"Zeus Superstar":Göttliches Durcheinander

Ellen Hennen und die Musikschule Penzberg bringen ein Musical auf die Bühne

Von Sabine Näher, Penzberg

Samstagmorgen, kurz vor zehn. In der Penzberger Stadthalle wuseln Kinder durcheinander, zum Teil in fantasievollen Verkleidungen, die Kleineren in Begleitung der Mütter, die rasch noch ein Gewand oder ein paar Mäuseohren zurechtzupfen. Einer schlanken, blonden Frau gelingt es erstaunlich rasch, Ordnung ins Chaos zu bringen. Mithilfe eines Mikrofons verschafft sich Ellen Hennen, Lehrerin an der Musikschule Penzberg, Gehör und weist allen Mitwirkenden einen Platz zu. "Heute wird zum ersten Mal alles zusammengesetzt. Es muss Chaos geben", ruft sie. "Aber gemeinsam sind wir stark!"

Stärke müssen an diesem Vormittag insbesondere ihre Stimmbänder und Nerven beweisen; doch beide hat sie bereits an etlichen Projekten dieser Art gestählt. Und so bleibt sie der Ruhepol inmitten des aufgeregten Treibens. Ehe die eigentliche Probe beginnen kann, müssen die Hauptdarsteller mit Headsets versehen und alle in den richtigen Umgang damit eingewiesen werden. Dann ist ein kurzes Einsingen für den Chor angesagt. Jetzt endlich kann's losgehen! Die Band, bestehend aus E-Gitarristen, Schlagzeuger und Keyboarder, rockt fetzig die Ouvertüre, in die der Kinder- und Jugendchor der Musikschule Voice happen Z, unten vor der Bühne in drangvoller Enge gruppiert, beherzt einsteigt.

"Zeus Superstar": Lehrerin Ellen Hennen singt und tanzt durchaus auch mal alles mit.

Lehrerin Ellen Hennen singt und tanzt durchaus auch mal alles mit.

(Foto: Beate Stoeth-Goerlitz)

Ein szenischer Prolog lässt das Publikum an einer Art Pressekonferenz teilhaben, in der es über die Verfilmung der Geschichte "Zeus Superstar" informiert wird. Die Protagonisten und ihre Rollen werden kurz vorgestellt. Die Darsteller haben ihren Text gut gelernt - und spulen ihn nun in der Aufregung der ersten Gesamtprobe etwas zu rasch ab, weshalb die Textverständlichkeit nur partiell gegeben ist. Dann - magischer Moment in jeder Theateraufführung - öffnet sich der Vorhang und enthüllt ein liebevoll und aufwendig gestaltetes Bühnenbild.

Die "Regieassistentin" ruft die Hauptakteure auf, die sich in ihren hübschen griechischen Gewändern zur ersten Szene drapieren. Wir sind im Olymp. Und dürfen erleben, wie die altehrwürdigen griechischen Götter dort droben quicklebendig, aber alles andere als erhaben und würdevoll agieren. Zank und Streit allenthalben; auch Hera (Emma Lu Seelhof) und Zeus (Vincent Tilly) liefern sich ein eheliches Scharmützel. "Hör' auf damit! Oder ich verlass' dich!" - "Damit drohst du doch schon seit Jahrhunderten!" Hier klappt das Timing schon besser; die Darsteller lassen sich etwas mehr Zeit, man kann dem Dialog folgen. Schließlich verlangt Hera von ihrem Göttergatten, dass er sich etwas einfallen lassen soll, um den "Familienfrieden" auf dem Olymp wiederherzustellen. "Aber erst noch ein kleines Tänzchen, holde Hera", schindet der Zeit und gibt allen Akteuren damit Gelegenheit, sich erneut singend und tanzend zu präsentieren.

"Zeus Superstar": "Gemeinsam sind wir stark": Ellen Hennen, Lehrerin an der Musikschule Penzberg, leitet das Zeus-Projekt mit dem Kinder- und Jugendchor.

"Gemeinsam sind wir stark": Ellen Hennen, Lehrerin an der Musikschule Penzberg, leitet das Zeus-Projekt mit dem Kinder- und Jugendchor.

(Foto: Veranstalter/oh)

Ellen Hennen ist in voller Aktion und mit totalem Körpereinsatz dabei; sie singt, tanzt und gestikuliert alles mit, denn noch haben nicht alle ihren Part verinnerlicht. Nach der Nummer läuft sie rasch zu diesem oder jenem, um Tipps und Erklärungen zu geben. Dann hat Athene (Natalie Voss) ihren Auftritt: "Ich bin die Göttin Athene, Professorin im St. Nerdius College für Götter und Halbgötter, wo ich Politik, Philosophie, Wirtschaft, klassische Sprachen und Korbflechten unterrichte." Ihre Halbschwester Aphrodite (Paulina Felix), die sich mehr fürs Shoppen interessiert, beschimpft sie als "verkopfte Wissenschaftskuh". Da wirbelt Hermes (Marco Plankensteiner) herein, der "Götterbote und Gott der Fashion-Welt, Spezialist für Klatsch und Tratsch sowie Skandale aller Art". Auf Athenes Vorstoß, es müsse endlich wieder mal "Abwechslung in die Bude", kommt Zeus der Gedanke: "Wir reisen mal wieder auf die Erde. Nach Tausenden von Jahren."

Wie diese Reise ausgeht, sei noch nicht verraten. Es ist jedenfalls viel los in diesem Stück, bei der ersten Probe vielleicht sogar ein bisschen zu viel - die Handlungsstränge sind nicht immer ad hoc zu entwirren. Aber bis zur Premiere dürfte sich auf dem Olymp noch einiges tun.

Stadthalle Penzberg, Mittwoch, 18. Juli, 17 Uhr, Donnerstag, 19. Juli, 18 Uhr; Karten zu 8/6 Euro im Vorverkauf in der Penzberger Buchhandlung Rolles

© SZ vom 12.07.2018
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB