Wolfratshauser Attraktion Nicht jedem lieb, aber teuer

Das Wolfratshauser Kastenmühlwehr

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Wolfratshauser Stadtrat will die Floßrutsche am Kastenmühlwehr ertüchtigen - obwohl die Flößer sie gar nicht wollen.

Von Konstantin Kaip

Bemisst man den Preis eines Bauwerks nach seinem Nutzen, dann gehört die Floßrutsche am Kastenmühlwehr in Wolfratshausen wohl zu den teuersten Projekten, die sich die Stadt je geleistet hat: Eine halbe Million D-Mark hat die Rampe gekostet, die Bürgermeister Erich Brockhard (SPD) im Zuge der Wehrsanierung errichten ließ und die sein Nachfolger Peter Finsterwalder (CSU) 1994 in Betrieb nahm. Allerdings nicht für lange. Es gab eine Einweihungsfahrt mit Vertretern der Stadt und des Wasserwirtschaftsamts, wenig später kutschierte Flößer Josef Seitner den Wolfratshauser Ehrenbürger und damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber über die Rutsche, der dabei gehörig nass geworden sein soll. Höchstens noch zwei weitere Fahrten soll es danach laut Seitner auf der Rutsche gegeben haben. Den Flößern war sie zu steil und zu gefährlich, sie weigerten sich, die teure Rutsche zu benutzen und legten lieber wie gehabt in Weidach ab. Seit mehr als 20 Jahren gleitet nur noch Wasser über die teure Rampe, Kiesablagerungen und die zwischenzeitlich demontierten Federn haben die Rutsche längst unbenutzbar gemacht.

Der Wolfratshauser Stadtrat will das ändern und das einstige Prestige-Bauwerk wieder ertüchtigen. Die Idee dazu hatte der CSU-Stadtrat und Kulturreferent Alfred Fraas, der mit seiner Vision, Floßfahrten in die Stadtmitte zu bringen, um "die Flößerstadt erlebbar zu machen", die Mehrheit im Gremium überzeugen konnte. Einziges Problem: Die Loisach-Flößer Josef und Franz Seitner wollen die Rutsche nicht. Das haben sie bereits im vergangenen Sommer klar und deutlich zum Ausdruck gebracht. "Wir brauchen die Rutsche überhaupt nicht", hat Josef Seitner erklärt. "Sie bringt uns nichts." Beide Betriebe seien an der Floßlände flussabwärts in Weidach komplett ausgelastet, Stadtfahrten seien zudem "wirtschaftlich nicht tragbar". Dem Stadtrat aber war das egal: Mit 16 zu acht Stimmen haben die Politiker im Juli 2018 entschieden, eine Ertüchtigung der Floßrutsche prüfen zu lassen. Man werde schon jemanden finden, der die Floßfahrten im Stadtbereich übernimmt, so der Tenor der Politiker, die gleichzeitig betonten, den Seitners weder ihr Floßrecht streitig machen noch mit ihnen in Konkurrenz treten zu wollen. Mit dem Beschluss wollen sie eine letzte Chance nutzen. Schließlich will der Betreiber der Weidachmühle am Kastenmühlwehr ein Restwasserkraftwerk errichten, für das die Floßrutsche endgültig weichen müsste.

Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) ist dem Beschluss inzwischen nachgekommen. Wie er kürzlich im Stadtrat sagte, wurde nun eine Machbarkeitsstudie zur Wiederinbetriebnahme der Floßrutsche am Kastenmühlwehr in Auftrag gegeben. Sobald alle Untersuchungen abgeschlossen seien, werde das Planungsbüro sie dem Stadtrat vorstellen. Der Preis für die Machbarkeitsstudie beträgt laut Bürgermeister 22 075 Euro.

Man darf gespannt sein, was die Planer herausfinden. Fraas, der sich nach eigenen Angaben schon schlau gemacht hat, geht bislang davon aus, dass man die Floßrutsche "relativ preisgünstig umbauen" kann. Den Winkel könne man einfach verändern, die Kiesablagerungen auch mit einem Feuerwehrschlauch wegspülen, erklärte er, als er im vergangenen Sommer seine Idee präsentierte.

Kosten sind bei den Überlegungen ohnehin relativ. Es ist alles eine Frage der Kalkulation: Wenn man den Preis eines Bauwerks nach seinem Nutzen bemisst, könnte die Floßrutsche am Ende für die Stadt deutlich billiger werden, selbst wenn ihre Ertüchtigung noch einmal mit den ursprünglichen Baukosten, also rund 250 000 Euro, zu Buche schlägt. Bei insgesamt viermaliger Nutzung hat eine Rutschpartie auf dem Floß dort bislang 133 333 D-Mark gekostet. Schon bei zwei Stadtfloßfahrten im Jahr könnte sich der Umbau so betrachtet schon nach drei Jahren lohnen. Und bereits im zehnten Jahr hätte der auf die Gesamtkosten umgelegte Preis einer Einzelfahrt (zirka 21 000 Euro) die Kosten der Machbarkeitsstudie unterschritten.