Wolfratshausener HaushaltRan an den Speck

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Nicht nur bei Winterwetter ein echter Gewinn: Die neuen Radlständer am Wolfratshausener S-Bahnhof.
Nicht nur bei Winterwetter ein echter Gewinn: Die neuen Radlständer am Wolfratshausener S-Bahnhof. (Foto: Hartmut Pöstges)

Um die wichtigsten Vorhaben wie die Sanierung der Grund- und Mittelschule sowie die neuen Radlständer am Bahnhof bezahlen zu können, muss die Stadt an ihre Rücklagen. Doch auch die reichen dafür nicht ganz aus.

Von Arnold Zimprich, Wolfratshausen

Gute Nachrichten für Eltern, Schulkinder und alle Wolfratshausener Pendler, die mit dem Radl zum S-Bahnhof fahren: Sie werden die Stadt nicht in die Pleite treiben. Die Verwaltung will im kommenden Jahr 14 Millionen Euro für Baumaßnahmen ausgeben, davon sind allein 9,3 Millionen Euro für die Generalsanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule vorgesehen. Und auch wenn die Bike & Ride-Anlage am Bahnhof um 90 000 Euro teurer geworden ist, kann sie bezahlt werden. Die Mehrkosten sollen größtenteils mit bereits bewilligten Fördermitteln und aus nicht verwendeten Geldern aus der Kanalsanierung gedeckt werden. Der Haushaltsplan dafür wurde in dieser Woche dem Stadtrat vorgelegt.

Die Kosten für die Generalsanierung der Grund- und Mittelschule am Hammerschiedweg gehört zu den größten Ausgaben der Stadt.
Die Kosten für die Generalsanierung der Grund- und Mittelschule am Hammerschiedweg gehört zu den größten Ausgaben der Stadt. (Foto: Hartmut Pöstges)

Was inzwischen für ziemlich jede Baumaßnahme gilt, trifft allerdings auch die Arbeiten an der Schule: Alles wird teurer als geplant. Doch auch hier präsentierte die Stadtverwaltung eine Lösung: Zur Deckung könnten die nicht mehr benötigten Mittel für die Surfwelle und für die Sanierung des Feuerwehrstandorts Wolfratshausen dienen. Dennoch kommt Wolfratshausen wohl nicht drumherum, ins Sparschwein zu greifen. Um diese und weitere Projekte finanzieren zu können, müssen die Rücklagen angegriffen und acht Millionen Euro entnommen werden. Hinzu kommen neue Kredite in Höhe von sechs Millionen Euro, wie Kämmerer Peter Schöfmann in der Haushaltssitzung erläuterte.

Besonders die gestiegenen Personalkosten setzten der Stadt zu

Der Kämmerer gab auch einen Überblick über die Stadtfinanzen. Demnach geht es mit der Einkommenssteuer deutlich nach oben. Allerdings wird dieses Plus schnell wieder durch andere Kostensteigerungen angeknabbert. Die Kreisumlage sei deutlich gestiegen. Auf der anderen Seite erhalte Wolfratshausen Schlüsselzuweisungen in ungefähr doppelter Höhe.

Auf der Ausgabenseite setzen der Stadt besonders die Personalkosten zu. Grund dafür seien die Inflation und Tarifnachverhandlungen. Zwar werde Geld aus dem Vermögenshaushalt in den Verwaltungshaushalt überführt, dennoch brauche die Stadt die neuen Kredite. "Unsere Schulden sind seit 2010 auf 20 Millionen Euro gesunken", rechnete der Kämmerer vor, "nun wird der Betrag auf 35 Millionen Euro steigen." Auf Wolfratshausens hoher Kante bleibt wohl nur ein kläglicher Rest.

So wundert es nicht, dass einige Runden der Vorberatung nötig waren, wie Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) einräumte. Die entscheidende Frage sei wegen der angespannten Lage bei allem gewesen: Was wird aufrecht erhalten? "Wir müssen uns die Frage stellen, welche Baumaßnahmen verschoben oder aufgeteilt werden können, um Kreditaufnahmen zu umgehen", sagte Heilinglechner. "Alternative wäre ein Nachtragshaushalt."

Doch es gab auch Kritik außerhalb der Finanzen. Richard Kugler (Liste WOR) etwa wunderte sich, dass auf dem Dach der Radabstellanlage keine PV-Anlage vorgesehen ist: "Das würde sich doch ideal eignen", sagte er. Laut Bürgermeister sei dazu allerdings ein aufwendiger Abstimmungsprozess mit der Bahn notwendig. Nachfragen will der Rathauschef allerdings.

Für eine längere Diskussion sorgte am Schluss der Sitzung eine Änderung des Umsatzsteuerrechts. "Wir sind umsatzsteuerpflichtig bei Anlagen gewerblicher Art - ab dem ersten Euro", sagte der Kämmerer. Mehr städtische Institutionen als bisher fielen nach der Umstellung unter die Neuregelung, darunter Turnhallen und die Tourist-Information. Auch wenn es noch einige Vorbereitung zur Umsetzung bedarf, will die Stadt am 1. Januar die neuen Regeln berücksichtigen. "Ich möchte es nicht auf die lange Bank schieben", sagte Heilinglechner.

Doch die letzte Sitzung vor der Weihnachtspause wäre nicht die letzte Sitzung vor der Weihnachtspause, wenn es für die Stadträte nicht auch eine kleine Überraschung gäbe. Mitten in den politischen Debatten tauchte plötzlich der Wolfratshausener Kinderchor unter Leiter Yoshihisa Kinoshita auf und intonierte auf der Empore des Sitzungssaals zunächst mit "Im Walde" ein romantisches Lied Robert Schumanns, danach mit "Java Jive" einen Song, der vielen Anwesenden ein Schmunzeln ins Gesicht zauberte. "Es gab hier noch nie so viel Harmonie", scherzte Fritz Schnaller (SPD). Etwas ernster schloss der Bürgermeister das politische Jahr. "Man hat das Gefühl, man ist nur noch der Krisenbewältiger", sagte Heilinglechner. "Ich bin mir aber sicher, dass wir weiterhin Beschlüsse fassen werden."

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