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Zwischen Münsing und Icking:Eine Allee sprießt neu

Frisches Grün zwischen Stümpfn: Markus Fagner freut sich über den Wildwuchs an der Meilenbergerstraße, wo er die von seinem Großvater einst gepflanzten Pappeln fällen ließ.

(Foto: Hartmut Pöstges)

146 Pappeln an der Straße bei Meilenberg hat Besitzer Markus Fagner im vergangenen Jahr aus Sicherheitsgründen fällen lassen. Nun lässt er dort die Natur wieder aufkommen. Den Wildwuchs aus Sträuchern und Jungbäumen will er bald mit Linden- und Eichensetzlingen ergänzen

Von Benjamin Engel, Icking

Nur noch abgesägte Stumpen sind von den einst 146 Pappeln der Allee zwischen dem Weiler Meilenberg und Dorfen übrig geblieben: Doch dazwischen sprießt es kurz vor Sommerbeginn umso mehr. Junge Hasel- oder Walnussbaumtriebe genauso wie etwa Pfaffenkäppchensträucher haben mehr Licht, um sich zu entwickeln. Aus einigen Baumstümpfen der gefällten Pappeln kommen neue Triebe nach. "Es entsteht eine schöne Hecke", sagt Markus Fagner. Und das ist ganz im Sinne des Besitzers. Der ökologische Nutzen sei damit nämlich ungleich größer als der einer Allee, fügt er hinzu. Im Spätherbst will er zudem noch um die 50 Linden und Eichen nachpflanzen.

Die schmale Straße dient vielen Autofahrern als Abkürzung, um sich den weiteren Weg über Wolfratshausen und die Serpentinen ins Isar- und Loisachtal zu sparen. An ihr hatte Fagners Großvater vor etwa 80 Jahren die Pappelallee angelegt. Der heutige Besitzer ließ die Bäume im vergangenen Herbst aus Sicherheitsgründen fällen. Dies begründete er damit, dass größere Äste immer wieder herunterfielen. Einzelne Exemplare drohten sogar umzufallen, hatte er damals geschildert. "Davon ist eine Gefährdung von Leib und Leben ausgegangen", sagt er jetzt.

Während Fagner erzählt, zeigt er auf blühende Wildrosen und Hollerstauden. Genauso wachsen beispielsweise Spitzahorn und Kirschen. Wie die Pflanzen aus dem einstigen Unterbewuchs der Pappelallee hervorkommen, begeistert ihn. Dass die Natur sich selbst regeneriere und entwickle, gefalle ihm besser als jede Pflanzung, sagt er. Die Stümpfe der früheren Bäume habe er ganz bewusst stehen gelassen, erklärt Fagner. Denn so könnten Autos im Gegenverkehr nicht auf die an den Straßenrand grenzende Wiese ausweichen und so den neuen Bewuchs zerstören. Wenn sich nun ein Heckencharakter mit sich buschartig neu entwickelnden Pappeln zwischen Sträuchern und Bäumen herausbilde, sei das ökologisch wertvoll. Insekten und Amphibien fänden darin Unterschlupf.

Ursprünglich sollten schon zu Jahresbeginn zusätzlich neue junge Linden und Eichen gepflanzt werden. Die Pläne habe aber unter anderem die Corona-Pandemie zunichte gemacht, sagt Fagner. Der Besitzer, der auch als Landwirt und Archäologe tätig ist, will die neuen etwa 2,50 Meter hohe Setzlinge jetzt voraussichtlich im Spätherbst oder Frühwinter von einer Gartenbaufirma einsetzen lassen. In der derzeitigen jahreszeitlichen Wachstumsphase zu pflanzen, sei wenig sinnvoll, erklärt er. Denn dann brauchten die jungen Bäumchen viel Wasser und entwickelten sich schlechter. Die einzelnen Exemplare werde er lockerer setzen. Wo bislang drei oder vier Pappeln gestanden hätten, solle künftig nur noch ein Baum wachsen.

Damit sollen sich die einzelnen Exemplare besser entwickeln können. Mitte der Dreißigerjahre hatte Fagners Großvater die teils nur einseitige Pappelallee gepflanzt. Doch die Bäume seien viel zu eng - kaum zwei Meter voneinander entfernt - nebeneinander gestanden, sagt sein Enkel. Daher seien sie relativ schwach gewesen. Warum er keine neuen Pappeln setzen wollte? Die Baumart werde nach 80 Jahren wieder marode sein. Dann müssten nachfolgende Generation erneut fällen. Eichen- oder Lindenalleen stünden dagegen teils mehrere hundert Jahre. Zudem sei die Pappel kein Wertholz, sagt er. Die gefällten Bäume habe er nur zu Hackschnitzeln verarbeiten können. Mit dem Verkauf habe er die Kosten der Fällungen bei weitem nicht decken können. Schwer gefallen ist es Fagner trotzdem, die Pappelallee entfernen zu lassen. Die Baumreihe sei landschaftsbildend gewesen, sagt er. "Die Allee hat zur Familientradition dazugehört." Deshalb wolle er die Baumreihe auch wieder neu begründen. Um die neuen Eichen- und Lindensetzlinge zu pflanzen, werde die Gartenbaufirma etwa eine Woche brauchen. Spätestens nach 15 Jahren werde wieder ein Alleecharakter entstanden sein.

© SZ vom 05.06.2020

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