Literatur:Unsinn und Form

Ein Abend zum Thema Xenien im Lyrik Kabinett.

"Leider machen auch kleine Leiden das Leben zur Hölle, / blöd, daß kein Photoshop hilft, wenn uns der Nagelpilz juckt." Das klingt hübsch albern, doch hinter dem vermeintlichen Unsinn steckt eine strenge Form: Es handelt sich bei diesem Zweizeiler von Kornelia Koepsell um die lyrische Form der Xenien, einst vom römischen Dichter Martial erfunden, von Goethe und Schiller wiederbelebt. Auch unter DDR-Autoren waren diese Distichen (bestehend aus einem Hexameter und einem Pentameter, um kurz in die Metrik-Kiste zu greifen) beliebt. Wer mehr über diese Form und ihre provozierende Funktion wissen will, ist an diesem Dienstag im Lyrik Kabinett gut aufgehoben. Fürs Klassische zuständig ist dann Marcel Lepper, vormaliger Leiter des Goethe- und Schiller-Archivs Weimar und seit kurzem Chef der Carl Friedrich von Siemens Stiftung in München. Matthias Weichelt erklärt als Chefredakteur der Zeitschrift Sinn und Form Xenien heute, und die Lyrikerinnen Kerstin Hensel und Kornelia Koepsell stellen eigene Beispiele vor. Wie schreibt letztere: "Manche häkeln Topflappen, manche räkeln beim Töpfern, / klar, die Rettung der Welt fängt im Kulturbereich an."

Neue Xenien, Dienstag, 5. Juli, 19 Uhr, Lyrik Kabinett, Amalienstr. 83

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