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Zu viele Stellflächen:Kritik am Wohnmobilplatz

Platz für Camper: Am Trimini sollen circa 50 Stellplätze samt Toiletten und Duschen entstehem.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Kochler Bürger fordern Änderungen an der Trimini-Straße

Von Petra Schneider, Kochel am See

Jahrelang wurde im Kochler Gemeinderat kaum diskutiert, Beschlüsse wurden meist einstimmig gefasst. Bürger kamen selten. Das hat sich seit der Kommunalwahl geändert: Die Zuhörer in der Heimatbühne sind oft so zahlreich, dass manche die Sitzungen vom Vorraum aus verfolgen müssen. Viele Kochler wollen sich informieren und offenkundig mehr mitreden. So wurde im Juli mit einem Bürgerantrag ein bereits beschlossener Zusatzparklatz in Walchensee gekippt. Am Dienstag wurde nun erneut über einen Bürgerantrag abgestimmt, der sich auf den geplanten Wohnmobilstellplatz an der Trimini-Straße bezieht.

Laut Bauantrag, der im Juni mit drei Gegenstimmen gebilligt wurde, sollen dort 90 Stellplätze, eine öffentliche Sanitäranlage, Duschen, ein Wäsche- und ein Geschirrraum entstehen. Eine Genehmigung des Landratsamts liegt noch nicht vor. Im Bürgerantrag, den 114 Kochler unterschrieben haben, wird das Vorhaben nicht grundsätzlich abgelehnt, aber es werden fünf Forderungen erhoben. Eine Mehrheit fand keiner der Vorschläge, allerdings soll die Zahl der Stellplätze nun offenbar reduziert werden; Bürgermeister Thomas Holz (CSU) sprach von 50 Plätzen, die als "Richtschnur" festgelegt worden seien.

Die Forderungen der Bürger lauten: Eine stärkere Einbindung der Öffentlichkeit, einfache Ausstattung und eine Beschränkung der Stellplätze auf maximal 50. "Wildcampen" im Gemeindegebiet soll verhindert, Beeinträchtigungen vor allem auf das benachbarte Vogelschutzgebiet sollen vermieden werden. Auch dürfe der Wohnmobilparkplatz keine negativen Auswirkungen für Flohmärkte, Festzeltbetrieb oder eine Nutzung durch Vereine haben. Bürgermeister Holz ließ über jeden Punkt gesondert abstimmen. Den meisten Zuspruch fand im Gemeinderat die Forderung nach stärkerer Einbindung der Öffentlichkeit. "Sie wollen bürgernah sein, wir erinnern an das Wahlversprechen der CSU", sagte Sommerschuh. Befürchtungen und Anregungen von Bürgern sollten ernst genommen werden.

Resenberger fand, dass die Öffentlichkeit bereits durch die Berichterstattung in der Presse einbezogen sei. Sonja Mayer (Mitte) schlug einen "Informationsspaziergang" für Bürger und Gemeinderäte vor, bei dem das Projekt in Augenschein genommen werden könne. Markus Greiner (Junge Liste) forderte "Fakten statt Emotionen". Rosemarie Marksteiner (Mitte) war der Meinung, dass man wegen der vorgesehenen Geschirr- und Waschräume wohl eher von einem Camping- denn von einem einfachen Stellplatz sprechen müsse. "Weitere Klientel wird angezogen und dadurch mehr Verkehr". Bürgermeister Holz erklärte, dass die Ausstattung den gesetzlichen Anforderungen und Empfehlungen des Tourismusverbands genügen müsse, damit der Platz angenommen werde.

Über mögliche Beeinträchtigungen sagte er: Die Gemeinde habe bereits Maßnahmen getroffen und Schilder aufgestellt. Für das Vogelschutzgebiet sei die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt zuständig, für Ranger fehle die Rechtsgrundlage, weil es sich nicht um ein Naturschutzgebiet handle. Festzeltbetrieb und Veranstaltungen würden nicht beeinträchtigt, und die neue WC-Anlage komme auch den Vereinen zugute.

© SZ vom 15.10.2020

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