bedeckt München 11°

Wolfratshausen:Wegen Glätte vor Gericht

Weil er gegen einen Zug gefahren ist, zahlt ein Bichler 1200 Euro

Von Claudia Koestler, Wolfratshausen

1200 Euro muss ein 27-jähriger Bichler Geschäftsführer an die Bayerische Krebsgesellschaft zahlen, weil er im Januar"in den Bahnverkehr eingegriffen" hatte. Das war die Auflage, gegen die Richter Helmut Berger am Mittwoch das Verfahren vor dem Amtsgericht eingestellt hat. Am 23. Januar war Max-Josef R. (Name geändert) frühmorgens mit seinem Volkswagen in Bichl in Richtung des dort unbeschrankten Bahnübergangs gefahren. Zwar sei es an diesem Wintermorgen kalt gewesen, doch dass es glatt war, habe er an keiner Stelle vorher bemerkt, gab der Angeklagte an. Trotzdem sei er mit sehr geringer Geschwindigkeit gefahren. Als er hinter einer Hecke den Regionalzug Richtung Kochel bemerkte, habe er bremsen wollen. Doch ausgerechnet an dieser Stelle sei es so spiegelglatt gewesen, dass sein Fahrzeug auf den Bremsversuch nicht reagiert habe. Deshalb sei er seitlich in den Zug geschlittert. Ihm selbst sei bei dem Unfall nichts passiert, sein Fahrzeug indes sei schrottreif gewesen. Den Schaden am Zug beziffert die Bahn auf rund 90 000 Euro. Auch weil der Transport des Zugs ins Werk zur Reparatur sehr teuer komme, vermutete Rechtsanwältin Michaela Schmidt-Eberth. Über diese Kosten streiten sich gerade die Versicherungen.

Dass der betreffende Regionalzug allerdings kein akustisches Signal abgegeben habe, bevor er den unbeschrankten Übergang erreichte, bestätigte der Lokführer. "Normalerweise gibt es vor solchen Übergängen eine solche Vorschrift und eine Pfeifkarte, hier aber nicht", erklärte er. Ein akustisches Signal sei somit nicht zwingend vorgeschrieben. Zwar sei ausgerechnet der Bichler Bahnübergang "einer, der mit Vorsicht zu genießen ist", bestätigte der Lokführer. Er sehe aber nicht ein, "dass ich jedesmal mit 30 Stundenkilometern darüberkriechen soll, nur weil jemand kommen könnte". Er pfeife zwar in Bichl manchmal, aber nur, wenn es ihm sinnvoll erscheine. An diesem Tag allerdings nicht, "weil ich kein Fahrzeug gesehen habe". Erst als er einen Schlag gespürt habe, sei ihm der Unfall klar geworden.

Solche unbeschrankte Bahnübergänge "hat der Teufel gesehen, die sind enorm gefährlich", sagte Richter Berger. Und dass es am Tag des Unfalls rund um den Bahnübergang spiegelglatt war, bestätigte der Polizist, der den Fall aufgenommen hatte. "Es war, wenn ich das so sagen darf, arschglatt. Allerdings war das erst mal nicht zu erkennen, bis es einen Kollegen zerlegt hat."

© SZ vom 28.05.2015

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite