Wolfratshauser KulturpolitikStadt kauft "Sporty Dancer"

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Der "Sporty Dancer" vor der Loisachhalle.
Der "Sporty Dancer" vor der Loisachhalle. Hartmut Pöstges

Die Skulptur steht bereits seit 2011 vor der Loisachhalle in Wolfratshausen. Nun will die Stadt das vier Meter hohe Kunstwerk erwerben

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

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Die vier Meter hohe Edelstahlskulptur "Sporty Dancer" des Bichler Künstlers Philip Hönicke ist eine imposante Figur. Dass sie viele Wolfratshauser dennoch kaum mehr wahrnehmen, liegt daran, dass sie schon seit 2011 vor der Loisachhalle steht und praktisch so vertraut ist wie ein großer Schrank im Wohnzimmer. Bisher allerdings steht sie dort nur als Leihgabe des Erschaffers. Das soll sich nun ändern. Denn die Stadt will die Plastik für 20 000 Euro kaufen. Mit großer Mehrheit hat der Kulturausschuss am Donnerstag einem entsprechenden Antrag des Vereins "Lebendige Altstadt Wolfratshausen" zugestimmt.

Damit erfüllt sich ein lange gehegter Wunsch des Künstlers. Denn Hönicke hatte die Skulptur einst aus eigener Initiative in Absprache mit dem damaligen Pächter der Loisachhalle Philipp Paradiso aufstellen lassen und sich auch lange um Wartung und Versicherung gekümmert. Nun gab es ein letztes Angebot zum Kauf. Wäre dieser nicht zustande gekommen, hätte Hönicke den "Sporty Dancer" nur noch bis Ende des Jahres zur Verfügung gestellt.

"Das Kunstwerk steht schon seit zehn Jahren in Wolfratshausen", sagte der Kulturreferent im Stadtrat, Alfred Fraas (CSU). "Ich sähe es ungern in einer Nachbarstadt." Der geforderte Preis von 20 000 Euro sei angesichts von Material, Größe und Ausführung "nicht sehr hoch". Auch Grüne und SPD plädierten für den Kauf, genau wie der einstige Bürgermeister und jetzige Wirtschaftsreferent Helmut Forster (Wolfratshauser Liste). "Wir sollten die Skulptur erwerben", sagte er. "Sie gehört zwischenzeitlich zu Wolfratshausen."

Anderer Meinung war sein Nachfolger als Rathauschef, Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung). Er könne dem Kauf nicht zustimmen, sagte der Bürgermeister: nicht nur wegen der coronabedingt schwierigen Haushaltslage, sondern auch aus Sicherheitsgründen. Wolfratshausen habe schließlich eine "leidvolle Erfahrung" mit einem Kunstwerk gemacht, sagte er. Heilinglechner bezog sich damit auf einen traumatischen Fall von 2011, als eine 300 Kilo schwere Steinskulptur vor der Loisachhalle auf einen dreijährigen Buben stürzte und dessen Bein zertrümmerte. Zwei Jahre später hatte das Landgericht München II die Stadt dazu verurteilt, die Kosten für Behandlung und Hubschraubertransport in Höhe von 20 000 Euro zu erstatten und für Folgekosten zu haften, weil sie fahrlässig ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt habe. Die Marmorskulptur war der Stadt von der Künstlerin geschenkt worden. "Ich bin kein Kunstverächter", sagte Heilinglechner. Für den Ankauf könne er sich jedoch "nicht erweichen". Außer ihm stimmte aber nur sein Fraktionskollege Maximilian Schwarz dagegen. Die anderen acht Stadträte waren dafür.

Mit dem Kauf übernimmt die Stadt auch die Versicherung. Die jährliche Prüfung auf Standfestigkeit wird laut Heilinglechner bereits im Auftrag der Kommune durchgeführt. In den Beschluss wurde noch aufgenommen, dass der Künstler vor Verkauf alle Mängel beseitigen und die Standfestigkeit gewährleisten muss. Zudem soll Heilinglechner mit der Loisachauen GmbH, dem Erbpachtnehmer des Geländes, den Verbleib am Standort klären.

Dort hat der "Sporty Dancer" in der vergangenen Dekade keinen Schaden angerichtet, aber immer wieder selbst Schaden genommen. Seine abnehmbaren Gliedmaßen, mit denen man laut Künstler die Figur in 136 verschiedene Positionen bringen kann, haben auch unbekannte Frevler gerne genutzt: Das Spielbein der Skulptur landete schon hinter der Loisachhalle, im Gebüsch und in der Isar, wo es erst nach einer Vermisstenanzeige Hönickes von einem Flößer entdeckt und zurückgebracht wurde - ohne erkennbaren Schaden, was für die Qualität des Kunstwerks spricht.

© SZ vom 12.12.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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