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Wolfratshauser Politik:Tag der Entscheidungen

Modernes Lernen: Ein Neubau mit Aula soll die städtische Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg erweitern. Visualisierung: karlundp Architekten

Der Stadtrat soll am Mittwoch gleich mehrere wegweisende Beschlüsse zur Schulentwicklung fassen

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

Der Wolfratshauser Stadtrat hat eine komplexe Sitzung vor sich: Gleich vier Tagesordnungspunkte der Vollversammlung am Mittwoch, 18. November, in der Loisachhalle betreffen die Schulentwicklung. Das Gremium soll beschließen, wie es weitergeht mit der geplanten Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg. Zuvor soll entschieden werden, ob die sanierungsbedürftige Weidacher Grundschule eine Zukunft hat oder ob die vier Klassen dort in die neue Großschule in der Innenstadt integriert werden.

Diese Gretchenfrage hatte Altbürgermeister Erich Brockard aufs Tableau gebracht. Sein Einwand, eine Integration der Weidacher Klassen am Hammerschmiedweg verstoße gegen den Eingemeindungsvertrag mit Weidach von 1975, der einen Erhalt der Schule samt Lehrschwimmbad im Ortsteil vorschreibe, hat sich inzwischen als haltlos erwiesen. Wie Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) erklärt, hat das Landratsamt mittlerweile schriftlich bestätigt, dass eine Integration der Klassen in der neuen Schule rechtens wäre. Allerdings müsse das Schulgebäude in Weidach laut Vertrag einer kommunalen Nutzung zugeführt werden.

Man müsse verschiedene Aspekte abwägen, sagt dazu der Schulentwicklungsreferent im Stadtrat, Fritz Meixner (SPD). Da wäre zunächst der wirtschaftliche: Eine Sanierung in Weidach würde laut Schätzung der Stadt etwa vier Millionen Euro kosten, die zusätzlichen Klassenräume am Hammerschmiedweg zu streichen würde laut Architekten aber nur etwa 500 000 Euro einsparen. Meixner weist auch darauf hin, dass bei einer Ertüchtigung des Weidacher Schulhauses keine zusätzlichen Flächen geschaffen würden. "Eine moderne Unterrichtsgestaltung mit Lerngruppen wird man dort wohl nicht umsetzen können." Dann gebe es noch den "gesamtpolitischen Aspekt", der auf die Bedeutung für den Ortsteil abziele, und den der Nutzer - Kinder und Eltern, die vom kurzen Schulweg profitierten. Organisatorisch betrachtet hätte wiederum die Integration der vier Weidacher Klassen, die ja zur Wolfratshauser Grundschule gehören und bislang als "Satellit" betrieben werden, Vorteile.

Der Stadtrat soll dann auch noch die "Variante 2" bestätigen, die Grundlage der bisherigen Planungen, die einen gemeinsamen zentralen Mittelschulstandort am Hammerschmiedweg vorsieht, um in Waldram Räume für eine Ganztagsgrundschule frei zu machen. "Die Fusionierung der Mittelschulen bedingt das Entwicklungspotenzial in Waldram mit Blick auf den Ganztag", sagt Meixner. Laut Heilinglechner wurde diese Variante formal bislang nur für die Machbarkeitsstudie beschlossen.

All das sind aber nur Grundlagen für die eigentliche Frage: wie das Großprojekt am Hammerschmiedweg vorangetrieben werden soll. Geplant wird es bisher im Auftrag der Stadt vom Architekturbüro karlundp. Das hat eine Planung vorgelegt, in die zahlreiche vom Stadtrat gewünschte Module wie Lehrschwimmbecken, neue Aula und Tiefgarage aufgenommen wurden. Als die Kosten dafür im Januar auf insgesamt 60 Millionen Euro geschätzt wurden, wurde allen klar, dass gespart werden muss. Die Entscheidung, welche Module gestrichen werden, steht jedoch noch aus. Am Mittwoch ist sie als Tagesordnungspunkt 6 vorgesehen. Ob dieser zu Beschluss kommt, hängt jedoch vom Punkt 5 ab.

Dabei geht es um den alternativen Schulbau-Entwurf, den der CSU-Stadtrat Alfred Fraas angesichts der Kostenexplosion eigenmächtig erstellt hat. Seine Schätzung kommt dafür samt Schwimmbecken, Garage und Turnhalle auf weniger als 30 Millionen Euro. Heilinglechner und Meixner betonen jedoch, dass das Konzept, anders als das der Architekten, nicht mit den Nutzern abgesprochen sei, eine dreizügige Mittelschule nicht zulasse und viel weniger Planungstiefe aufweise. CSU und Wolfratshauser Liste haben dennoch den Antrag gestellt, es zu prüfen. Sollte die Mehrheit zustimmen, würde die Entscheidung zum größten Bauprojekt der Stadt vertagt. "Wir würden eine zusätzliche Schleife drehen", sagt Meixner. Heilinglechner wünscht sich bei der Sitzung "eine Entscheidung, mit der wir konstruktiv vorankommen". Denn die Schulentwicklung sei Pflichtaufgabe der Stadt. "Wir können nicht irgendwann sagen: Wir haben zu wenig Grundschulklassen, weil wir uns nicht entscheiden konnten."

© SZ vom 17.11.2020
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