Wanderzirkus in Geretsried:Ein Leben auf der Reise

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Ashley William als Schlangenfrau. (Foto: Hartmut Pöstges)

Der Circus Alfons William tourt mit seinem Programm durch Deutschland und Österreich.

Von Nina Pia Becker, Geretsried

Der Kronleuchter, ein Gerät für Luftakrobatik, hängt schon bereit, und so langsam trudeln die Zuschauerinnen und Zuschauer ein. Mit Popcorn und Getränken machen sie sich für die Show bereit. Auch an diesem Nachmittag gibt der Wanderzirkus Circus Alfons William eine Vorstellung in Geretsried. Das Programm dauert mit Pause fast zwei Stunden. Gefüllt ist das Zelt nicht - rund 700 Personen hätten Platz - aber die Vorstellung findet trotzdem statt. Die Show beginnt mit Ashley William und ihrer Luftakrobatiknummer am Kronleuchter. Ashley ist 13 Jahre alt und schon von klein an in der Manege.

"Hier macht jeder mit", erzählt Virginia Köllner, die ebenfalls eine Luftakrobatin ist. Köllner hat in die Familie eingeheiratet, stammt selbst aber auch aus einer Zirkusfamilie. Schon mit drei Jahren seien die jüngsten Familienmitglieder in der Manege dabei, sagt sie.

In der ersten Hälfte zeigt sie eine Akrobatiknummer am Netz. Ashley William schlüpft in die Rolle der Schlangenfrau und verbiegt sich in alle Richtungen. Jason William beweist Schnelligkeit und Konzentration bei der Jonglage mit verschiedenen Requisiten, von Ringen bis Feuerkeulen.

Virginia Köllner mit ihrer Akrobatiknummer am Netz. (Foto: Hartmut Pöstges)
Jason William bei der Jonglage. (Foto: Hartmut Pöstges)

Kurz darauf wirbeln vier Araber-Pferde durch die Manege, stehen auf den Hinterbeinen oder traben in verschiedenen Konstellationen ihre Runden. In einer zweiten Tiernummer bekommt das Publikum noch zwei Kamele und zwei Dromedare zu sehen. Als Dompteur Roy William sie dazu auffordert, sich hinzusetzen, wollen nicht alle gehorchen. Ein Kamel sträubt sich und lässt sein Hinterteil partout nicht nieder. Roy William nimmt es gelassen.

Der Zirkus werde ordnungsgemäß vom Veterinäramt kontrolliert und habe für seine saubere Tierhaltung und den richtigen Auslauf und Platz auch Auszeichnungen bekommen, sagt Köllner. In der Pause können die Besucherinnen und Besucher die Zirkustiere anschauen und streicheln. "Uns ist auch wichtig, dass das Publikum den Kontakt zu den Tieren hat", sagt sie. Neben Pferden und Kamelen gibt es beim Circus Alfons William auch Ziegen, Lamas und Alpakas.

Roy William als Dompteur. (Foto: Hartmut Pöstges)

Jeden Tag verbringen die Artisten einige Stunden damit, zu trainieren und ihre Nummern einzustudieren. Jedes Jahr überlegt sich die Familie ein neues, buntes Programm für Groß und Klein. Dieses wird dann zunächst beim Weihnachtszirkus aufgeführt. Anschließend tourt der Zirkus durch Deutschland und Österreich. Zehn Tage rastet er in Gelting bei Geretsried. Was für viele unvorstellbar ist, ist für die Zirkusfamilie Normalität, die sie nicht missen wollen.

"Uns gefällt das so, das ist unser Leben", sagt Köllner. Sie schätze es, immer wieder etwas Neues zu sehen und in verschiedene Städte zu fahren. Auch den Kindern mache es nichts aus, auf viele verschiedene Schulen zu gehen. Wahrscheinlich würden viele von ihnen in der Zirkuswelt bleiben. Die Zeit des Zirkus sei nicht vorbei. "Viele denken sich, Zirkus ist nicht mehr beliebt, aber es gibt wirklich noch viel Interesse." Die Leute schätzten ihre Kunst und wüssten, wie viel Kraft und Leidenschaft in einer Vorstellung steckten.

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