Wolfratshauser Politik:Ausstellung zum Anfassen

Neues Museum Wolfratshausen Heimatmuseum

Mehr als nur schauen: Das neue Museum Wolfratshausen im Untermarkt 10 soll auch taktile Exponate zum Erfühlen bekommen. Grafik: Thöner von Wolffersdorff/oh

Das neue Museum Wolfratshausen soll mit taktilen Stationen und Exponaten auch für Blinde erlebbar werden

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

Das ehemalige Wolfratshauser Heimatmuseum im Untermarkt 10 wird im Zuge der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes modernisiert und umgestaltet. Das Konzept für das neue "Museum Wolfratshausen" hat der beauftragte Gestalter Tobias von Wolffersdorff bereits im Juni erstmals vorgestellt. Durch das Museum sollen demnach zwei Achsen führen: Ein Zeitstrahl, der die 1000-jährige Geschichte Wolfratshausens erzählt, und die Loisach, um die sich in offen gestalteten Räumen die Lebenswelten der Stadt - Vereine, Gewerbe, Flößerei, Religion und Sommer-/Winterfrische - gruppieren, die mit ausgesuchten Exponaten, Texten, Bildern und interaktiven Stationen erlebbar werden. Damit das möglichst allen Menschen möglich ist, sollen dort auch zahlreiche taktile Stationen entstehen, die es Menschen mit Behinderung erlauben, die Stadtgeschichten tastend zu erfahren. Das haben die Stadträte im Kulturausschuss am Donnerstag einstimmig beschlossen.

Im Zuge der Ausführungsplanung und Ausschreibung, mit der das Gremium das Büro Thöner von Wollfersdorff in seinem Beschluss beauftragte, sollen nun zusätzliche Inklusionsmaßnahmen entstehen, die das Büro für Museumsgestaltung bei der weiteren Ausführung des Konzepts erarbeitet hat. Dazu gehören eine taktile Reliefgrafik im Anfangsraum der Ausstellung, eine Aktivstation, an der die Besucher die Befestigung eines Ruders für ein Floß flechten können und ein taktiler Orientierungsplan für die Dauerausstellung. Wie Museumsleiterin Annkatrin Schulz erklärte, soll auch ein Gemälde des Künstlers Hermann Neuhaus für Sehbehinderte erlebbar werden. Dem zentralen Ausstellungsstück werde ein reliefartiges Modell zur Seite gestellt, auf dem die Besucher die Komposition des Bildes nachfühlen können. Die Werke von Neuhaus, der von 1902 bis 1941 in Wolfratshausen lebte und dort unter anderem die evangelische Kirche gestaltete, eigneten sich besonders für diese Spielart der Erfahrung, erklärte Schulz, da in den meist naturalistischen Werken des Künstlers oft Bild und Rahmen miteinander verschmelzen.

Die Stadträte sprachen sich schließlich einstimmig dafür aus, die zusätzlichen Inklusionselemente in die Ausführungsplanung und Ausschreibung mit aufzunehmen. Der Inklusionsanteil sei bei der Umgestaltung des Museums besonders wichtig, so die einhellige Meinung im Gremium. Die Stadt sei gemäß der UN-Behindertenkonvention nicht dazu verpflichtet, die Räume barrierefrei zu gestalten. Auch die Ausstellung mit ihren Exponaten solle für Menschen mit Behinderung erfahrbar sein. Die taktilen Ergänzungen kämen darüberhinaus nicht nur sehbehinderten Besuchern und Menschen mit kognitiven Einschränkungen zugute, sondern seien als zusätzliche Sinneserfahrung auch für andere Besucher ein Gewinn. "Nicht nur Kinder begreifen mehr, wenn sie es anfassen", so Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne), die die Sitzung leitete. Die Mehrkosten von rund 18 700 Euro für die zusätzlichen Inklusionskosten hielt das Gremium einhellig für verkraftbar. Insgesamt liegen die Kosten der weiteren Planungsabschnitte, die Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) laut Beschluss nun beauftragen kann, bei circa 87 700 Euro.

Das Museum Wolfratshausen soll im Herbst 2022 eröffnen. Die Gesamtkosten dafür sollen sich auf etwa eine Million Euro belaufen.

© SZ vom 18.09.2021
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