Treffpunkt und Hilfsangebot:Wolfratshausen will Familienstützpunkt

Lesezeit: 3 min

Treffpunkt und Hilfsangebot: Am Schäftlarner Familienzentrum gibt es bereits einen Familienstützpunkt. Vier davon sollen nun auch im Landkreis entstehen.

Am Schäftlarner Familienzentrum gibt es bereits einen Familienstützpunkt. Vier davon sollen nun auch im Landkreis entstehen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

In der Loisachstadt soll die Koordinierungsstelle für den "Sozialraum Nord" entstehen. Der Stadtrat erklärt sich bereit, die Hälfte der Kosten zu tragen.

Von Konstantin Kaip

Nach Geretsried hat nun auch Wolfratshausen den Weg für einen Familienstützpunkt frei gemacht. Am Dienstag hat der Stadtrat einstimmig sein "ernsthaftes Interesse" an einer solchen Koordinierungs- und Beratungsstelle bekundet. Die Einrichtung für den "Sozialraum Nord" soll bei einem bestehenden Träger unterkommen und zunächst von einer pädagogischen Fachkraft auf Zehn-Stunden-Basis betreut werden. Die Kosten werden je zur Hälfte von der Stadt und vom Landkreis getragen.

An den Familienstützpunkten, die in anderen Landkreisen bereits wertvolle Arbeit leisten, arbeitet das Amt für Jugend und Familie im Landratsamt bereits seit zwei Jahren. Bianca Ludwig, die bei der Fachstelle Familienförderung für das Projekt zuständig ist, erklärte im Stadtrat, jeder der vier Sozialräume im Landkreis solle einen solchen Familienstützpunkt erhalten: Der für den "Sozialraum Mitte", zu dem auch Dietramszell und Königsdorf gehören, wird in Geretsried verwirklicht. Für den "Sozialraum Nord" mit Egling, Eurasburg, Icking und Münsing, sei die Einrichtung "in Wolfratshausen am besten aufgehoben", sagte Ludwig. Schließlich seien in der Loisachstadt "etablierte Träger und gute Strukturen vorhanden". Zudem gibt es noch den "Sozialraum Süd", der die Gemeinden Bad Tölz, Greiling, Jachenau, Lenggries, Reichersbeuern, Sachsenkam und Wackersberg umfasst, und den "Sozialraum Loisachtal" mit Bad Heilbrunn, Benediktbeuern, Bichl, Kochel am See und Schlehdorf.

Die Familienstützpunkte sollen laut Ludwig Kontakt- und Anlaufstellen werden, die niedrigschwellige Beratung für "Familien mit ihren täglichen Alltagsherausforderungen" anbieten. Gleichzeitig sollen sie offene Treffpunkte sein, "in denen sich jeder willkommen fühlt". Mit ihnen wolle man "kein Konkurrenzprodukt schaffen", sondern bestehende Angebote besser vernetzen und bekannt machen. "Die Familien haben großes Interesse an bestehenden Angeboten, nehmen diese aber oft nicht präventiv wahr", fasste Ludwig eine wichtige Erkenntnis des Projekts zusammen, an dem seit zwei Jahren eine Lenkungs- und eine Steuerungsgruppe fürs Landratsamt arbeiten. Familienstützpunkte könnten "Brücken bauen", auch zu Behörden, und mit frühzeitiger Hilfe schwere Problemlagen vermeiden. Auch könnten sie je nach Bedarf Angebote für die jeweilige Stadt entwickeln, etwa für Alleinerziehende.

Die Familienstützpunkte sollen an bestehende Träger angegliedert werden. Das können laut Ludwig auch Kindertagesstätten oder Einrichtungen der Jugendhilfe sein. Betreut werden sollen sie von einer pädagogischen Fachkraft, die zunächst für zehn Wochenstunden tätig sein soll. Die Kosten dafür beziffert ihre Fachstelle mit 25 000 Euro pro Jahr, 18 000 Euro für den Lohn und 7000 Euro für Sachkosten. Vorgesehen ist, dass Kommunen und Landkreis jeweils die Hälfte davon tragen, also je 12 500 Euro pro Jahr. Im weiteren Projektverlauf soll laut Ludwig eine Förderrichtlinie entwickelt werden, die im Stadtrat dann noch einmal zur Abstimmung kommt, voraussichtlich im November. Dann könnten sich freie Träger mit einem Konzept für den Familienstützpunkt bewerben. In Betrieb gehen könnten die Stützpunkte voraussichtlich im kommenden Jahr.

Alle Stadtratsmitglieder waren sich einig, dass ein solcher Familienstützpunkt wichtig sei für Wolfratshausen. Hans Schmidt (Grüne) bemängelte jedoch die Beschränkung auf nur zehn Wochenstunden bei der geplanten Koordinatorenstelle. "Das ist eine Frage des Geldes", sagte Ludwig dazu. Mit geringeren Kosten sei das Projekt beim Landkreis leichter durchzubringen. Wie Ulrich Reiner vom Amt für Jugend und Familie erklärte, erhält der Landkreis vom Familienministerium eine Förderung für das Projekt nach Geburtenzahlen, etwa 37 000 Euro pro Jahr. Das Geld müsse dann auf alle Familienstützpunkte verteilt werden.

Fritz Meixner (SPD) erinnerte daran, dass das Budget für die Jugendhilfe mit knapp zwölf Millionen Euro eines der größten im Landkreis sei. Fünf Millionen davon würden "für eine relativ kleine Zielgruppe ausgegeben, die ganz viel Hilfe braucht", sagte der Geschäftsführer des Kinder- und Jugendfördervereins. Der Landkreis habe sich 2011 mit der Sozialraum-Orientierung "sehr mutig auf einen Reformweg begeben", sagte Meixner. "Wir versuchen, Problemlagen früher zu erkennen, um Präventionsarbeit zu leisten und Folgekosten zu vermeiden." Diese Strategie sei "mehr als gelungen". Zwar komme die Anfrage mit Blick auf die angespannte Haushaltslage in Wolfratshausen "denkbar ungelegen", so Meixner. Aber: "Diese Investition ist rentierlich und zahlt sich langfristig aus." Dass die Arbeit des Familienstützpunkts ausbaufähig ist, hatte Reiner zuvor betont. In Hohenschäftlarn gebe es bereits seit Jahren eine solche Einrichtung, die gut angenommen werde, erzählte er. Dort sei die Leitung mittlerweile 26 Stunden pro Woche im Einsatz.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema