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Zwei-Seen-Land:Ein Turbo für den Bus

Verkehrswende Kochel und Umgebung

Forcieren die Verkehrswende in Kochel: Klaus Barthel, Sebastian Salvamoser und Reinhard Dollrieß (von rechts) bei einer Radltour mit der Bundestagsabgeordneten Bela Bach durch den Ort.

Kochler SPD stell Forderungen an neuen Nahverkehrsplan.

Von Florian Zick

In diesem "Sommer dahoam" war der Verkehr in Kochel am See noch dichter als sonst. Weil viele Leute coronabedingt nicht weggefahren sind, sondern ihren Urlaub im Münchner Umland verbracht haben, war im Zwei-Seen-Land heuer besonders viel los. Fast ein bisschen zu viel, findet man bei der örtlichen SPD - zumindest unter den gegebenen Verkehrsbedingungen. Der Ortsverein pocht deshalb auf deutliche Nachbesserungen beim öffentlichen Nahverkehr.

Wenn der Tölzer Kreistag nächstes Frühjahr den neuen Nahverkehrsplan beschließt, dann müsse darin auch eine deutliche Entlastung für Kochel enthalten sein, fordert der Ortsverein. Dass die hohe Verkehrsbelastung momentan so viel Aufmerksamkeit erfahre, "das ist auch das Ergebnis unserer Aktivitäten," so Sebastian Salvamoser, der lokale SPD-Chef. Nun müsse man das Eisen aber auch schmieden, so lange es noch heiß ist. Der Nahverkehrsplan lege Strukturen schließlich für viele Jahre fest. Was dort nicht drinstehe, könne man nicht so leicht nachholen. Das habe beispielsweise die langwierige Debatte um einen Beitritt des Südlandkreises zum Gebiet des Münchner Verkehrsverbunds (MVV) gezeigt. Man wolle weitere "Jahrzehnte des Stillstands" unbedingt verhindern.

Konkret fordert die SPD zuverlässige Takte, verständliche Fahrpläne und bezahlbare Tarife. Zudem müsse man nach Wegen suchen, um die Busse zu beschleunigen. "Es kann nicht sein, dass beispielsweise die Busse bei der Ausfahrt aus dem Kochler Bahnhof viele Minuten warten müssen, bis sie im dichten Verkehr nach links in die Bundesstraße 11 einbiegen können", erklärt Sebastian Salvamoser. Auch das stundenlange Staustehen auf einer überlasteten Kesselbergstraße müsse aufhören. Völlig unzureichend seien die bisherigen Pläne außerdem in puncto Schnellverbindungen in den Nordlandkreis. Um die Leute zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen, brauche es umsteigefreie Verbindungen, um in deutlich unter einer Stunde von Kochel nach Wolfratshausen und Geretsried zu kommen - gerne auch mit dem Zug. Schließlich sei mit der Isartalbahn vor weit über 100 Jahren schon einmal eine Gleisstrecke gebaut worden. "Und wenn es sich unser Land unter wesentlich schwierigeren Bedingungen leisten konnte, Wolfratshausen mit Kochel per Bahn zu verbinden, sollte das in Zeiten der Klima- und Verkehrswende erst recht möglich sein", so Salvamoser.

Natürlich sei man sich im Klaren darüber, dass all das nicht von heute auf morgen zu realisieren sei, sagt Salvamoser. Aber die Städte, Gemeinden und auch der Kreistag müssten nun Druck auf den Freistaat machen. Es braucht nach Ansicht der Kochler SPD jedenfalls eine deutlich bessere Förderung des öffentlichen Nahverkehrs.

© SZ vom 21.10.2020
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