Die Wolfratshauser Altstadt bekommt bald eine weitere Großbaustelle. Wie Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) kürzlich im Stadtrat bekannt gab, soll mit der Generalsanierung der städtischen Immobile mit der Adresse Untermarkt 10 Anfang kommenden Jahres begonnen werden. Bis Sommer 2021 soll die Instandsetzung nach derzeitigem Planungsstand fertiggestellt werden. In dem Bau sollen dann ein Tourismusbüro mit Laden im Erdgeschoss und das Heimatmuseum mit neuem Konzept im Obergeschoss unterkommen, außerdem ein Multifunktionsraum im Seitenflügel. Mit der Sanierung ist bekanntlich die städtische Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (Stäwo) beauftragt worden. Ausgeführt wird sie von der Tochtergesellschaft "Stäwo-Dienstleistungs-GmbH", die zu diesem Zweck eigens gegründet wurde, mit einstimmiger Zustimmung des Stadtrats.
Wie Heilinglechner in seinem Sachstandsbericht erklärte, hatte sich der Aufsichtsrat der Stäwo Ende Mai für eine Planungsvariante entschieden, die auch das Denkmalamt freigegeben hat. Der Bauantrag soll in der Bauausschusssitzung im September behandelt werden. Die Planung sieht unter anderem einen gläsernen Aufzugsturm an der Außenseite des Nebengebäudes im Südosten vor. Während die Eingabeplanung vorbereitet wird, soll laut Heilinglechner parallel eine "vertiefte Schadstoffuntersuchung" erfolgen und mit verschiedenen Fachplanern ein Gesamtkonzept für den Bau erstellt werden. Weil in den im Erdgeschoss verbauten Teerbahnen mutmaßlich krebserregende, so genannte polyzyklische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten sind, ist die Sanierung aufwendig und teuer. Sie soll etwa zwei Millionen Euro kosten.
Wie Heilinglechner sagte, sollen die Schadstoffsanierung und der Rückbau der alten Heizung voraussichtlich bereits im November oder Dezember dieses Jahres beginnen. "Hierfür muss das Heimatmuseum ganz oder mindestens teilweise aus- beziehungsweise umgelagert werden." Eine Aussage, die Stadträtin Roswitha Beyer (SPD) mit der Frage quittierte, wie weit man bereits mit dem neuen Konzept sei, das für das Museum erstellt werden soll. Das müsse schließlich stehen, bevor mit der Sanierung begonnen werde, da sich daraus die räumliche Gestaltung ergebe. Der für das Museum zuständige Hauptamtsleiter Martin Melf entgegnete, dass die Stadt gerade ein Grobkonzept für das Museum in Auftrag gebe. Erstellt werde das von einem Fachbüro für Innenarchitektur von Museen, sagt Melf auf Anfrage. Parallel werde derzeit die Inventarisierung des gesamten Fundus durchgeführt. Das Heimatmuseum verfüge nicht nur über die bekannten Ausstellungsstücke, sondern auch über zahlreiche Nachlässe von Wolfratshauser Bürgern. Laut Melf werden derzeit nicht nur alle Museumsgegenstände erfasst, sondern auch von Fachleuten richtig auf ihren Wert hin untersucht.
Laut Melf können die Museumsräume im Obergeschoss wie von der Stäwo gewünscht bis November geräumt werden. Voraussichtlich im September werde das Wolfratshauser Heimatmuseum schließen. Wertvolle Gegenstände sollen dann im Stadtarchiv sicher gelagert werden, für die anderen Ausstellungsstücke suche man derzeit nach verschiedenen Räumlichkeiten. Wie Melf erklärt, werden sowohl das Grobkonzept als auch die Inventarisierung von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern mit je einem Drittel gefördert. Die Anträge seien bereits eingereicht. Später soll noch ein Feinkonzept in Auftrag gegeben werden, das nach modernen museumspädagogischen Maßstäben erstellt werden soll. Angedacht sind unter anderem Hörinseln und Mitmachstationen für die jüngeren Besucher.