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Wolfratshauser Innenstadtentwicklung:Oh, du Hässliche

Montage Isar-Kaufhaus

Illusion statt "Schandfleck": Eine mit der alten Fassade bedruckte Plane (oben) könnte die Ruine des einstigen Kaufhauses in Wolfratshausen verdecken, die die Adventsstimmung trübt .

(Foto: SZ-Montage: Michael Mainka)

Zum Advent wird die Wolfratshauser Altstadt wieder festlich geschmückt. Die Ruine des ehemaligen Isar-Kaufhauses aber trübt die festliche Stimmung. Nun soll immerhin der Bauzaun davor abgedeckt werden

Es weihnachtet in Wolfratshausen: Die großen Christbäume stehen auf dem Marienplatz und auch am Schwankleck bereit, beleuchtbare grüne Girlanden spannen sich über Ober- und Untermarkt, die Wolfratshauser Feuerwehr hat zudem 95 kleine Bäumchen mit Leuchtkerzen an den Häuserfassaden angebracht. Rechtzeitig zur Eröffnung des Christkindlmarkts am Freitag ist alles bereit für wochenlange festliche Adventsstimmung in der schmucken Altstadt. Allerdings nicht überall. Denn inmitten des vorweihnachtlichen Idylls klafft nach wie vor eine unansehnliche Lücke. Die Ruine des halb abgerissenen Isar-Kaufhauses trübt weiterhin das ansonsten so gefällige Gesamtbild.

Die Ruine des einstigen Kaufhauses.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Zur Erinnerung: Der Abriss für einen Neubau mit Wohnungen und einem Laden im Erdgeschoss wurde im Sommer per Gerichtsbeschluss eingefroren, in einem Verfahren, das drei Anlieger gegen die Baugenehmigung angestrengt hatten. Zwar dürften die Investoren ihn inzwischen rein formal vollenden, sie konnten sich aber noch nicht mit dem Eigentümer des Nebenhauses über Stützmaßnahmen einigen. Also müssen die Wolfratshauser mitten im Herzen ihrer Altstadt mit einem Anblick leben, der an ein Kriegsgebiet erinnert und nicht nur für sie schwer zu ertragen ist.

Alex Müller hatte im Sommer Gäste aus Australien zu Besuch, die nun im angehenden Winter wieder bei ihm in der Loisachstadt waren. "Die Leute standen zum Wochenende kopfschüttelnd vor der Bauruine und konnten den unveränderten Zustand nicht verstehen", berichtet er. Nachdenklich gemacht habe ihn auch ein Gespräch mit einem Fremden in Gänsingen bei Bingen, in dessen Verlauf er von seinem Wohnsitz gesprochen habe. "Ach, Sie wohnen in Wolfratshausen. Das ist aber keine schöne Stadt", soll der Mann gesagt haben, der sich dann als Durchreisetourist im Sommer vorgestellt habe.

Von diesen Erlebnissen berichtet Müller in einem Schreiben an die Stadt - um seinen Vorschlag untermauern: einen Sichtschutz vor der Baustelle zu installieren, um die Abrissruine zu verhüllen, "damit das Stadtbild wenigstens vorübergehend erträglicher wird".

