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Zu wenig Publikum:Sehnsucht mit Pastinaken

Ecco Meineke versteht sich als Chansonnier auf kluge wie auf wehmütige Interpretationen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Ecco Meineke und Andy Lutter im Foyer der Loisachhalle

Ecco Meineke hätte man von Herzen mehr Publikum gewünscht. So aber verloren sich am Samstagabend gerade mal 15 Zuhörer im Foyer der Loisachhalle, wo Bartische und Sofas in lauschiger Wohnzimmeratmosphäre gruppiert waren. Umso unverständlicher ist das enttäuschend geringe Interesse, als Meineke in der Musik- und Kabarettszene eine feste Größe ist.

Der multitalentierte Münchner begann seine Karriere zusammen mit Werner Schmidbauer im Duo Jedermann, er schrieb und sang einen großen Teil der Filmmusik zu "Der Schuh des Manitu", er war jahrelang im Ensemble der "Lach- und Schießgesellschaft", er ist erfolgreich als Ecco DiLorenzo mit seiner Band und als Kabarettist mit Soloprogrammen unterwegs, dazu hat er mehrere CDs veröffentlicht. "Blattgold" heißt sein im Januar herausgegebenes jüngstes Album, mit dem er zurzeit auf Tour ist. Blattgold, so wie der dünne Überzug, der die Dinge so schön glänzen lässt und der doch ganz leicht Risse bekommt und hinter die Fassade schauen lässt. Es ist ein Titel, der gut passt.

Meineke kommt nicht nur als sympathischer, sondern auch als erfrischend ehrlicher Typ rüber. Weil er, anstatt als Künstler nur seine Schauseite zu präsentieren, keine Scheu hat, die Zuhörer in sein Leben hineinzulassen, mit kleinen Geschichten von den Höhen und Tiefen daraus zu unterhalten. Dadurch gelingt es ihm, viel Nähe zu schaffen.

Nach Folk, Jazz und Soul hat sich Meineke diesmal einem anderen musikalischen Genre zugewandt: der Chansontradition. Das ist mal wehmütig und sentimental, mal klug und politisch, mal schlitzohrig und fröhlicher Nonsense - ein Spiegelbild des Künstlers eben, der seine Lieder selbst verfasst und aus den Momenten seines Lebens schöpft. Er erzählt etwa, dass er als 18-Jähriger den Song "Eva" geschrieben hat, um die Schwester eines WG-Genossen zu beeindrucken (als ihm das nicht glückte, wurde sie schnell in eine "Anita" verwandelt). Oder von seiner Aufregung vor seinem Debütalbums in den Neunzigerjahren, als er sich für die Arbeit daran in die Einsamkeit der Bretagne zurückzog ("Die Sonne von Saint Nic").

Wenn Meineke seine ganze Sehnsucht in die Stimme legt, klingt er ähnlich betörend wie Udo Jürgens, ohne dabei kitschig zu werden. Das beweist er auch in der Hommage an Chanson-Legende Charles Aznavour, dem auf deutsch gesungenen "She".

Aber der schlaksige Typ in Jeans und Turnschuhen, der in der Pause schnell mal zum Rauchen vor die Loisachhalle geht, kann nicht nur Gefühle, sondern auch scharfzüngige Kritik am Zeitgeist. Mit der "Pastinaken-Polka" veräppelt er den Fremdenhass und mit "Die Jungen" die Eitelkeiten des alternden Mannes. Und als ehemaliger Germanistikstudent hat er sich auch an die schwierigen Gedichte von Frank Wedekind herangewagt und diese vertont.

Meineke ist aber nicht als Alleinunterhalter gekommen. Ihm zur Seite sitzt Andy Lutter am Flügel, sein bescheidener Bühnenpartner, der zu vielen Liedern die Musik komponiert hat und der hier unbedingt erwähnt werden muss, denn sein virtuoses Klavierspiel verleiht den Songs erst die notwendige Tiefe. Wirklich schade für die beiden fantastischen und vielseitigen Künstler, dass das Haus nicht voll war. Sie hätten es verdient gehabt.