Umwelt und NaturDie Zitterpappel: ein Pionier im Klimawandel

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Mit ihren dünnen Stämmchen lässt die Zitterpappel (Bildmitte, links hinten größere Exemplare) so viel Licht auf den Boden, dass sich andere Bäume gut etablieren können.
Mit ihren dünnen Stämmchen lässt die Zitterpappel (Bildmitte, links hinten größere Exemplare) so viel Licht auf den Boden, dass sich andere Bäume gut etablieren können. Jasmin Engel
  • Die Zitterpappel ist Baum des Jahres 2026 und gilt als klimaresistenter Pionier, der Temperaturen von minus 50 Grad bis zu Hitzeperioden übersteht.
  • Als Pionierbaum besiedelt sie Kahlflächen zuerst und schafft durch ihr lichtes Wachstum Schutzräume für andere Baumarten wie Eichen und Ahorn.
  • Die Baumart fördert die Artenvielfalt mit rund 200 Schmetterlingsarten in ihrem Umkreis und bietet Spechten durch ihr weiches Holz ideale Nistmöglichkeiten.
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Der Baum des Jahres 2026 ist temperaturresistent, verträgt auch nasse Böden und bietet anderen Arten einen Schutzraum für die Entwicklung. Eine Erkundung in der Pupplinger Au.

Von Jasmin Engel, Egling

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Einige hundert Meter liegen zwischen der Isar und dem Wanderparkplatz beim Gasthaus Aujäger. Im östlich angrenzenden Wald rauscht es deutlich, sobald es nur ein wenig windig wird. Dadurch geraten die flach gedrehten Blätter der Zitterpappel, auch Espe oder Aspe genannt, an ihren langen Stielen in Schwingung und rascheln. „Das ist der einzige Baum, den man richtig gut hören kann“, sagt Robert Nörr, der als staatlicher Revierförster für die Kommunen Icking, Egling und Wolfratshausen zuständig ist.

Bekannt sein dürfte die Baumart vor allem durch die Redewendung „Zittern wie Espenlaub“. Die raschelnden Blätter haben für die Bäume vor allem aber eine wichtige Schutzfunktion in Zeiten des Klimawandels. Der Mechanismus kühlt und hilft so, höhere Temperaturen besser zu verkraften.

Obendrein sind Zitterpappeln echte Pionierbäume, wie Nörr betont. Sie besiedeln oft Kahlflächen, die etwa durch Sturmwurf oder Waldbrände entstanden sind, als Erste wieder. „In ihrem Schutz können andere Bäume gut aufwachsen“, so der Revierförster. Das macht die Zitterpappeln ökologisch wertvoll. Die schlanken, hoch aufschießenden Bäume – junge Exemplare wachsen teils 50 bis 100 Zentimeter pro Jahr – lassen trotzdem genug Licht auf den Boden, sodass Schösslinge anderer Arten aufkommen können. Exemplarisch zeigt Nörr etwa auf einen Wildapfelbaum, Eichen, Ahorn, Eschen, Weiden und Wacholder im Umkreis einiger Exemplare.

Aufgegebene Teilflächen des Wanderparkplatzes Puppling zwischen Wolfratshausen und Egling sind inzwischen zugewachsen, wie Förster Robert Nörr zeigt. Kahlflächen besiedelt die Zitterpappel als Pionierbaum oft zuerst.
Aufgegebene Teilflächen des Wanderparkplatzes Puppling zwischen Wolfratshausen und Egling sind inzwischen zugewachsen, wie Förster Robert Nörr zeigt. Kahlflächen besiedelt die Zitterpappel als Pionierbaum oft zuerst. Jasmin Engel

Die Zitterpappel braucht Licht, um aufkommen zu können, und verbreitet sich dann rasend schnell. Ein einziger Altbaum kann bis zu 50 Millionen Samen produzieren. Zum Keimen und Anwachsen müssen sie jedoch auf Rohboden aufkommen. Zudem vermehren sich die Zitterpappeln dadurch, dass aus den nahe an der Oberfläche wachsenden Wurzeln junge Pflanzentriebe entstehen. Förster Nörr spricht von der Wurzelbrut, durch die sich der Mutterbaum vermehrt. So können die Schösslinge zugleich aufkeimende Triebe anderer Baumarten verdrängen. Daher galt die Zitterpappel vielfach als Unkraut. „Die wurde dann radikal weggeschnitten“, sagt Nörr.

Dabei ist der Baum des Jahres ein Förderer der Artenvielfalt im Wald. Allein um die 200 Schmetterlingsarten kommen in seinem Umkreis vor, etwa der spezialisierte Kleine Schillerfalter. Darüber hinaus bieten Zitterpappeln zahlreichen Insekten wie dem Pappelbock einen wichtigen Lebensraum. Weil ihr Holz sehr weich ist, fault es leicht. Daher bauen auch Spechte gerne ihre Nisthöhlen in den Bäumen. Zudem wachsen Zitterpappeln auch auf nassem Untergrund gut empor. Das macht sie zu Alternativarten für die vielfach vom Triebsterben befallenen Eschen. „Ökologisch spielen Zitterpappeln eine große Rolle“, weiß Nörr.

Zitterpappeln werden im Schnitt nur um die 100 Jahre alt

Die Zitterpappel ist weit verbreitet, sie kommt im gesamten eurasischen Raum vor. Die Baumart ist sehr klimaresistent. Zitterpappeln überstehen Temperaturen von bis zu minus 50 Grad, kommen aber auch mit Hitze- und Trockenperioden gut zurecht, erklärt Nörr. Zudem wüchsen sie auch in höheren Lagen, bis an die Baumgrenze.

Besonders alt werden Zitterpappeln allerdings mit etwa 100 Jahren im Durchschnitt nicht. „Die Bäume sind auch wirtschaftlich nicht so interessant“, sagt Revierförster Nörr. Das Holz ist sehr leicht und weich. Es wird etwa für Papier, Sperrholz, Verpackungen oder Zündhölzer verwendet. Weil es harz- und rußfrei sei, eigne es sich zum Anfeuern des Kamins, so Nörr.

Die Blätter der jungen Zitterpappel sind herzförmig.
Die Blätter der jungen Zitterpappel sind herzförmig. Jasmin Engel

Beim Wanderparkplatz Puppling nördlich der Staatsstraße 2070 führt der Revierförster auf verschlungenen Wegen immer weiter hinein in den Wald, in dem sich immer größere Exemplare der Espen zeigen. Am Standort hat sich die Baumart auf früheren Parkplatzflächen verbreitet. Zu erkennen sind junge Exemplare der Zitterpappel an ihrer glatten Rinde, auf der sich bei älteren Bäumen rautenförmige Korkleisten zeigen. Die anfangs herzförmigen Blätter bekommen später eine rundlichere, fein gezackte Form.

Auf einer Fläche von einem Fußballfeld können laut Nörr bis zu 100 000 Pappeln wachsen. Die Baumart sei genügsam, vom Prinzip her der perfekte Begleitbaum für Straßen, sagt der Förster. Allerdings brächen Äste leicht ab, was wegen der Verkehrssicherungspflicht problematisch sei. Dafür könnten Zitterpappeln Böschungen gut stabilisieren – durch ihr Wurzelwerk, das bis zu 50 Meter im Umkreis reicht.

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