bedeckt München 12°

Zukunft von Wolfratshausen:Fünf-Punkte-Plan für die Altstadt

Etwa 150 Teilnehmer kommen zum "Kreativtag" in die Wolfratshauser Loisachhalle, um die Aufwertung der Marktstraße mitzugestalten.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Etwa 150 Teilnehmer kommen zum "Kreativtag" in die Wolfratshauser Loisachhalle, um die Aufwertung der Marktstraße mitzugestalten. Die Bürger sind sich ziemlich einig in ihren Wünschen. Der Brunnen am Marienplatz soll versetzt werden, die Bordsteinkante verschwinden.

Von Susanne Hauck

Die Wolfratshauser sollen sich an der Umgestaltung der Marktstraße beteiligen. Deshalb hatte die Stadt sie zum "Kreativtag" eingeladen. Auch wenn der Titel etwas verunglückt nach Bastelstunde in der Grundschule klingt, machen die Bürger in dem Workshop Nägel mit Köpfen. Sie sind sich ziemlich einig, was ihre Altstadt verschönern könnte: ein besser nutzbarer Marienplatz mit versetztem Brunnen, ein Schwankleck mit mehr Platz-Charakter, sowie ein Markt ohne hohe Bordsteine, um den Verkehr zu beruhigen. Die Engstelle am Untermarkt beim Birnmühlplatz soll breitere Bürgersteige und eine Regelung für den Gegenverkehr bekommen, und die Zugänge zum Loisachufer und zum Bergwald besser sichtbar werden. Am Ende ergibt sich ein homogenes Bild von den Wünschen.

Circa 150 Menschen haben sich am Samstagvormittag in der Loisachhalle versammelt: Stadträte, Mitarbeiter der Verwaltung, Geschäftsleute, Mitglieder vom Werbekreis und vom Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW), Planer - und ja, auch viele Bürger. Sie will die Stadt Wolfratshausen mitnehmen auf dem Weg zur Aufwertung der Altstadt. Der Kreativtag reiht sich nach Auftakttreffen und einer Ortsbegehung als dritte Veranstaltung in den "Dialogprozess" ein. "Jetzt geht es darum, die Wünsche zu Papier zu bringen", definiert Bürgermeister Klaus Heilinglechner das Tagesziel.

Bevor die Teilnehmer in die Arbeit einsteigen, stellen Stadtmanager Stefan Werner und die Vertreter vom Kommunikationsbüro "Identität und Image Coaching" und noch einmal vor, was bereits passiert ist. Wie andere Gemeinden Platzflächen herausgearbeitet haben, zeigt anschließend die Architektin und Stadtplanerin Claudia Schreiber, die den Prozess berät. "Die Bundesstraße muss aber bleiben", gibt sie den Bürgern einschränkend mit auf den Weg, auch wenn die sich sonst nicht bremsen lassen sollen. Vier Gruppen mit zwölf bis 15 Teilnehmern machen sich unter Anleitung von Stadt-, Verkehrs- und Landschaftsplanern ans Werk. Mit dabei sind Wolfratshauser, die "mittendrin" wohnen, so wie Hans-Joachim Kunstmann, der vom Ammersee zugezogen ist. "Man kann jammern oder man kann versuchen, etwas zu tun", sagt er. Am gleichen Tisch sitzt Elisabeth Landler, die "mehr aus der Altstadt rausholen" will. Eine gebürtige Wolfratshauserin, die jetzt in Weidach wohnt, aber in der Kindheit "den Markt rauf und runter gelaufen ist". Hingehen und etwas bewegen, das wollen alle, die heute gekommen sind.

Stadtplanerin Claudia Schreiber (oben Mitte) zeichnet die Vorschläge auf Durchpauspapier im Plan ein.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Eine Stunde später hat jede Gruppe schon viele gelbe Zettel auf den Stadtplan geklebt, der den Markt von der Musikschule bis zur Johannisgasse zeigt. "Wird nicht als öffentlicher Platz wahrgenommen" steht zum Beispiel beim Birnmühlplatz. Die Köpfe rauchen. Warum nicht den Gemeindesaal der katholischen Kirche abreißen, um am Marienplatz mehr Platz zu schaffen? Oder gleich das Rathaus. Eine Magnetschwebebahn soll den Bergwald erschließen. Die Bundesstraße unterirdisch verlegt werden. Viele Vorschläge schwirren durch die Luft.

Nach dem Mittagessen geht es dann ans Eingemachte. Mit Durchpauspapier bewaffnet zieht Architektin Claudia Schreiber von Tisch zu Tisch, zeichnet verschwenkte Straßen und neue Bäume ein, schiebt den Marienbrunnen mal nach vorn, und mal nach hinten.

Kreativtag in der Loisachhalle zur Umgestaltung Altstadt Wolfratshausen - die Brennpunkte der Stadt, Marienplatz und Schwankl-Eck

Der Brunnen am Marienplatz soll versetzt werden, für mehr Aufenthaltsqualität.

(Foto: Claudia Koestler)

Als die Gruppen ihre Ergebnisse präsentieren, stellt sich schnell heraus, dass es ein paar große gemeinsame Nenner gibt. Erstens: Alle wollen den Marienplatz umgestalten. Der Brunnen gerät zwar zum Zankapfel, aber die meisten können sich dafür erwärmen, dass er nach vorne verlegt wird, um mehr Platz zu gewinnen. "Der Marienplatz sollte im Alltag und für Märkte und Veranstaltungen besser nutzbar sein", erklärt Ingrid Schnaller von Gruppe "Orange". Sitzplätze sollen dort entstehen. Ob die Bäume bleiben, ist umstritten. Zweitens: Das Schwankleck soll umgebaut und entschleunigt werden, damit es mehr Platz-Charakter erhält. Ein Mini-Kreisel nach Tölzer Vorbild ist denkbar. Drittens: Die hohe Bordsteinkante soll verschwinden, Bürgersteige und Fahrbahn in der Höhe angeglichen, aber optisch abgegrenzt werden. "Damit die Autos nicht mit 50 Stundenkilometern durchballern", erklärt Melanie Penzkofer von der Gruppe "Blau". Viertens: Umgestaltet werden soll auch die Engstelle am Untermarkt, wo die Gehsteige so schmal sind, dass Kinderwägen kaum durchkommen. Sie sollen verbreitert und der Verkehr mit einer Vorfahrtsregelung gelenkt werden. Fünftens: Die Zugänge zum Loisachufer und zum Bergwald sollen durch eine entsprechende Pflasterung und Beleuchtung besser sichtbar sein.

Kreativtag in der Loisachhalle zur Umgestaltung Altstadt Wolfratshausen - die Brennpunkte der Stadt, Marienplatz und Schwankl-Eck

Kreativtag in der Loisachhalle zur Umgestaltung Altstadt Wolfratshausen - die Brennpunkte der Stadt, Marienplatz und Schwankl-Eck Kreativtag in der Loisachhalle zur Umgestaltung Altstadt Wolfratshausen - die Brennpunkte der Stadt, Marienplatz und Schwankl-Eck

(Foto: Claudia Koestler)

Keine klare Position ergibt sich in Sachen Parkplätze: gar keine mehr, weniger, oder eine zentrale Tiefgarage. Viele Teilnehmer können sich aber vorstellen, dass der kleine Park der Littig-Villa geöffnet wird. "Ein wunderschöner Platz, der hinter Zaun und Hecken untergeht", sagt Penzkofer. Ebenfalls mehrfach gefordert werden Radlabstellplätze, Ladestationen für E-Bikes, Ruhebänke entlang der Marktstraße, Tempo 30 und die Umleitung des Schwerlastverkehrs ab Icking.

Am Ende ist der Großteil zufrieden. Wie Renate Hauschwitz und Ken Dollmann, die seit 14 Jahren an der Isarstraße wohnen. "Die Diskussion war gut und der Input von den Planern auch", loben sie. Positiv ist auch das Fazit von Moderatorin Stephanie Pettrich. "Es gibt viele Ähnlichkeiten, auf die wir gut aufbauen können."

© SZ vom 28.01.2019/aip
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema