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Wünsche für Wolfratshausen:Traum vom Öko-Goldland

Wolfratshauser Grüne malen sich eine Belebung der Altstadt aus

Aus der Altstadt ein Öko-Eldorado zum Einkaufen zu machen, so lautet eine der Vorschläge der Wolfratshauser Grünen zur Wiederbelebung der vielen leer stehenden Geschäfte. Der neue "Unverpackt"-Laden am Markt könnte mit Öko-Modegeschäften und weiterem Einzelhandel aus der Biobranche ergänzt werden, fasste Bürgermeisterkandidatin Annette Heinloth am Freitagabend im Wirtshaus Flößerei die vorangegangene Diskussion zusammen. Wenn sich Wolfratshausen als Ökostadt positionieren könnte, würde das auch Leute aus der Region zum Einkaufen animieren, glaubt auch Stadtratskandidatin Assunta Tammelleo. "Wolfratshausen braucht ein Alleinstellungsmerkmal."

Das war der originellste Vorschlag des Abends mit dem Motto "Grüne Ideen für Wolfratshausen und die Altstadt", zu dem die Grünen eingeladen hatten. Dass die Veranstaltung anfangs nur schwer in Fahrt kam, lag vor allem an den breiten Wirtshaustischen, die die Kommunikation gerade für die älteren Besucher fast unmöglich machten. Inmitten des Geräuschpegels war kaum zu verstehen, worüber das Gegenüber gerade sprach. Das machte es reichlich anstrengend, dem Aufruf zur "Interaktion" zu folgen.

Rund ein Dutzend Stadtratskandidaten verteilten sich auf 18 Besucher, die darauf Antwort geben durften, "wo sie der Schuh drückt", so eines der Themen. Das waren dann auch die immer gleichen Wolfratshauser Kümmernisse, wie die Isarkaufhaus-Ruine oder das verwaiste Rathauscafé. Neue Ideen zu "Bauen und Wohnen", Verkehr und Umwelt", und "Stadtleben" fielen nicht gerade vom Himmel.

Sechzig Minuten später aber war Heinloths Liste dann doch mit etlichen Punkten gefüllt. Richtig in Schwung gekommen war die Unterhaltung nur am "Stadtleben"-Tisch. Wieder einmal lautete der Tenor, "Wolfratshausen hat so viel Potenzial, es muss nur genutzt werden". Ein Vorschlag war, die Altstadt mit von Bürgern organisierten Veranstaltungen wie den so genannten "White Dinners" zu beleben, die sich andernorts großer Popularität erfreuen und an denen weiß gekleidete Gäste ihr mitgebrachtes Essen an langen Tafeln einnehmen. Einig war sich der Tisch, dass mehr Gastronomie der Altstadt ebenfalls gut tun könnte. Ein Biergarten am Marienplatz wurde für gut befunden, mehrmals wurde auch der Wunsch nach einer Gaststätte laut, die alle Generationen anspricht. Die Boutique "max.leben" sei offensichtlich ein "Laden, der zieht", fasste Jenny Layton zusammen, und sollte deshalb um ein benachbartes Café ergänzt werden, so dass Kunden vor oder nach dem Shoppingbummel einkehren könnten.

Das Stadtleben mehr durch die Vereine bespielen zu lassen wurde ebenfalls gut geheißen. Dafür sollten die aber leichter Zugang zu dem mit 15 000 Euro bestückten Fördertopf haben und nicht durch teure Mieten für Räumlichkeiten belastet werden, so die Forderung. Auch das im städtischen Besitz befindliche Klein-Anwesen in der Bahnhofstraße müsste endlich genutzt werden, zum Beispiel als Bürger-Treffpunkt.

Ansonsten dominierten Verkehrsthemen. Da hieß es zum Beispiel, den breiten Gehweg an der Königsdorfer Straße abzusenken, um noch einen Radstreifen integrieren zu können. Der morgendliche Durchfahrtsverkehr stört die Anwohner ier Schießstättstraße. Ob daran die Pendler schuld sind, welche die S-Bahn in Icking ansteuern, will Gabi Hüttl mit einer Befragung herausfinden und einen Zubringerbus anregen. Eine Bushaltestelle in Weidach für die Benutzer der künftigen Surfwelle wurde vorgeschlagen, ebenso wie E-Ladestationen und eine Internet-Plattform mit Mitfahrangeboten von Pendlern mit festen Strecken.

© SZ vom 20.01.2020
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