Wolfratshauser Surfwelle Schub für die Surfer

Ideengeber und Vereinsgründer: Marcus und Stefanie Kastner wollen in Wolfratshausen die erste künstliche Surfwelle realisieren.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der von der Leader-Aktionsgruppe in Aussicht gestellte Zuschuss von 335 000 Euro macht den auf der Kippe stehenden Bau der Wolfratshauser Welle wieder möglich. Initiatoren und Bürgermeister sind optimistisch.

Von Konstantin Kaip

Die am Montagabend von der Leader-Aktionsgruppe des Landkreises in Aussicht gestellten 335 000 Euro Fördermittel für die Wolfratshauser Surfwelle geben den Initiatoren und Befürwortern des Projekts Anlass zu neuem Optimismus. Dass die Lenkungsgruppe für das EU-Förderprogramm zur Entwicklung des ländlichen Raumes dem Antrag nun erneut zugestimmt und den Zuschuss von ursprünglich 172 000 Euro deutlich erhöht hat, sei "definitiv noch mal ein deutliches Zeichen, dass Leader nach wie vor hinter dem Projekt steht", erklärt Wolfratshausens Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW). Auch Stefanie Kastner, Vorsitzende des Betreibervereins "Surfing Wolfratshausen", sieht darin ein "starkes Signal" für das von ihr und ihrem Mann initiierte Pilotprojekt.

Die Zusage ist laut Stadtratsbeschluss eine Bedingung dafür, dass sich die Stadt mit maximal 400 000 Euro an den Baukosten beteiligt. Insgesamt soll die Welle nach derzeitigen Berechnungen knapp 800 000 Euro kosten. Diese Summe, die Heilinglechner bereits kürzlich auf der Bürgerversammlung verkündet hatte, ist das Ergebnis einer Kostenberechnung, die die Stadt für den neuen Leader-Antrag erstellt hat. Auf Empfehlung des Bauamts habe man die Kosten höher angesetzt, da die künstliche Surfwelle am Kanal der Weidachmühle schließlich ein Pilotprojekt sei, für das es keine Vergleichsmöglichkeiten gebe, sagt Heilinglechner. Zudem habe man die Kosten so angesetzt, "dass wir die maximale Leader-Förderung ausschöpfen können".

Das ist nun gelungen. Die Leader-Aktionsgruppe hat die Welle wie bereits im vergangenen Jahr mit 31 von 33 möglichen Punkten bewertet. "An dem Projekt hat sich inhaltlich nichts geändert", sagt der Leader-Koordinator im Landkreis, Andreas Wüstefeld. Die Aktionsgruppe bewerte Projekte ausschließlich in Bezug auf die lokale Entwicklungsstrategie. Die Wolfratshauser Surfwelle habe als Angebot für junge Leute mit überregionalem Nutzen überzeugt; positiv bewertet worden seien auch der innovative Ansatz des Crowdfundings bei den vom Verein akquirierten Spenden, sowie die Vernetzung mit anderen Verbänden. Möglich wurde die deutliche Erhöhung des Förderzuschusses, weil Geretsried seinen Leader-Antrag zur Unterführung der Tattenkofener Straße zurückgezogen hatte.

2013 hatten Stefanie und Marcus Kastner ihre Idee von einer künstlichen Surfwelle in Wolfratshausen erstmals im Stadtrat vorgestellt. Nach einem mehrheitlichen Beschluss zur Umsetzung und einer Förderzusage hatte der Verein ein Betreiberkonzept erstellt und mehr als 60 000 Euro an Spenden eingetrieben. Im Dezember 2018 kam dann der Dämpfer: Eine Kostenberechnung des Ingenieurs Roland Hopfner hatte ergeben, dass der Bau deutlich teurer wird. Das liegt vor allem an der Tieferlegung der steuerbaren Stahlkonstruktion, die nötig ist, weil der Kraftwerksbetreiber den Kanal vertiefen möchte. Der Stadtrat hat daraufhin im Februar den städtischen Zuschuss auf 400 000 Euro gedeckelt. Darin enthalten sind bereits geleistete Zahlungen von rund 100 000 Euro für Planung und Gutachten.

Mit dem Leader-Zuschuss könnten die Baukosten nun getragen werden - wenn sie sich nicht noch einmal erhöhen. Jetzt hat Wolfratshausen genau ein halbes Jahr Zeit, das Projekt auf den Weg zu bringen: Bis zum 17. September müssen die fertigen Verträge mit Kraftwerksbetreiber und Verein, sowie Unterlagen wie die wasserrechtliche Genehmigung beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Rosenheim eingehen, das für die Vergabe der EU-Mittel zuständig ist. Die Zustimmung der Aktionsgruppe im Landkreis, sagt Wüstefeld, sei gewissermaßen bloß ein Gutschein mit Verfallsdatum.

Für Stefanie Kastner ist sie auch eine Bestätigung, dass die Welle "großes Potenzial hat", wie sie betont. Das glaubt auch Heilinglechner. Derzeit arbeite man an den Verträgen, in denen es "noch ein paar Hürden" zu überwinden gebe, sagt er. Der Bau der Welle sei nun aber wieder "definitiv möglich". Sollte das AELF im Herbst grünes Licht geben, könne die Ausschreibung beginnen. "Wenn alles gut geht, kann der Surfbetrieb im Mai 2020 starten."