Zur Inspiration fügt er seiner E-Mail zwei Bilder aus München bei, eins zeigt die meterhohe Bildwand an der Baustelle am Marienhof hinter dem Rathaus, ein anderes den von einer Plane verdeckten Altbau. In der Landeshauptstadt sind ansehnliche Verhüllungen von Baustellen durchaus üblich. Als etwa die Residenzpost entkernt wurde, zeigte das Baugerüst fotorealistisch und maßstabsgetreu die verdeckte Arkadenfassade. Derselbe Trick machte die Sanierung des Ruffinihauses am Rindermarkt in der Altstadt unauffällig für Passanten. Müller ist nicht der erste, der diesen Vorschlag macht. Auch im Wolfratshauser Stadtrat wurde nachdrücklich ein ansprechender Sichtschutz vor der Ruine gefordert. Zuletzt von Renate Tilke (CSU), die in der Novembersitzung auf die nahende Adventszeit hinwies und darum bat, man möge sich zügig um eine Verschönerung bemühen. Vorstellbar wäre vieles: Man könnte etwa ein gut verankertes Gerüst vor der Ruine errichten, auf das eine Plane im Umriss der einstigen Fassade mit Giebel gespannt wird, auf der dann entweder ein Bild des Isar-Kaufhauses, wie man es noch kennt, oder eine historische Aufnahme des einstigen Kornspeichers mit Knabenschule gedruckt wird. Auch touristische Ansichten oder Flößerbilder wären denkbar. Und vermutlich wäre den meisten Bürgern auch eine simple weiße Plane lieber, solange sie nur den "Schandfleck" dahinter zuverlässig verschwinden lässt.

"In der finalen Abstimmung"

Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen) hat das Anliegen bereits aufgenommen, wie er sagt - und Stadtmanager Stefan Werner damit beauftragt, mit den Investoren Gespräche zu führen. Auf Anfrage teilt Werner mit, dass man "in der finalen Abstimmung" für eine kurzfristige Lösung sei. Von einer aufwendigen großflächigen Verhüllung wird die jedoch weit entfernt sein. Denn es soll lediglich der bestehende Bauzaun vor der Ruine mit Bannern verhängt werden.

Umbau der Münchner Residenzpost, 2010

Schon bei der Entkernung der Residenzpost in München wendete man den Trick an und versteckte die Baustelle.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Wir können die Ruine nicht verhüllen", erklärt Frank Maiberger, Projektleiter für das Bauvorhaben bei der Untermarkt 7-11 GmbH der Grünwalder Scherbaum-Gruppe. Schließlich sei das einstige Kaufhaus mittlerweile ein "relativ stark zerklüftetes Bauwerk", an dem man eine Plane nicht ordnungsgemäß absichern könne. Auch ein höherer Zaun mit Plane ist nach Maibergers Aussage zu riskant. Schließlich müsse der einem Sturm standhalten. Man habe sich daher im Gespräch mit der Stadt dazu entschieden, den bestehenden Bauzaun aus Eisendraht mit Bannern zu bedecken.

"Das ist die am schnellsten umsetzbare Lösung", sagt auch Werner. Längerfristige und aufwendigere Abdeckungen kämen erst in Frage, wenn die Baustelle dahinter permanent sei - nach dem Abriss also, wenn die Baugrube für den Neubau ausgehoben ist. Dafür wäre dann laut Werner auch eine Städtebauförderung möglich, wenn den Bauherr 50 Prozent der Kosten übernehme.

Wann das passieren könnte, weiß derzeit aber keiner. "Für uns wäre der Weg sehr einfach", sagt Maiberger. Alle drei Nachbarn hätten inzwischen Vorschläge des Investors auf dem Tisch, auch der Hauptkläger, der aber seit drei Wochen noch nicht dazu geäußert habe.

Die Ruine des einstigen Kaufhauses.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Offen ist auch, ob die kleine Lösung rechtzeitig vor dem Advent realisiert werden kann, also ob der Bauzaun zur Eröffnung des Christkindlmarkts abgedeckt wird. Verdecken würde der mannshohe Sichtschutz dann allerdings ohnehin nicht einmal das Erdgeschoss des Abrisshauses mit seinen einstigen Schaufenstern. Darüber werden die offenen Gebäudereste auch nach Weihnachten noch gut sichtbar wie ein Mahnmal herausragen.

Die Wolfratshauser, die wie Müller und Tilke der Anblick des ehemaligen Isar-Kaufhauses quält, können da nur auf einen strengen Winter hoffen, der die Ruine im Herzen der Stadt möglichst lange unter Schneemassen begräbt.