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Kurse mit Baby:Warum junge Mütter auf Yoga schwören

Beim Baby-Yoga können Frauen nach der Geburt etwas für ihren Körper tun. Und sie erlernen Tricks, die Kleinen bei Laune zu halten.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Sechs Wochen nach der Geburt können Mütter mit Yoga beginnen. Fühlen sie sich wohl, überträgt sich das auch auf den Nachwuchs. Und dafür gibt es spezielle Baby-Yoga-Kurse.

Der kleine Xaver sitzt auf einer Decke und beobachtet seine Mama fasziniert. Was macht sie da nur? Warum streckt sie sich nach oben? Was genau der Junge denkt, weiß man nicht. Das kann er mit seinen acht Monaten noch nicht erzählen. Einmal die Woche nimmt er jedenfalls mit seiner Mutter Julia Bauer am Baby-Yoga teil. Nebenan beobachtet Greta mit den dunklen Locken ihre Mama. Sie ist anderthalb Monate älter und krabbelt schon flink durch den Raum, immer der Lehrerin hinterher. Sie erfindet ihren ganz persönlichen Yoga-Stil und klettert über Xaver, um zu beweisen, wie beweglich sie ist. Noch viel beweglicher als Mama. Ausatmen, den unteren Rücken fest in die Matte schieben, Unterkiefer lockern - ihre Mutter Carolina Argauer bringt das aktive Kleinkind nicht aus der Ruhe.

"Das Besondere am Baby-Yoga ist, dass wir uns voll entspannen können, weil die Lehrerin auf die Babys achtet", sagt Julia Seidl, eine andere Yoga-Mama. Ihre Tochter Paula ist am gleichen Tag geboren wie Xaver, die beiden Mütter kennen sich noch aus dem Geburtsvorbereitungskurs. Im Yogastudio Hemma in Neuhausen haben sie dann mit Carolina Argauer schon einen Yoga-Kurs für Schwangere besucht.

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Yoga an sich boomt in München. Es existiert kaum eine Spielart, die man nicht in einem Studio oder einem Volkshochschulkurs lernen und ausüben könnte. Schwangeren-Yoga allerdings boomt besonders und ist oft der Einstieg in die altindische Lehre von der Vereinigung von Körper, Geist und Seele. "Es ist gesund, sich während der Schwangerschaft zu bewegen, sich zu dehnen und den Körper für die Geburt zu kräftigen", sagt Yoga-Lehrerin Eva Holl. Frauen, die vorher noch nicht mit Yoga in Berührung gekommen sind, probierten es in der Schwangerschaft oft aus "und bleiben dann dran", erklärt sie.

Wichtig ist dabei die Atmosphäre. Hemma ist schwedisch und bedeutet Zuhause. "Unsere Kursteilnehmer können vom Schwangerenyoga über Rückbildungsyoga mit Baby bis hin zum Kinderyoga oder normalen Yoga für Erwachsene hier mit der ganzen Familie jede Lebensphase verbringen", erklärt Studioinhaberin Jenny Herzog. Die Mütter von Xaver, Greta und Paula sind längst Freundinnen geworden. "Wir treffen uns auch privat, die Kinder kennen sich und spielen miteinander", erzählt Carolina Argauer. "Es tut gut, sich mit Gleichgesinnten über Mama-Probleme austauschen zu können", sagt Julia Seidl.

Xaver betrachtet indes neugierig die Matten, Gurte und Blöcke und schreckt auf, als Greta anfängt zu weinen. "Beim Baby-Yoga ist jede Stunde anders, man kann nicht vorausplanen, wie die Kleinen drauf sind", erklärt Eva Holl. Die Mütter können mit den Babys durch den Raum laufen, stillen oder den Nachwuchs mal an die Lehrerin abgeben. Es gibt auch so manchen Trick, um die Kleinen bei Laune zu halten: In den Vierfüßlerstand gehen und die Lippen schürzen, beim Sonnengruß mit den Fingern tanzen. Da lacht Greta gleich wieder.

Sobald die Kinder laufen können, wird es schwieriger

"Sechs Wochen nach der Geburt können Mütter mit dem Baby-Yoga beginnen, dann liegen die Säuglinge vor ihnen auf einer Decke", sagt Holl. Irgendwann sind sie dann zu alt. "Sobald sie rumlaufen können, wird es schwierig." Aber die Entspannung der Mutter könne sich auf das Kind übertragen, erklärt Herzog. "Nicht selten ist es ganz ruhig im Raum."

Die Mütter liegen auf dem Rücken, der Nachwuchs schwebt bäuchlings auf den Schienbeinen. Paula lacht entzückt und genießt die Haltung. "Jetzt in der Elternzeit habe ich endlich mal die Gelegenheit, etwas für mich zu tun und es ist schön, dass mein Baby dabei sein kann", sagt ihre Mutter. Die Krankenkasse finanziert den Kurs anteilig.

"Beim Baby-Yoga ist jede Stunde anders", sagt Kursleiterin Eva Holl. "Man kann nicht vorausplanen, wie die Kleinen drauf sind."

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Eva Holl erklärt, was Baby-Yoga von einem normalen Yogakurs unterscheidet: "Es ist an die Bedürfnisse einer Frau nach der Geburt angepasst und die Sequenzen sind nicht so lang, aber die Übungen sind sehr effektiv." Sie selbst hat einen zweijährige Sohn und "bis zum Tag vor der Geburt Yoga unterrichtet." Dadurch könne sie gut verstehen, wie es den Frauen ergehe und welche Übungen für sie hilfreich seien.

Die körperlichen Beschwerden nach der Schwangerschaft sind von Frau zu Frau verschieden. "Viele haben Probleme mit den Handgelenken, andere haben eine Kaiserschnitt-Narbe, deshalb muss ich ganz individuell auf jede Mama eingehen", sagt die 43-Jährige. Ursprünglich arbeitete sie beim Fernsehen. "Das wurde mir alles zu stressig." Vor zehn Jahren machte sie dann eine spezielle Ausbildung zur Baby-Yoga-Lehrerin. "Die Beziehung zu meinen Teilnehmerinnen ist etwas ganz Besonderes und manche davon sind mir schon von Studio zu Studio gefolgt, weil sie nur von mir unterrichtet werden möchten."

Yoga könne man auf verschiedene Arten unterrichten. "Ich mache es eher weltlich, nicht so spirituell", erklärt Holl. Beim Baby-Yoga ist man mit der Realität konfrontiert, "da wird auch mal eine Matte angesabbert oder ein Kork-Klotz angenagt, aber das gehört dazu", erzählt Jenny Herzog.

Am Ende jeder Stunde lässt Eva Holl ein Kinderlied laufen. "Das mache ich auch im Schwangeren-Yoga und manche Mütter, die danach ins Baby-Yoga kommen schwören, ihre Kinder würden das Lied wiedererkennen." Ich bin ein Kind des Lichtes und der Liebe, heißt es darin. Die Mütter liegen ruhig auf dem Rücken. Die Babys lauschen. "Vielen Dank, dass ihr da wart", sagt Eva Holl. Ihre Stimme ist entspannt. "Wink mal zum Abschied", sagt Julia Seidl und Töchterchen Paula lacht und winkt begeistert. Jetzt wird sie erst mal gefüttert.

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