mainstream populär. Der Track wurde mehrfach in Remixen aufgegriffen, auch von Hip-Hop-Legende Busta Rhymes. Große Auftritte folgten. Morgan, der sich offen als queer identifiziert, kritisierte die Einordnung seiner Musik in das Genre „Queer Rap“. 2017 lud ihn die Band Gorillaz gleich für mehrere Songs als Gastkünstler für ihr Album „Humanz“ ein, er bereicherte etwa den Song „Out of Body“ mit seinem Sprechgesang.

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Körper und Körperlichkeit ist ein Thema, das Zebra Katz auch in seinen eigenen Stücken bearbeitet. Dabei referiert er auf seine Musik und deren Rezeption, etwa wenn er zu Beginn des Songs „In In In“ fragt, ob es um ein Vogue- oder GQ-Interview gehe, er warte auf dem Laufsteg auf das Fotoshooting. Zu basslastigen, knackigen Beats geht es um die eigene Identität, um Schwarzes Leben. In einem Interview – weder mit der Vogue noch der GQ, sondern dem Billboard Magazin – erklärt Zebra Katz, welchen Einfluss Schwarze Künstlerinnen und Künstler wie Nina Simone, James Baldwin und Little Richard auf ihn haben. Dieses Erbe manifestiert sich nicht in affektiertem Namedropping, sondern in der Intensität, die seine Songs ausstrahlen.

Über Ojay Morgan, den Menschen hinter der Persona Zebra Katz, ist nicht viel bekannt. Der jamaikanisch-amerikanische Morgan lebt in Berlin und war Schauspieler, bevor er als Musiker berühmt wurde. Er habe während seiner Schauspielausbildung in New York oft zu hören bekommen, dass er als Schwarzer ausschließlich Schwarze Personen wie Othello in Shakespeare Dramen werde spielen können, die dort mit dem veralteten rassistischen Begriff „moor“ bezeichnet werden. Daraufhin entwickelte er das Soloprogramm „Moor Contradictions“ und den Charakter Zebra Katz. „Less Is Moor“, hieß dann auch sein Album von 2020.

Länger gab es keine neue Musik von Zebra Katz. Er spielt mehr und mehr Konzerte, auf Social Media zeigt er kurze Ausschnitte seiner Auftritte. Am Samstag im Blitz Club gibt es mehr von ihm zu sehen.

Zebra Katz, Dance Festival x Ritournelle, Sa., 31. Mai, ab 23 Uhr, Blitz Club, Museumsinsel 1

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