Eine ungeschriebene Regel auf Festivals ist: Die besten Auftrittszeiten sind später am Abend. Aber was, wenn der Star noch so jung ist, dass Nachtarbeit schwierig ist und die Fans am nächsten Morgen in die Schule müssen? So geht es der Berlinerin Zahide Kayaci, Künstlerinnenname Zah1de. Kürzlich ist sie 16 geworden, jetzt darf sie bis 23 Uhr auf der Bühne stehen. Auf dem Tollwood wird sie am frühen Sonntagabend auftreten.
Die Karriere der jungen Sängerin ist außergewöhnlich. Mit 13 wurde sie auf Tiktok berühmt, erst als Teil der Tanzgruppe Lunatix, dann mit eigenen Rap-Songs. Auf der Plattform folgen ihr circa 8,5 Millionen Menschen, ihre Lieder haben Aufrufzahlen in Millionenhöhe, von denen andere Nachwuchsrapper nur träumen können. Im vergangenen Dezember erschien ihr Debütalbum „Pretty Privilege“, einen Monat zuvor wurde sie mit dem Bambi in der Kategorie „Shootingstar“ ausgezeichnet.
Ihre Musik sind wie viele Lieder aus dem Mainstream-Rap eher kurz, sehr eingängig und repetitiv. In ihren Songs vereint Zah1de Genre-gängige Inszenierungsmuster mit der Lebensrealität von Teenagern. Einerseits flext sie mit Markennamen von Chanel bis Prada oder rappt in „Mona Lisa Motion“, dass sie in Paris Ferrari fährt (beziehungsweise gefahren wird, bei Veröffentlichung des Songs war sie 14 Jahre alt), andererseits kommen auch die Statussymbole von Teenager vor: mein Labubu, mein Lipgloss, mein Kaugummi. Mit ihren langen braunen Haaren, den dicken künstlichen Wimpern und dunklem Lipliner hat sie einen Look, den ihre Fans leicht kopieren können.
So haben sie das Gefühl, dass Zah1de trotz der Chanel-Sneaker noch eine von ihnen ist. Anders als andere Kinderstars wurde Zah1de nicht über eine Castingshow oder eine Fernsehserie bekannt, sondern durch Kurzvideos. Sie scheint damit das Versprechen einzulösen, dass heutzutage jeder ein Star werden kann, wenn er sich nur genug anstrengt, „und ich wollt’ nur bisschen Tanzen und dann wurde ich zum Star“, rappt sie. Und Zah1de strengt sich an.
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Die Schülerin hat ein erhebliches Arbeitspensum, neben Songs und Musikvideos wird vor allem jede Menge Social-Media-Content produziert. Sie lief in diesem Jahr über den roten Teppich der Filmfestspiele von Cannes, auf der OMR in Hamburg wurde sie von Kai Pflaume interviewt, sie war zu Gast in einer Fernsehshow von Klaas Heufer-Umlauf. Dabei wirkt die Teenagerin ziemlich abgeklärt, während man den Moderatoren anmerkt, dass sie betont rücksichtsvoll Fragen stellen, lässt die Kreuzbergerin ihre Berliner Lässigkeit raus. Auf die Frage, ob sie vor ihrem ersten Konzert, dass direkt vor 4500 Fans stattfand, aufgeregt gewesen sei, antwortet sie trocken: „Mein Mindset ist so – die kommen ja sowieso für mich, warum dann so mit bad energy?“
Ihr Manager, Lunatix-Gründer Serdar Bogatekin, hat aus Zah1de eine wertvolle Marke gemacht. Er selbst kommt in ihren Musikvideos und Liedtexten vor, er ist fester Bestandteil der Inszenierung. Bogatekin ist nicht unumstritten, als Talentförderer von Kindern wurde immer wieder Kritik an ihm laut.
Kritik trifft auch Zah1de, die sich anhören muss, nicht rappen zu können, dazu kommen jede Menge fiese Kommentare im Internet, in fast jedem Song singt sie darüber. In einem ihrer neuen Lieder, „Queen of Pop“ singt sie „Ich fahr’ heim von der Schule und lern’ die nächste Million“. Die übliche Flexerei kommt dieses Mal inszeniert melancholisch her, sie schreibe „gute Lines, gute Noten“, bevor die Kampfansage kommt: „Rap gehört schon mir, dieses Jahr werd’ ich die Queen of Pop.“ Zah1de hat noch viel vor.
Zah1de, Sonntag, 28. Juni, 18 Uhr, Tollwood, Musik-Arena

